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Jedes Jahr findet bundesweit am ersten Samstag im Juni der Tag der Organspende statt, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Trotz der Corona-Pandemie ist die Bereitschaft zur Organspende in Rheinland-Pfalz nicht gesunken - im Gegenteil.

In den ersten vier Monaten des Jahres zählte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) nach eigenen Angaben und vorläufigen Zahlen 22 Spender in Rheinland-Pfalz. 2019 waren es im gleichen Zeitraum 14, 2018 sogar nur sieben. Die Zahl der gespendeten Organe stieg sogar noch stärker: Zwischen Januar bis April wurden im Land 81 Organe zur Transplantation freigegeben, 2019 waren es 52, 2018 sogar nur 24.

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Bundesweit gab es von Januar bis Ende April 330 Organspender, die nach ihrem Ableben ihre Organe zur Verfügung stellten. 2019 waren es im selben Zeitraum 296. Vor allem im Januar und Februar hätten sich die Zahlen um fast 30 Prozent gesteigert. "Damit weicht die Entwicklung von der in vielen anderen europäischen Ländern ab", erläutert der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel. Aus Italien wurde ein Rückgang der Organspende um 30 Prozent, aus Spanien um über 50 Prozent gemeldet. Dass ein solcher Umbruch in Deutschland nicht stattgefunden habe, sei "ein sehr ermutigendes Signal für die Menschen auf der Warteliste". Nach wie vor würden über 9.000 Menschen auf ein Spenderorgan warten.

Die Sorge vieler dieser Menschen, eine Transplantation könnte an mangelnden Intensivkapazitäten in der Corona-Pandemie scheitern, habe sich bisher nicht erfüllt. "Nach unseren Erfahrungen in den vergangenen Wochen denken die Entnahmekrankenhäuser weiterhin an die Organspende. Organspender werden weiterhin gemeldet und Organtransplantationen finden weiterhin statt." Allerdings wurden die Lebendspenden, bei der zum Beispiel ein Angehöriger eine seiner Nieren oder einen Teil seiner Leber spendet, in fast allen Transplantationszentren vorübergehend ausgesetzt, weil so eventuelle Risiken für Spender und Empfänger durch eine Corona-Infektion nach der Operation vermieden werden können.

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Aufklärung über Organspende parteiübergreifend vorantreiben

Sie sei sehr froh, dass die Organspenderzahlen im Land im vergangenen Jahr gestiegen und während der Corona-Krise nicht eingebrochen seien, teilte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Freitag in Mainz mit. "Gerade die umfassende Aufklärungsarbeit spielt dabei eine wichtige Rolle." Eine "ergebnisoffene Aufklärung" der Menschen müsse weiter gestärkt werden. Menschen müssten ermutigt werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dr. Christoph Gensch, nimmt den Aktionstag zum Anlass, um für die Bereitschaft zur Organspende zu werben: "Jeder von uns kann ein Lebensretter sein und es ist unsere Aufgabe, die Menschen genau dafür zu sensibilisieren", so Gensch. Aufklärung und Information zu Organtransplantationen seien ein fortwährender Prozess, den man intensiv und parteiübergreifend vorantreiben müsse.

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Tag der Organspende dieses Jahr virtuell

Zum ersten Mal seit 37 Jahren wird es am Tag der Organspende keine Live-Veranstaltungen geben. Statt wie geplant in Halle findet der Infotag nur online statt. Geplant ist unter anderem eine Aktion namens "Geschenkte Lebensjahre", für die Organempfänger ein Foto von sich hochladen: Mit einem Schild, das die Zahl der ihnen seit der Transplantation geschenkten Lebensjahre zeigt.

Axel Rahmel, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (Foto: Britta Pedersendpa-Zentralbilddpa) (Foto: dpa Bildfunk, Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
Axel Rahmel (DSO) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 05.06.2020 vor dem Tag der Organspende im Bundesministerium für Gesundheit. Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der Tag sei "ein guter Anlass", daran zu erinnern, dass sich die Menschen informieren und einen Organspendeausweis ausfüllen, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Zwar sei das Interesse, offenbar beflügelt durch die monatelange Debatte über die sogenannte Widerspruchslösung, so groß wie nie zuvor. Es gehe aber darum, "aus dieser grundsätzlichen Bereitschaft" eine konkrete Entscheidung zu machen - durch Ausfüllen des Organspendeausweises, so Spahn.

Entscheidung nach wie vor freiwillig

Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist in Deutschland nach wie vor freiwillig. Nach einer neuen Gesetzesregelung sollen die Bürger künftig bei Behördengängen und Arztbesuchen stärker zu einer Entscheidung ermuntert werden. Ein Vorstoß von Spahn zur Einführung der sogenannten doppelten Widerspruchslösung scheiterte. Nach Überzeugung ihrer Befürworter hätte diese Gesetzesinitiative die Chancen für mehr Organspenden entschieden verbessert. Damit wäre jeder als Organspender in Frage gekommen, der dem zuvor nicht explizit widersprochen hätte.

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