Der Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet nimmt wieder zu (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Tag gegen Lärm

Corona sorgte nur phasenweise für mehr Ruhe über Mainz

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Der Luftverkehr im Rhein-Main-Gebiet hat sich auf Corona eingestellt. Die Zahl der Flugbewegungen steigt wieder deutlich. Fluglärm-Gegner fordern mehr Verlagerung auf die Schiene.

Die Corona-Pandemie hatte vorübergehend Ruhe gebracht - inzwischen ist es wieder lauter am Himmel über dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt/Main. Über das Osterwochenende habe sich der Reiseverkehr mit täglich mehr als 1.000 Flügen bemerkbar gemacht, sagte Wolfgang Heubner vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen einen Ausbau des Flughafens anlässlich des Tags gegen Lärm am Mittwoch.

Zwar sei die Zahl der Flugbewegungen von und nach Frankfurt noch deutlich geringer als vor der Pandemie. Doch vor allem abends sei die Lärmbelastung hoch. "Zwischen 22 und 23 Uhr geht es teilweise im Minutentakt", sagte Heubner. Das Bündnis setzt sich für eine Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr ein. Derzeit gilt zwischen 23 und 5 Uhr ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen.

Auch die Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen verlangt ein absolutes Nachtflugverbot. "Die Gesundheitsbelastung und das Leid der Anrainer bis weit hinein nach Rheinhessen ist auch zehn Jahre nach Eröffnung der Landebahn Nordwest unerträglich", betonte Knut Dörfel, einer der Sprecher der Initiative, am Mittwoch. Besonders in den Nachtrandstunden von 22 bis 23 Uhr und 5 bis 6 Uhr "ist der Schlaf besonders sensibel und die Gesundheitsbelastung durch zahlreiche Überflüge enorm".

Viele Ziele schneller mit der Bahn erreichbar

Beide Bürgerinitiativen drängen zudem auf eine Verringerung von Flugbewegungen, besonderes Augenmerk gilt dabei Kurzstreckenflügen. Rund 20 Prozent der Flüge über Ostern hätten Ziele in weniger als 500 Kilometer Entfernung zum Ziel gehabt. Diese könnten in den meisten Fällen durch Bahnfahrten ersetzt werden. "Es heißt zwar immer, die Bahn sei unpünktlicher, doch bei der Bahn werden Verspätungen ab fünf Minuten gezählt, bei Flugzeugen ab 15 Minuten", sagte Heubner. Zudem könne man München beispielsweise aus Frankfurt schneller mit dem Zug erreichen als mit dem Flugzeug.

Dörfel fordert, Kurzstreckenflüge generell zu verbieten. "Die schädlichen Emissionen aus dem Luftverkehr müssen konsequent reduziert und gestoppt werden."

514.000 Flugbewegungen in Frankfurt im Jahr 2019

"Wir dürfen nicht mehr auf das Niveau von 2019 kommen", sagte Heubner mit Blick auf den Fluglärm in Rhein-Main. In dem Jahr waren es rund 514.000 Flugbewegungen. Mehr als 70.000 davon seien Kurzstrecken gewesen. Einen Flughafen wie den in Frankfurt "mit aggressivem Expansionspotenzial" dürfe es mitten in einem derart dicht besiedelten Ballungsraum nicht geben. Heubner forderte eine Besteuerung von Flugzeugbenzin und einen Stopp von Vergünstigungen für Billig-Airlines.

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