Die Kyll ist in Gerolstein am 15. Juli enorm über die Ufer getreten und hat Zufahrtsstraßen überschwemmt. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe

Trierer OB: Müssen Menschen für Hochwassergefahren sensibilisieren

STAND

Im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe hat der Trierer Oberbürgermeister Leibe aufgerufen, die Menschen für die Gefahren von Hochwasser- und Starkregenereignissen zu sensibilisieren. Die Menschen hätten für solche Gefahren kein Gefühl, sagte Leibe.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) berichtete, viele Menschen hätten die Aufforderungen der Trierer Berufsfeuerwehr in der Flutnacht nicht ernstgenommen, ihre Häuser zu verlassen. Die Feuerwehr habe sieben Stunden vor der Evakuierung unter anderem mit Lautsprechern in Ehrang informiert, dass eine solche Maßnahme möglich werden könne. Auch er selbst sei von Haus zu Haus gegangen und habe erlebt, dass Menschen sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen, so Leibe.

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Wenige Zeit später habe die Feuerwehr viele dieser Bewohner mit Radladern vom Dach ihrer Häuser retten müssen. Einige hätten ihn aus dem Radlader im Vorbeifahren gegrüßt, berichtete der Trierer Oberbürgermeister. Für ihn stelle sich die Frage „wie wir bei den Menschen ein Bewusstsein für solche Gefahren schaffen“.

Trier konnte auf Alarmpläne für die Mosel zurückgegreifen

In Trier war Mitte Juli vergangenen Jahres die Kyll über die Ufer getreten. Vor allem in Ehrang und Kordel gab es große Schäden. Menschen kamen damals nicht zu Schaden. Nach Leibes Angaben hatte damals niemand mit einem Kyll-Hochwasser in diesem Ausmaß gerechnet. Es habe damals auch keinen Alarm- und Einsatzplan für den Fluss gegeben. Stattdessen habe man analog den Einsatzplan umgesetzt, den es für die Mosel gebe. Dadurch sei die Berufsfeuerwehr gut aufgestellt gewesen.

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OB Leibe übernahm Einsatzleitung in Trier

Oberbürgermeister Leibe berichtete zudem, dass er am 14. Juli im Laufe des Tages die Einsatzleitung übernommen habe. Dazu habe auch gehört, sich ständig vor Ort über die Lage zu informieren: "Die Entscheidung muss vor Ort getroffen werden." Dass das Krankenhaus in Trier-Ehrang, das eigentlich als völlig sicher galt, evakuiert werden musste, sei auch ihm vor Ort klar geworden. "Wir haben das Wasser gerochen. Es bestand aus Heizöl und Scheiße", berichtete Leibe.

Landrätin Gieseking: Es ist wichtig vor Ort zu sein

Auch die Landrätin des Kreises Vulkaneifel, Julia Gieseking, erklärte im Untersuchungsausschuss, dass sie am Tag der Flut ab dem späten Nachmittag ständig in der Technischen Einsatzleitung präsent war. Es sei wichtig, als Landrätin vor Ort zu sein, weil es darum gehe wichtige Entscheidungen zu fällen, die dann "politisch abgesichert seien", so Gieseking. Als Beispiel nannte sie die Ausrufung des Katastrophenfalls.

Ihr sei es wichtig gewesen, diesen früh auszurufen, damit die Nachricht an dem Abend auch noch viele Bürgerinnen und Bürger erreichen konnte. Damit verbunden habe sie um 20.30 Uhr unter anderem mit dem Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises gemeinsam eine Pressekonferenz gegeben, um die Menschen im Landkreis zu warnen und die Medien zu informieren. Wir haben "auf allen Kanälen kommuniziert", sagte Gieseking. Mit einem Facebook-Post allein habe man etwa 130.000 Menschen erreicht.

ADD hat Unterstützung angeboten

Eine "Einsatzleitung kann nur erfolgreich sein, wenn man gute Ortskenntnis hat", davon zeigte sich Jürgen Larisch überzeugt. Der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Bitburg Prüm sagte: "Hilfe hat man gern von überall, aber die Einsatzleitung muss sich vor Ort auskennen." Er berichtete auch, am 14. Juli regelmäßig Kontakt zur Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gehabt zu haben. Diese habe wie immer in solchen Fällen ihre Unterstützung angeboten.

Fernis: Einblick in Arbeit kommunaler Verwaltungen sehr hilfreich

Die Befragung der Vertreter verschiedener Landkreise ist nach Ansicht der Ausschuss-Mitglieder auch mit Blick auf den besonders stark betroffenen Kreis Ahrweiler von Bedeutung. FDP-Obmann Philipp Fernis sagte dem SWR, dies sei sehr relevant, da es weiterhin völlig unklar ist, was der damalige Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler, zur Abwehr und Bewältigung der Katastrophe unternommen habe. "Einblicke in die konkrete Arbeit anderer kommunaler Verwaltungen sind in diesem Zusammenhang besonders hilfreich", so Fernis.

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Der Untersuchungsausschuss soll klären, welche Versäumnisse es bei der Flutkatastrophe Mitte Juli gab und wer dafür verantwortlich ist.

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