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Corona erzwingt auch die Schließung von Tierparks. Hunderte Bürger haben den größten von ihnen in Rheinland-Pfalz, den Zoo Neuwied, mit Spenden vorerst gerettet. Doch wie geht es den anderen?

Bei den coronabedingt zwangsgeschlossenen Betrieben in Rheinland-Pfalz laufen hohe Fixkosten weiter. Schon im Frühling 2020 waren die Zoos im Land wochenlang wegen der Corona-Pandemie geschlossen worden. Zahlreiche Einrichtungen bangen nun um ihre Existenz. "Wenn wir nicht an Ostern endlich wieder öffnen können, wird es zappenduster für uns", so etwa Remo Müller, Besitzer des Tiererlebnisparks Bell im Hunsrück mit 150 Tieren auf 100.000 Quadratmetern. Andere Zoos im Land äußern sich ähnlich: Keinesfalls dürfe auch die Saison 2021 gefährdet werden.

Remo Müller, Betreiber des Tier-und Erlebnisparks Bell, bringt Fleisch in das Gehege seiner drei Tiger. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Thomas Frey)
Remo Müller, Betreiber des Tier-und Erlebnisparks Bell, bringt Fleisch in das Gehege seiner drei Tiger. Für gewöhnlich vertilgt ein Tiger etwa sechs bis acht Kilogramm Fleisch pro Tag. Thomas Frey

Der Leiter des Tierparks Rheinböllen im Hunsrück, Kristof Fröhlich, sagt, in seiner Einrichtung müssten auch während der erneuten Schließung seit Anfang November die 300 Tiere regelmäßig gefüttert werden. Sein gutes Dutzend festangestellter Mitarbeiter könne und wolle er nicht entlassen, ergänzt Fröhlich - geeignetes Fachpersonal sei schwer zu finden. "Wir haben jeden Monat laufende Kosten von 50.000 Euro", fügt er hinzu.

Ein eurasischer Luchs (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Eibner-Pressefoto)
Der Hochwildschutzpark Rheinböllen ist rund 70 Hektar groß. In ihm leben auch zahlreiche Waldtiere - wie zum Beispiel dieser Luchs. Luchse brauchen ein bis zwei Kilogramm Fleisch täglich. Eibner-Pressefoto

Tierparkbetreiber befürwortet Runden Tisch für alle Tierparks

Noch höhere regelmäßige Ausgaben hat der Zoo Neuwied mit seinen 1.800 Tieren. Er wäre jüngst fast pleitegegangen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) plante schon einen Runden Tisch - doch dann retteten rasche Spenden von insgesamt mehr als 250.000 Euro schlagzeilenträchtig den privaten Tierpark. Dreyer kündigte zusätzliche Landes- und Bundesmittel von insgesamt gut 150.000 Euro für diesen Zoo mit 80 Mitarbeitern im Norden von Rheinland-Pfalz an. Andere Tierparkbetreiber sehen dessen Rettung mit gemischten Gefühlen. "Natürlich ist das sehr gut", sagt Fröhlich. Wichtig wäre aber mehr Hilfe für alle Zoos im Land. "Gut wäre ein Runder Tisch für alle Tierparks. Wir alle zusammen planen jetzt auch einen offenen Brief zu unserer Lage."

Laut dem Umweltministerium in Mainz können verschiedene finanzielle Hilfen von Land und Bund fließen. Vor allem die kürzlich bis Ende Juni 2021 verlängerte Futterhilfe steht hier im Fokus. Bislang wurden laut Ministerium "13 Bewilligungen an acht Einrichtungen ausgesprochen und insgesamt 130.190 Euro ausgezahlt". Weitere Anträge über insgesamt rund 25.000 Euro würden bald bewilligt. "Wir gehen davon aus, dass weitere Anträge in nächster Zeit eingehen werden", ergänzt das Umweltministerium.

Zugang zu Futterhilfe nur im äußersten Notfall

Tierparkchef Fröhlich sagt allerdings, Futterhilfe bekäme er nur, wenn er eidesstattlich einen existenzbedrohenden Liquiditätsengpass bestätigen würde. Dann wäre es aber schon zu spät, dann hätte er vorher bereits Mitarbeiter entlassen müssen. Fröhlich versichert, längst werde in seinem Tierpark gespart, wo es gehe, beispielsweise mit der Abmeldung von Fahrzeugen.

Auch das Reptilium in Landau mit 19 Mitarbeitern und etwa 1.200 Tieren wie Krokodilen und Schlangen hat kürzlich von laufenden Kosten von monatlich rund 50.000 Euro und ausbleibenden Zahlungen gesprochen. Von der beantragten November- und Dezemberhilfe des Bundes sei zunächst nur ein Abschlag von 10.000 Euro geflossen. Dem Reptilium droht derweil die Insolvenz: Wie der Leiter des Zoos, Uwe Wünstel dem SWR sagte, könnten nur noch die ausstehenden Hilfsgelder des Bundes die private Einrichtung retten.

Uwe Wünstel vom Reptilium Landau hält Löwenbaby Lea auf dem Arm (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Uwe Anspach)
Im Reptilium Landau ist der größte Reptilienzoo Deutschlands. 2020 machte er Schlagzeilen, weil er das Löwenbaby Lea einige Zeit beherbergte. Es war nach einem Verkehrsunfall auf der A5 vorübergehend dorthin gebracht worden. Uwe Anspach

Müller vom Tiererlebnispark Bell berichtet Ähnliches. Immerhin bekommt nicht nur der Zoo Neuwied Spenden - auch andere Tierparks profitieren von dem Engagement vieler aufgeschreckter Tierfreunde. "Wir haben so insgesamt rund 50.000 Euro bekommen", sagt Müller. Allerdings habe er jeden Monat laufende Kosten von 30.000 Euro.

Im Frühling muss das Wetter stimmen

Zum Glück seien im vergangenen Sommer angesichts vieler internationaler Reisebeschränkungen außergewöhnlich viele Besucher in seinen Tierpark geströmt. "Wenn aber der nächste Frühling verregnet ist, dann ist wirklich Feierabend für uns", warnt Müller. Sein Hunsrücker Kollege Fröhlich, der im Dezember auch mit dem Verkauf von Weihnachtsbäumen seine Kasse etwas zu füllen versucht hatte, wundert sich, dass im benachbarten Saarland die Zoos weiterhin offen sein dürfen.

In seinem 80 Hektar großen Tierpark Rheinböllen sei so viel Platz, dass bei einem strengen Corona-Hygienekonzept Besucher im Freien kaum gefährdet sein dürften: "Bei unserem Rotwildgehege können Sie einen Kilometer am Zaun entlang laufen." Um den Jahreswechsel sei er extra einmal nach Mainz-Gonsenheim gefahren: "Da gibt es ausgerechnet in der Landeshauptstadt einen kleinen Wildpark, der nicht abgesperrt ist - da kann man immer noch rumlaufen."

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