Gedenkkreuze im KZ Hinzert (Foto: SWR)

80. Jahrestag der Errichtung Politiker erinnern an Verbrechen im KZ Hinzert

Im SS-Sonderlager/KZ Hinzert im Hunsrück wurden Menschen inhaftiert, zur Arbeit gezwungen, gefoltert und getötet. Zum 80. Jahrestag der Errichtung des Lagers gab es eine besondere Gedenkstunde.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Führende Vertreter aus Politik und Kirche in Luxemburg haben am Samstag an die Verbrechen im Lager in Hinzert erinnert. Im Zentrum stand das Gedenken an 23 luxemburgische Widerstandskämpfer, die dort am 25. Februar 1944 auf Anordnung aus Berlin ermordet wurden.

Malu Dreyer und Hendrik Hering (SPD) bei einer Gedenkveranstaltung im KZ Hinzert (Foto: SWR)
Malu Dreyer und Hendrik Hering (SPD) bei der Gedenkveranstaltung im KZ Hinzert

Dreyer: Nationalismus keinen Raum geben

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärte, Erinnerung sei wichtig "in einer Zeit, in der rechtsextreme Stimmen mit Hetze und Hass wieder lauter werden". Für viele Luxemburger sei Hinzert bis heute Inbegriff von Tyrannei und Mord durch eine unbarmherzige Gewaltherrschaft. Es gelte, denjenigen entschieden entgegenzutreten, die jetzt versuchten, einen sogenannten Schlussstrich zu setzen. Jeder sei gefordert, Nationalismus keinen Raum zu geben.

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Gedenkorte wie Hinzert mahnten, nicht zu Nationalismen zurückzukehren, sagte der luxemburgische Erzbischofs Jean-Claude Hollerich. Der designierte Kardinal appellierte an die Europäer, sich "Europa nicht kaputt machen zu lassen".

An der Gedenkveranstaltung nahmen auch Angehörige ehemaliger Häftlinge des Lagers, Diplomaten beider Länder sowie der Trierer katholische Bischof Stephan Ackermann und der rheinische Präses Manfred Rekowski teil.

Dunkles Kapitel in der Geschichte

1939 war in Hinzert bei Trier ein Polizeihaftlager für straffällige Westwall-Arbeiter eingerichtet worden - mit der Bezeichnung "SS-Sonderlager Hinzert". Ab 1940 wurde es unter Leitung der SS als KZ genutzt. Für die meisten Gefangenen war Hinzert eine Durchgangsstation auf ihrem Leidensweg in die Vernichtungslager Buchenwald, Natzweiler oder Dachau - unter ihnen auch etwa 1.600 Luxemburger.

Bis März 1945 wurden Menschen im KZ Hinzert zur Arbeit gezwungen, gefoltert und getötet. 321 Morde sind belegt, vermutet werden jedoch weitaus mehr Opfer. Insgesamt 80.000 insbesondere luxemburgische, belgische, französische und niederländische Häftlinge litten im KZ im Hunsrück.

Die Gedenkstätte Hinzert im Hochwald mit Dokumentationszentrum (Foto: SWR, Ute Leineweber)
Die Gedenkstätte Hinzert im Hochwald mit Dokumentationszentrum Ute Leineweber
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