Chronologie zum Bau der Hochmoselbrücke (Foto: SWR)

Chronologie eines Straßenbauprojektes Die Geschichte des Hochmoselübergangs

Am Mittwoch wurde der Hochmoselübergang für den Verkehr freigegeben. Es war ein historischer Moment, denn die Planungen für das Projekt liefen bereits seit 1970.

1970/1972

Die Behörden prüfen, ob eine Verbindung der Ballungsräume in Belgien mit dem Rhein-Main-Gebiet verkehrswirtschaftlich Sinn macht. Das Ergebnis ist der Hochmoselübergang, der eine Brücke im Moseltal zwischen Zeltingen-Rachtig und Ürzig beinhaltet.

1989

Die Behörden prüfen, inwiefern der Hochmoselübergang und die Hochmoselbrücke mit dem Naturschutz zu vereinbaren sind.

Das Moseltal bei Zeltingen-Rachtig vor dem Bau der Hochmoselbrücke (Foto: Quelle: Landesbetrieb Mobilität)
Das Moseltal bei Zeltingen-Rachtig vor dem Bau der Hochmoselbrücke im Jahr 2012. Quelle: Landesbetrieb Mobilität

2000

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) legt für den gesamten Hochmoselübergang die Pläne vor. Darunter der Abschnitt zwischen der A1 bei Wittlich und der B50 bei Platten sowie der Abschnitt zwischen Platten und Longkamp einschließlich der Hochmoselbrücke.

2002/2003

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) klagt gegen die Pläne des LBM aus dem Jahr 2000. Mit der Klage haben die Naturschützer teilweise Erfolg.

Dauer

Der Abschnitt zwischen Wittlich und Platten hingegen darf gebaut werden wie geplant, weil es sich laut Gericht dabei um kein Schutzgebiet nach EU-Richtlinie handelt. Noch im selben Jahr beginnen die Arbeiten.

Eine Computer-Animation der Hochmoselbrücke  (Foto: Quelle: Landesbetrieb Mobilität Trier / www.hochmoseluebergang.rlp.de)
Nach Vorbild dieser Computer-Animiaton wurde die Hochmoselbrücke gebaut. Quelle: Landesbetrieb Mobilität Trier / www.hochmoseluebergang.rlp.de

Der Abschnitt zwischen Platten und Longkamp, der die rund 160 Meter hohe Hochmoselbrücke zwischen Zeltingen-Rachtig und Ürzig enthält, darf vorerst nicht gebaut werden wie geplant. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz argumentierte damals, dass der geplante Abschnitt durch ein Vogelschutzgebiet führt, das Teil des Europäischen Naturschutz-Netzes werden soll. Dort leben seltene Grau-, Schwarz- und Mittelspechte. Das Gericht verlangt vom Landesbetrieb Mobilität, die Planung zu überarbeiten.

2006

Der Landesbetrieb Mobilität stellt seinen überarbeiteten Plan für den Abschnitt zwischen Platten und Longkamp vor, in dem auch die 1,7 Kilometer lange Hochmoselbrücke entstehen soll. Der Plan hält an der ursprünglichen Trasse fest. Spechte und Fledermäuse sollen jetzt jedoch durch zusätzliche "grüne Brücken" und Überflughilfen in ihrem Lebensraum geschützt werden.

Dem BUND geht das aber nicht weit genug. Die Naturschützer reichen erneut Klage ein.

2007/2008

Das Oberverwaltungsgericht weist die Klage des BUND ab. Laut Gericht ist der Hochmoselübergang mit dem deutschen und europäischen Naturschutzrecht vereinbar. Eine Revision wird nicht zugelassen. Damit ist klar: Der Hochmoselübergang und die Brücke werden gebaut.

Dauer

2009

Die Bauarbeiten am zweiten Streckenabschnitt des Hochmoselübergangs zwischen Platten in der Eifel und Longkamp im Hunsrück beginnen. Beim Spatenstich hält der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) eine Rede und wird von etwa 200 Brückengegnern ausgepfiffen.

Dauer

2010

Die Bürgerinitiative gegen den Bau des Hochmoselübergangs und der Hochmoselbrücke (Pro-Mosel) sammelt mehr als 20.000 Unterschriften gegen die Pläne. Daraufhin beschäftigt sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit der Kritik der Gegner.

Auf einer Weinbergsmauer stehen 2011 die Worte "Die Mosel weint". An dieser Stelle soll bis 2016 der Hochmoselübergang entstehen. Die Grünen lehnten das Projekt ab. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Marius Becker)
Marius Becker

2011/2012

Der Bau der 1,7 Kilometer langen und 160 Meter hohen Hochmoselbrücke beginnt - trotz der Proteste. Der Bau wird aber im April 2011 wieder gestoppt. Der Grund: Die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und die Koaltionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen. Die Hochmoselbrücke wird zum Thema der Sondierungsgespräche. Einen Monat später wird dann aber weiter gebaut. Die SPD setzt sich mit dem Argument durch, dass ein Baustopp der Brücke 160 Millionen Euro kosten würde. Die Grünen geben nach und müssen die Niederlage hinnehmen.

Grafik der Bürgerinitiative Pro-Mosel (Foto: Bürgerinitiative Pro-Mosel)
Grafik der Bürgerinitiative Pro-Mosel Bürgerinitiative Pro-Mosel

Auf der Hunsrückseite der Brücke werden die Fundamente für die Pfeiler betoniert. In jedem Fundament sind 100 Tonnen Stahl verarbeitet. Auf die Fundamente werden später die Brückenpfeiler gesetzt, die bis zu 160 Meter hoch werden.

SWR (Foto: SWR)
Fundamente der Brückenpfeiler an der Hochmoselbrücke werden betoniert.

Im April 2012 - kurz nach Beginn der Arbeiten an der Hochmoselbrücke - müssen diese erneut gestoppt werden. Der Grund ist ein fehlendes statisches Gutachten für die Hochmoselbrücke. Zuvor hatte die Bürgerinitiative Pro-Mosel immer wieder vor statischen Problemen beim Bau der Brücke gewarnt. Ihrer Ansicht nach sind die Gefahren, die durch die Rutschhänge der Mosel entstehen können, im Vorfeld nicht ausreichend untersucht worden.

Im Mai liegen beim rheinland-pfälzischen Innenministerium alle Statikunterlagen vor - es wird weiter gebaut.

2013

Arbeiter beginnen damit, den Stahl für die spätere Fahrbahn zusammenzuschweißen. Gleichzeitig werden die Pfeiler der späteren Brücke in die Höhe gemauert.

Erneut kommen Gerüchte über die fehlende Standsicherheit der Brücke auf. Sogar der Direktor des Landesamtes für Geologie und Bergbau, Harald Ehses, fordert ein weiteres Gutachten. Er sagt, dass mögliche Risiken noch nicht ausreichend untersucht worden sind. Das Infrastrukturministerium weist die Zweifel zurück.

2014

Im Februar lässt das Land Rheinland-Pfalz den Baugrund der umstrittenen Hochmoselbrücke weiter untersuchen. Es wird ein hydrogeologisches Gutachten in Auftrag gegeben, in dem es um mögliche Auswirkungen von Sickerwasser auf der Eifelseite bei Ürzig geht.

Im Juni legt die Landesregierung das Gutachten vor. Laut Gutachten kann die Brücke aber standsicher gebaut werden. Parallel zu den Bauarbeiten soll nach Angaben der Experten jedoch ein sogenanntes Monitoring durchgeführt werden. Das heißt, dass es weitere Untersuchungen zum Wasserhaushalt in dem Hang geben soll. Die Bürgerinitiative Pro-Mosel sieht das neue Gutachten zum Hochmoselübergang mit Skepsis.

Georg Laska von der Bürgerinitiative Pro-Mosel hat jahrelang gegen den Hochmoselübergang gekämpft (Foto: SWR)
Georg Laska hat jahrelang gegen den Hochmoselübergang gekämpft.

Im Dezember stellt die Bürgerinitiative bei der Trierer Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen den Weiterbau der Hochmoselbrücke. Darin bezweifelt sie unter anderem die Standsicherheit der Brücke, weil der Hang auf der Ürziger Seite unsicher sei. Rückendeckung erhält "Pro-Mosel" damals von einem renommierten Experten aus Aachen.

Der Geologe Rafig Azzam bezeichnet die Brücke als verantwortungslos und schließt ein Gefährdungsrisiko für Menschenleben nicht aus. Nach seiner Auffassung ist der Ürziger Hang instabil und nicht für ein solches Brückenbauwerk geeignet. Der Landesbetrieb Mobiltät gibt nach einem Treffen mit dem Geologen an, weiter von der Standsicherheit der Brücke überzeugt zu sein. Die Behörde erklärt sich aber bereit, die Kritikpunkte zu untersuchen.

Arbeiter beginnen derweil damit, die zukünftige Fahrbahn der Hochmoselbrücke über die Brückenpfeiler zu schieben.

Im August wird bekannt, dass der Hochmoselübergang bei Ürzig 81 Millionen Euro teurer und zwei Jahre später fertig werden soll als geplant. Grund dafür ist, dass unter anderem mehrmals der vom Regen aufgeweichte Boden mit Kalk und Zement verfestigt werden muss.

Im Dezember wird der erste Abschnitt des Hochmoselübergangs - vom Autobahnkreuz Wittlich bis nach Platten - für den Verkehr freigegeben. Die Strecke ist rund fünf Kilometer lang und hat mehr als 90 Millionen Euro gekostet.

2015

Im Januar beginnen die ersten Bohrpfahlarbeiten im umstrittenen Ürziger Hang.

Die Staatsanwaltschaft Trier hat die von der Bürgerinitiative Pro-Mosel gestellte Strafanzeige gegen den Bau der Hochmoselbrücke abgewiesen. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts gibt es keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten.

Chronologie zum Bau der Hochmoselbrücke (Foto: SWR)
Bohrungen zur Hochmoselbrücke am 7.1.2015

Der Ürziger Hang wird unterdessen überwacht. Nach Angaben des Landesbetriebs Mobilität wird anhand zahlreicher Messstellen unter anderem untersucht, ob sich der Hang bewegt und wie sich der Grundwasserspiegel verändert, wenn es beispielsweise regnet.

Dafür wurden unter anderem zwei Brunnen errichtet. Damit könne nicht nur das Wasser im Hang beobachtet werden - wenn es nötig sei, könnte der Hang darüber auch entwässert werden.

Parallel dazu wachsen auf der Hunsrückseite die letzten Pfeiler in den Himmel.

2016/2017

Nach Wunsch des Gemeinderates von Ürzig soll die Hochmoselbrücke zukünftig den Namen "Mittelmosel-Hochbrücke" tragen. Dieser hatte sich gegen Vorschläge wie "Würzgarten-Brücke", "Wein-Mosel-Hochübergang" und "Sankt Marternusbrücke" durchgesetzt.

Der Gemeinderat Zeltingen-Rachtig spricht sich stattdessen für den Namen "Himmelreich-Brücke" aus. Wer über den Namen der Brücke entscheidet - ob Bundes- oder Landesverkehrsministerium - ist weiterhin unklar.

Hochmoselübergang im Sommer 2017 (Foto: SWR, Astrid Schuler)
Astrid Schuler

Im Oktober wird bekannt: Der Hochmoselübergang wird erneut 27 Millionen Euro teurer als geplant. Grund für die gestiegenen Kosten seien die zusätzlichen Hangsicherungsarbeiten auf der Eifelseite bei Ürzig. Außerdem werde für den Bau der Brücke mehr Stahl benötigt. Der Hochmoselübergang soll jetzt mehr als 480 Millionen Euro kosten.

2018

Anfang des Jahres wird bekannt, dass sich wegen schlechten Wetters einige Arbeiten und damit auch die Fertigstellung des Hochmoselübergangs um ein Jahr verschieben.

Dennoch führt im August die Fahrbahn der Hochmoselbrücke zum ersten Mal komplett über das Moseltal, sodass Hunsrück und Eifel verbunden werden. Der LBM feiert Brückenschlag. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bekräftigt noch einmal, dass die Hochmoselbrücke sicher sei.

2019

Ende Juni beginnen an der Hochmoselbrücke die Asphaltierungsarbeiten. Insgesamt muss eine Fläche in der Größe von vier Fußballfeldern asphaltiert werden.

Beginn der Asphaltierarbeiten an der Hochmoselbrücke. (Foto: SWR, Ansgar Zender)
Beginn der Asphaltierarbeiten an der Hochmoselbrücke. Ansgar Zender

Im November werden der 25 Kilometer lange Hochmoselübergang und seine Brücke komplett für den Verkehr freigegeben. Am Ende ist das Straßenbauprojekt rund 200 Millionen Euro teurer und drei Jahre später fertig als geplant.

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