Vor der Tankstelle in Idar-Oberstein, in der ein Kassierer erschossen wurde, wurde ein kleiner Altar mit Blumen, Kerzen und Fotos aufgestellt (Foto: SWR)

20-Jähriger in Idar-Oberstein erschossen

Mutmaßlicher Täter soll Waffe von seinem Vater erhalten haben

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Im Fall des Tötungsdelikts von Idar-Oberstein gibt es Hinweise, wonach der mutmaßliche Täter Mario N. die Tatwaffe bereits vor einigen Jahren von seinem Vater erhalten haben könnte. Das haben SWR-Recherchen ergeben.

Der Vater von Mario N. soll in der Vergangenheit mehrere Waffen besessen haben – darunter offenbar auch illegale. Mit einer dieser Waffen hatte der Vater, der in der Nähe von Idar-Oberstein wohnte, im März 2020 Suizid begangen. Zuvor hatte er versucht, seine Ehefrau zu töten.

Polizei hatte Waffen beschlagnahmt

In Zusammenhang mit diesem Vorgang soll die Polizei mehrere Waffen beschlagnahmt haben. Wann genau und unter welchen Umständen die Tat-Waffe von Idar-Oberstein in die Hände von Mario N. gelangte, ist unklar.

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach wollte sich gegenüber dem SWR dazu nicht äußern. Die Herkunft der Waffe werde noch überprüft.

Mutmaßlicher Täter geständig

Der 49-jährige Mann hat gestanden, am Samstag einen 20-jährigen Tankstellen-Mitarbeiter erschossen zu haben. Das Opfer soll den Mann zuvor auf die Maskenpflicht hingewiesen haben.

Offenbar gibt es Augenzeugen, die die Tat beobachtet haben. Um sie zu schützen, will die Staatsanwaltschaft sich nicht weiter zu ihnen äußern.

Mertin fordert Schließung von Schlupflöchern im Internet

Unterdessen fordert der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP), dass sich die Politik Hass im Internet entgegenstellen müsse.

Der rheinland-pfälzische Justizminister Mertin fordert in diesem Zusammenhang, Hasskriminalität im Internet mit allen Mitteln des Rechtsstaats zu bekämpfen. Es dürfe im im Internet keine "Verstecke" und keine Schlupflöcher geben, so Mertin. "Und falls sie existieren, müssen sie umgehend geschlossen werden. "

Maskenpflicht war offenbar Auslöser für die Tat

Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der 49-Jährige am Samstagabend den Verkaufsraum der Tankstelle ohne Maske betreten und zwei Sechserpack Bier auf den Tresen an der Kasse gestellt. Der 20-jährige Kassierer habe den Mann auf die Maskenpflicht hingewiesen - woraufhin der Mann den Raum verlassen und dabei drohend die Hand gehoben habe.

Gegen 21:45 Uhr betrat der Tatverdächtige laut Staatsanwaltschaft erneut die Tankstelle, diesmal mit Mund-Nasen-Bedeckung. An der Kasse habe er die Maske heruntergezogen. Der Kassierer habe den Mann erneut auf die Einhaltung der Maskenpflicht hingewiesen, so der Oberstaatsanwalt. Schließlich habe der Mann den Revolver gezogen und einen tödlichen Schuss auf den 20-jährigen Studenten aus Idar-Oberstein abgegeben. Anschließend sei er zu Fuß geflüchtet.

Frust über Corona-Maßnahmen als Motiv

Der Festgenommene hat den Angaben zufolge als Motiv angegeben, dass ihn die Situation der Corona-Pandemie stark belaste. Er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und "keinen anderen Ausweg gesehen" als ein Zeichen zu setzen. Das Opfer schien ihm dabei "verantwortlich für die Gesamtsituation, da es die Regeln durchgesetzt habe", sagte Staatsanwalt Fuhrmann. Weiterhin habe er in seiner Vernehmung angegeben, die Corona-Schutzmaßnahmen abzulehnen.

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SWR