Kinder schwimmen in einem großen mobilen Gartenpool  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Hoher Wasserverbrauch bei Hitze

Gartenpool befüllen: Manche Gemeinden wollen eine Anmeldung

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Gartenpools sind beliebt. Gerade in den beiden Sommern der Corona-Pandemie haben sich viele Menschen ein eigenes Schwimmbecken angeschafft. Das steigert aber den Wasserverbrauch und kann zu Problemen führen.

Die Verbandsgemeinde Montabaur bittet ihre Bürger auch in diesem Jahr wieder, es vorher zu melden, wenn sie ihren Gartenpool füllen und dafür mehr als 5.000 Liter Wasser brauchen. Sollte auch in anderen Kommunen von Rheinland-Pfalz das Planschen besser angekündigt werden? Wir haben bei einigen Versorgungsbetrieben nachgefragt:

In Montabaur argumentiert man, das Versorgungsnetz könne überlasten, wenn zu viele gleichzeitig ihre Pools befüllen. Das System schlägt bei einem ungewöhnlich hohen Anstieg des Wasserverbrauchs nämlich Alarm. Dann muss das Leitungsnetz auf mögliche Schäden kontrolliert werden. Das könne durch eine Ankündigung der Pool-Befüllung verhindert werden, heißt es von der Verbandsgemeinde. Ein Telefonat am Tag vorher oder eine E-Mail würden reichen.

Der Aufruf in Montabaur sei gut nachvollziehbar, meint Thomas Rätz vom Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz. Es gehe ja nicht darum, dass das Trinkwasser knapp würde. Die Entnahme solle auch nicht limitiert werden.

Grundsätzlich könne jedes Wasserwerk das in Montabaur beschriebene Problem haben, sagt Rätz. Extrem hohe gleichzeitige Entnahmen, sogenannte Spitzenlasten, seien immer ein Problem für den Netzbetrieb.

Bei extremen Wasser-Entnahmen könne zum Beispiel an einem Ort ein Hochbehälter leer laufen, wenn die Entnahme schneller erfolge, als die aus technischen Gründen begrenzte Nachbefüllung. Ein Versorgungsnetz auf extreme Spitzenentnahmen auszulegen, wäre extrem aufwändig, teuer und völlig unverhältnismäßig, so Rätz.

Gehen denn auch andere Kommunen in Rheinland-Pfalz wie Montabaur vor?

Offenbar sehen überwiegend die kleineren Versorgungsbetriebe in ländlichen Regionen in der gleichzeitigen Dauerentnahme von Trinkwasser ein Problem.

Auch die nahe Montabaur gelegene Verbandsgemeinde Wirges im Westerwaldkreis bittet darum, Pool-Befüllungen anzumelden. Ähnlich war es in den vergangenen Jahren in Hachenburg.

Ebenso hält es die Verbandsgemeinde Lambrecht in der Pfalz. Sie erneuert ihren Aufruf vom vergangenen Jahr. Ab drei Kubikmeter (=3.000 Liter) solle man sich mit den Stadtwerken in Verbindung setzen. An Pfingsten 2020 war es in Elmstein zu Versorgungsengpässen gekommen, da zahlreiche Pools gleichzeitig befüllt worden waren. Einige, vor allem höher gelegene Anwesen, hatten vorübergehend keinen Wasserdruck mehr. Die Stadtwerke waren zunächst von einem Wasserrohrbruch ausgegangen.

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Die Stadtwerke Bitburg haben vergleichbare Pläne. Derzeit müssen die Kunden im Versorgungsgebiet zwar noch keine Anmeldung vornehmen, wenn Sie den Gartenpool befüllen wollen. Es sei aber beabsichtigt, die Poolbesitzer demnächst dazu aufzurufen.

Darüber hinaus empfehlen die Stadtwerke, dass Poolbesitzer zur Befüllung Standrohre der Stadtwerke ausleihen. Diese seien desinfiziert, so dass das Wasser nicht verkeimen könne. Außerdem gehe es schneller als über die herkömmliche Art.

VG Simmern-Rheinböllen: Appell zum Wassersparen

Die Verbandsgemeindewerke Simmern-Rheinböllen ziehen die Anmeldung der Pool-Befüllung nach eigenen Angaben in Erwägung. Zunächst wolle man aber an die Bürger appellieren, sorgsam mit Trinkwasser umzugehen. Die steigende Anzahl der privaten Pools erhöhe den Wasserbedarf in der schon angespannten Situation. Die meisten Poolnutzer hätten keinerlei Erfahrung im Umgang mit der Aufbereitungstechnik und es könne schnell passieren, dass der komplette Inhalt eines Pools "umkippe" und unbrauchbar werde. So erhöhe sich der Verbrauch nochmals. Die Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen habe die Situation der Wasserversorgung am Donnerstag diskutiert. Man spreche zunächst einen Appell zum Wassersparen aus und warte die weitere Entwicklung ab.

Neuwied und Koblenz: Keine Aufrufe an Pool-Besitzer

"Derlei Pläne gibt es bei uns nicht", schreiben dagegen die Stadtwerke Neuwied. In den heißen und langen Sommern 2018 und 2019 sowie in den beiden Sommern während der Corona-Pandemie habe man zwar einen deutlichen Mehrverbrauch festgestellt. Bisher sei man aber weder bei der bereitstehenden Menge an Wasser noch hinsichtlich der maximalen Pumpenleistung an die Grenzen gekommen.

Keine Aufforderung an die Bürgerinnen und Bürger: So lautet auch die Antwort der Energieversorgung Mittelrhein (evm) in Koblenz. Durch die Lage im sogenannten Neuwieder Becken sei man nicht spürbar von den Auswirkungen sinkender Grundwasserpegel oder von Dürrephasen betroffen. Der überwiegende Teil der Koblenzer Trinkwasserversorgung stamme aus Uferfiltrat des Rheins. "Solange der Rhein Wasser führt, müssen wir uns wegen der Versorgung keine Gedanken machen," sagt evm-Sprecher Marcelo Peerenboom. Am Wasserwerk Oberwerth, dem größten und wichtigsten Knotenpunkt der Trinkwasserversorgung, können nach seinen Angaben bis zu 1.200 Kubikmeter pro Stunde gefördert werden. Der Rhein liefere rund 2.100 Kubikmeter pro Sekunde, also 2.000 bis 6.000 Mal so viel und damit in ausreichender Menge.

Vielerorts heißt es: Pool befüllen kein Problem

Auch die Stadtwerke Trier sehen keine Notwendigkeit für Einschränkungen oder Voranmeldungen. Die Talsperre sei gut gefüllt und die Brunnen im Kylltal seien in Betrieb, teilen sie mit. In Trier gebe es rund 40 Versorgungszonen und mehr als 20 Hochbehälter; deshalb sei das Befüllen der Pools kein Problem.

Riveristalsperre, Trinkwasserversorgung für Trier (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / imageBROKER | Karl F. Schöfmann)
Riveristalsperre, Trinkwasserversorgung für Trier picture alliance / imageBROKER | Karl F. Schöfmann

In Kaiserslautern heißt es: "Aufgrund der Größe unserer Wasserspeicher können wir die Befüllung von privaten Gartenpools i. d. R. noch gut abdecken." Derzeit gebe es keine Meldepflicht. Die Nutzung von Pools in Trocken- und Hitzeperioden, wie etwa im Jahr 2020, habe die Wasserversorgung teilweise jedoch bis an die Grenzen der maximalen Tagesspitzen gebracht, teilen die Stadtwerke mit.

Trockenheit und hohe Temperaturen als Herausforderung

Mehr als 230.000 Kunden zählt die Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH (wvr) mit Sitz in Bodenheim. Derzeit müsse es niemand vorher ankündigen, wenn er seinen Pool befüllen möchte, so eine wvr-Sprecherin. Als Flächenversorger mit einem Gebiet von 808 Quadratkilometern stelle man sich auf den Auftakt des Sommers ein.

Mit den Feuerwehren habe man dagegen vereinbart, dass sie die wvr über einen Einsatz informieren, damit zum einen genügend Wasser in den Hochbehältern und im Netz zur Verfügung stehe und zum anderen die Ursache der plötzlich erhöhten Abnahme bekannt sei und man nicht von einem Rohrbruch ausgehen müsse.

Anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen stellten natürlich eine große Herausforderung da. Wenn sich dies mit technischen Störungen überlagere, führe das zu einer gewissen Anspannung. Durch Investitionen in die Infrastruktur versuche man sich bestmöglich zu wappnen.

Ludwigshafen: "Sitzen" auf einem der größten Wasserreservoirs

Eine Sprecherin der Technischen Werke Ludwigshafen (twl) erklärt auf Anfrage: "Wir haben dieses Problem nicht." Im Stadtgebiet, für das man zuständig sei, hätten auch nicht viele Menschen einen Gartenpool. Das sei in ländlichen Regionen, wo die Menschen größere Grundstücke hätten, sicher anders. Man sitze außerdem über dem eiszeitlichen Oberrheingraben und das sei eines der größten Wasserreservoirs in Deutschland. Wasserknappheit sei hier kein Thema, so die Sprecherin.


Auch in Mainz bittet man die Bürger nicht um Rückmeldung bei der Befüllung des Pools. Doch mit der wertvollen Ressource Wasser müsse nachhaltig umgegangen werden, heißt es von der Mainzer Netze GmbH. Es sei nicht zielführend, mit immer mehr technischem Aufwand die Trinkwasser-Kapazitäten zu erhöhen. Man müsse die Verbraucher einbinden. Denn langfristig führe am Wassersparen an extremen Sommertagen wohl kein Weg vorbei.

Auch alle anderen Versorger im Land rufen ihre Kunden zu einem sparsamen, verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit der wertvollen Ressource Trinkwasser auf.

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