Kühe müssen nach dem Ausbruch der Blauzungenkrankheit in Rheinland-Pfalz im Sperrgebiet bleiben (Foto: dpa Bildfunk)

Erster Ausbruch im Land seit 2009 Blauzungenkrankheit: Rheinland-Pfalz ist jetzt Sperrzone

Nach dem ersten Fall der Blauzungenkrankheit bei einem Kalb in Rheinland-Pfalz seit zehn Jahren gilt das ganze Bundesland als Sperrzone. Tierärzte beklagen Engpässe beim Impfstoff.

Wie das Landesuntersuchungsamt (LUA) am Freitag mitteilte, bestätigte das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut den Blauzungen-Befund. Es sei der erste Nachweis dieser Tierseuche im Land seit Mai 2009. Ob auch ein Tier in Zweibrücken das Virus trägt, steht dagegen noch nicht fest. Das LUA rechnet erst in der kommenden Woche mit einem Ergebnis.

Ganzes Land nun Sperrgebiet

Laut Umweltministerium wird das bereits im Süden von Rheinland-Pfalz bestehende Sperrgebiet nun auf das gesamte Land ausgeweitet. Das Gebiet war 2018 nach dem Ausbruch der Seuche in Baden-Württemberg eingerichtet worden.

Damit dürfen mindestens zwei Jahre keine Rinder, Schafe, Ziegen, Rehe und Lamas aus dem Gebiet gebracht werden. Die Bundesländer und der Bund hatten sich nach Angaben des Mainzer Umweltministeriums allerdings kurzfristig auf Erleichterungen bei Handel und Transport von Rindern aus dem Sperrgebiet geeinigt.

Nicht geimpfte Tiere können zunächst bis Ende Februar innerhalb Deutschlands in freie Gebiete gebracht werden - vorausgesetzt sie wurden mindestens sieben Tage zuvor negativ auf das Blauzungenvirus getestet und mit einem Mittel zur Abwehr von Mücken behandelt. Zum Sperrgebiet gehören auch Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Verdacht bei Routinetest aufgetreten

Der Verdacht im Kreis Trier-Saarburg hatte sich bei einem Routinetest ergeben. Das geschlachtete Kalb stammte ursprünglich aus einem Milchviehbetrieb aus dem Kreis Kaiserslautern, wie Staatssekretär Thomas Griese (Grüne) am Donnerstag im Umweltausschuss sagte. Beide Betriebe seien gesperrt worden.

Die Blauzungenkrankheit ist eine Viruserkrankung, die vor allem Schafe, Ziegen und Rinder befallen kann. Für den Menschen gilt sie als ungefährlich.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Höfken von Ausbruch nicht überrascht

Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) zeigte sich nicht überrascht vom Ausbruch der Blauzungenkrankheit in Rheinland-Pfalz. "Es war lange zu erwarten, dass eine solche Situation kommt, und wir haben wirklich Monate und Jahre aufgefordert zu impfen", sagte sie dem SWR. Von 5.100 Betrieben haben demnach zirka 40 geimpft, der Rest nicht.

Knapper Impfstoff

Viehwirte in Rheinland-Pfalz melden seit dem Ausbruch der Krankheit in Baden-Württemberg Probleme bei der Beschaffung des Impfmittels. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd forderte vom Land einen Zuschuss für die Impfung von Tieren. So ließe sich der finanzielle Schaden für die Betriebe verringern. Das Umweltministerium nimmt dagegen die Bauern in die Pflicht. Trotz des "Näherkommens" der Blauzungen-Krankheit hätten Bauern nur zurückhaltend geimpft, daher könne es jetzt zu Engpässen kommen.

Aktuell gibt es einer SWR-Recherche bei Tierärzten zufolge beispielsweise im gesamten Hunsrück so gut wie keinen Impfstoff. Nach Angaben der Tierärzte liegt das vor allem daran, dass die Blauzungenkrankheit jetzt bei Trier zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder in Rheinland-Pfalz ausgebrochen ist. Da die Impfstoffe nur wenige Jahre haltbar seien, habe man keine größeren Depots angelegt. Erst Ende Januar rechnen die Tierärzte mit Nachschub.

STAND