Stephan Ackermann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Debatte um Missbrauchsfälle Bischof Ackermann für Festhalten am Zölibat

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat sich dafür ausgesprochen, an der verpflichtenden Ehelosigkeit bei katholischen Priestern festzuhalten. Er widersprach damit seinem Mainzer Amtskollegen Peter Kohlgraf.

Dauer

Ackermann sagte der "Südwest Presse", er halte die Ehelosigkeit "für eine wertvolle Lebensform". Wäre der Zölibat für katholische Geistliche nicht verpflichtend, würde "diese Lebensform verschwinden". Wer ehelos lebe, komme dann schnell in den Verdacht, "dass bei ihm etwas nicht stimmt", sagte Ackermann.

"Der Knackpunkt ist freiwillig oder nicht."

Bischof Peter Kohlgraf zum Zölibat

Kohlgraf hält Abkehr für denkbar

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hatte zuvor der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" gesagt, mittelfristig sei eine Abkehr vom Pflichtzölibat in Deutschland denkbar. Die Verpflichtung zur Ehelosigkeit als einzigem Weg werde dann "möglicherweise der Vergangenheit angehören", so Kohlgraf. Er würde es begrüßen, wenn es unterschiedliche Zugangswege zum Priesteramt gebe.

Es müsse darüber diskutiert werden, ob es neben dem "ordentlichen Zugangsweg" zum Priesteramt über den Zölibat, auch "in Einzelfällen außerordentliche Zugangswege" geben könne, sagte er am Donnerstag im SWR. "Der Knackpunkt ist freiwillig oder nicht."

Ackermann zu Zölibat und Missbrauch

Der Trierer Bischof Ackermann, der auch Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, betonte, "dass der Zölibat nicht per se der Auslöser von Missbrauch ist." Das hätten die Forscher der kirchlichen Missbrauchsstudie dargelegt. Es widerspräche auch dem Befund, dass Missbrauch am häufigsten im familiären Umfeld geschehe. Lediglich in Kombination mit bestimmten Faktoren werde der Zölibat zum Risiko. Deshalb seien Auswahl, Ausbildung und Begleitung von Priestern wichtig.

Verjährte Missbrauchsfälle an einer Berliner Jesuitenschule rüttelten 2010 die deutsche Gesellschaft auf. Die Missbrauchskrise hat bis heute Folgen für die katholische Kirche - auch in Rheinland-Pfalz.

STAND