Nach turbulentem Donnerstag

Sturmlage in Rheinland-Pfalz beruhigt sich

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Nachdem ein Sturmtief in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz Donnerstagnacht für Unfälle, gesperrte Bahnstrecken und Stromausfälle gesorgt hatte, hat sich der Sturm in der Nacht zu Freitag beruhigt.

Den Sturmböen von Tief "Hendrik II" ist in der Nacht zum Freitag allmählich die Luft ausgegangen. Dennoch waren die nach Skandinavien abziehenden Windböen in den Küstengebieten noch zu spüren. Für Freitag sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Norden und in der Mitte Deutschlands erneut Böen oder Sturmböen voraus, dazu einzelne Gewitter im Laufe des Tages.

Eine Übersicht über die Regionen in Rheinland-Pfalz

Umgestürzte Bäume, herabfallende Dachziegel

Allein in der Region Trier mussten die Einsatzkräfte rund 160 Mal ausrücken. In Speicher rammte eine Autofahrerin mit ihrem Wagen einen umgestürzten Baum, sie wurde leicht verletzt. Auch bei Zemmer in der Eifel und bei Hattgenstein im Kreis Birkenfeld kollidierten Autos mit Bäumen, hier blieb es bei Sachschäden.


Die Polizei meldete außerdem abgerissene Äste, umgefallene Zäune und weggewehte Gegenstände, beispielsweise auf Baustellen. In Trassem stürzten wegen des Sturms Dachziegel herab. Ein Anhänger wurde laut Polizei in Wellen vom Wind weggeweht, er durchbrach einen Metallzaun und hing über einer Stützmauer. Die Polizei in Saarburg meldete, dass auf Straßen teilweise zentimeterhoch Laub liege. Feuerwehren und Straßenmeistereien seien im Einsatz und räumten die betroffenen Fahrbahnen frei.

Spitzenreiter in Rheinland-Pfalz bei den Windgeschwindigkeiten war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) Trier:

Orkanartige Böen (Bft 11) in den letzten 3 h: Trier (RLP): 116 km/h Tholey (SL): 113 km/h Dörrmoschel (RLP): 109 km/h Berus (SL): 107 km/h Gerbrunn (LK Würzburg, BY): 105 km/h (Berge ausgenommen; dort Max. auf dem Feldberg/Schwarzwald mit 166 km/h!) #Sturm #Sturmböen #Orkanböen https://t.co/jHmXTNDBh3

Windkraftanlage im Hunsrück zerstört

In Zilshausen im Hunsrück wurde ein Windkraftrad zerstört. Nach Angaben der Polizei Cochem hatte am Morgen eine Böe das Rotorblatt zerrissen. Die Trümmerteile wurden laut Polizei großflächig verteilt, Verletzte gab es nicht.

Im Norden von Rheinland-Pfalz entwurzelte der Sturm viele Bäume. Die Feuerwehr musste deshalb etwa die B42 zwischen Neuwied und Bendorf sowie eine Straße vor dem Neuwieder Ortsteil Oberbieber freiräumen. Zwischen Kirchen und Mudersbach im Kreis Altenkirchen kam es ebenfalls zu Behinderungen. Auch im Westerwaldkreis und in der Koblenzer Innenstadt fielen Bäume um.

Passagierschiff gegen Brücke gedrückt

Auf der Mosel bei Koblenz wurde am Donnerstagmorgen ein Passagierschiff durch eine starke Böe gegen einen Brückenpfeiler gedrückt und beschädigt. Laut Polizei konnte das Schiff aber weiterfahren, von Verletzten wurde nichts berichtet. An Bord waren etwa 180 Menschen. Nach dem Zusammenstoß wurde für 45 Minuten auch der Bahnverkehr über die Brücke gestoppt, um die Statik zu überprüfen.

Bahn stellt Fernverkehr in NRW ein

Die Deutsche Bahn hatte den Fernverkehr am Donnerstag wegen Sturmschäden in ganz Nordrhein-Westfalen eingestellt. Das teilte ein DB-Sprecher in Düsseldorf mit. Auf den Strecken Köln-Düsseldorf und Köln-Bonn waren aufwändige Reparaturarbeiten erforderlich.

Wegen des Sturms war außerdem schon am Morgen der Fernverkehr auf der Zugstrecke Köln-Koblenz gestört. Laut Deutscher Bahn war ein Güterzug bei Bad Godesberg mit einem heruntergefallenen Ast zusammengestoßen. Fernzüge zwischen Köln und Koblenz seien daraufhin umgeleitet worden und hätten Verspätungen zwischen 20 und 90 Minuten gehabt. Der Schaden sei noch am Morgen behoben worden.

Abgeknickte Äste liegen auf einer Straße.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Vogl)
Nicht nur hier in Kaiserslautern hat der Sturm Bäume umgeweht - viele Straßen waren zeitweise unpassierbar. picture alliance/dpa | Daniel Vogl Bild in Detailansicht öffnen
In Weilerbach machte in der Nacht ein Trampolin Flugübungen - die Feuerwehr räumte es von einem Gehweg. Pressestelle Feuerwehr Weilerbach Bild in Detailansicht öffnen
Dauereinsatz des Landesbetriebs Mobilität: Auf der Bundesstraße 52 bei Trier liegen Laub und Äste auf der Fahrbahn. picture alliance/dpa | Harald Tittel Bild in Detailansicht öffnen
Auch Maschinen, die eigentlich gebaut wurden für den Wind, können diesem Sturm nicht standhalten: Im Rhein-Hunsrück-Kreis reißt eine Sturmböe Teile eines Rotorblattes einer Windkraftanlage ab. Bild in Detailansicht öffnen
In Einselthum im Donnersbergkreis droht wegen des Sturms ein Silo einzustürzen. Das Bauwerk hatte am Vorabend gebrannt. Der Sturm fachte auch die Glutnester immer wieder an. Feuerwehr Göllheim Bild in Detailansicht öffnen

Donnersberg: Silo droht einzustürzen

In Einselthum im Donnersbergkreis droht wegen des Sturms ein Silo einzustürzen. Die Feuerwehr sichert das Bauwerk nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot ab. Die 21 Meter hohe Mais-Trocknungsanlage war am Dienstagabend in Brand geraten. Dabei wurde das Silo einem Feuerwehrsprecher zufolge erheblich beschädigt. Mit einem Kran solle das instabile Bauwerk nun am Freitag vorsichtig abgetragen werden - wenn es bis dahin noch stehe. So ließen die Sturmböen auch immer wieder Glutnester auflodern. Der Bereich ist deswegen abgesperrt. Das Silo soll am Wochenende abgebaut werden.

Viele Orte in der Westpfalz ohne Strom

Auch in der übrigen Westpfalz meldeten Polizei und Feuerwehr ebenfalls diverse Sturmeinsätze. Nahezu im Minutentakt seien am Donnerstagvormittag Meldungen über Unfälle oder Gefahrenstellen eingegangen. Bei Otterberg etwa wurde ein Autofahrer leicht verletzt, als ein Baum auf die Fahrbahn krachte. Im Bereich der Polizei Kirchheimbolanden wehte das Unwetter ein Trampolin auf die Straße.

Die A63 in Richtung Mainz war bei Winnweiler wegen Bäumen auf der Fahrbahn halbseitig gesperrt. Auch in Rockenhausen, Kaiserslautern und rund um Pirmasens hat die Polizei mehrere Bäume gemeldet bekommen, die auf der Straße lagen.

Nach Angaben der Polizei kam es in der Nacht zudem zu einem längeren Stromausfall in Kindsbach bei Kaiserslautern. Am Morgen sei auch der Strom in Dunzweiler (Kreis Kusel) ausgefallen. Auch in Enkenbach, Fischbach, Waldfischbach-Burgalben, Sembach und Trippstadt seien die Menschen aktuell vom Stromnetz abgeschnitten, so eine Sprecherin der Pfalzwerke.

Die Deutsche Bahn meldete zahlreiche Einschränkungen durch das Unwetter. Umgestürzte Bäume blockierten mehrere Bahnstrecken, darunter die zwischen Homburg und Kaiserslautern, zwischen Zweibrücken und Würzbach (hier wurde inzwischen ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet), zwischen Kusel und Altenglan, sowie den Abschnitt zwischen Rockenhausen und Winnweiler. Wie die Deutsche Bahn mitteilt, sind die Gleise zwischen Kaiserslautern und Bad Kreuznach wieder befahrbar. Dort hatte es am Freitagmorgen noch einen Ersatzverkehr mit Bussen gegeben. Reisende werden weiterhin gebeten, vor der Abfahrt ihre Verbindung zu prüfen.

⁦@Regio_Mitte⁩ #RB66 Mit vereinten Kräften konnte die umgestürzte Birke im Bf #LampertsmühleOtterbach von den Schienen gezogen werden. Dank an den Lockführer und alle helfenden Fahrgäste ! https://t.co/BuHa3NHgiz

Behinderungen in der Vorder- und Südpfalz

Zu Behinderungen wegen umgefallener Bäume kam es auch in der Vorder- und Südpfalz - etwa in Vorderweidenthal und Schwegenheim. In Ludwigshafen und Speyer fielen zudem Bauzäune um. Kleinere Unfälle ereigneten sich auf der A65 zwischen Neustadt und Haßloch. Laut der Polizei Edenkoben kollidierten dort zwei Lkw mit den umgerissenen Warnbaken einer Baustelle. Insgesamt gab es nach Angaben des Polizeipräsidiums Rhein-Pfalz rund 140 Polizei-Einsätze. Auf der B35 bei Germersheim kippte ein Lkw-Anhänger um. Bilanz: Vier Stunden Sperrung und rund 45.000 Euro Schaden.

In Frankenthal wurde eine Bahnstrecke für einige Zeit gesperrt, nachdem ein Baum auf die angrenzende Lärmschutzwand gestürzt war, wie es von der Feuerwehr hieß.

Rheinbrücke Speyer zeitweise gesperrt

Wegen mehrerer querstehender Lastwagen wurde die Rheinbrücke Speyer am Morgen vorübergehend voll gesperrt. Laut Polizei war der Anhänger eines Lastwagens durch starken Wind auf der Brücke umgekippt. Die dahinter fahrenden Lastwagen hätten abbremsen müssen und seien quer auf der Fahrbahn zum Stehen gekommen. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand. Die Brücke sei inzwischen wieder frei, der Anhänger wurde geborgen.

Der Bahnverkehr ist von Speyer bis Karlsruhe gestört: Eine Plane war auf die Oberleitung zwischen Speyer und Germersheim geweht. Am Morgen war die Strecke zwischen Ludwigshafen und Mainz von einem Baum blockiert. Dort läuft der Verkehr mittlerweile wieder normal. Wegen umgestürzter Bäume in der Westpfalz war auch die S-Bahn-Linie S1 zwischen Ludwigshafen und Homburg von Behinderungen betroffen.

Querstehender Lkw auf der Rheinbrücke bei Speyer (Foto: Priebe)
Auf der Rheinbrücke bei Speyer wehte der Sturm einen Lkw-Anhänger um. Priebe

Stromausfälle in der Pfalz

In der Vorder- und Südpfalz fiel außerdem in einigen Orten der Strom aus. Nach Auskunft der Pfalzwerke ist die Energieversorgung unter anderem in Elmstein, Frankeneck, Rheinzabern und Vorderweidenthal unterbrochen.

In Rheinhessen machte sich der Sturm ebenfalls bemerkbar. So mussten die Bahnstrecke Alzey-Worms und ein Teil der A61 bei Worms wegen umgefallener Bäume gesperrt werden. Der Autobahnabschnitt ist mittlerweile wieder befahrbar. Als Vorsichtsmaßnahme senkte die Polizei zudem die erlaubte Geschwindigkeit auf der Autobahnbrücke Weinheim bei Alzey von 130 auf 60 Kilometer pro Stunde. Damit solle verhindert werden, dass Autos wie in der Vergangenheit umgeweht werden könnten, hieß es. Auf die Autobahn 643 bei Mainz sei ein Baum gestürzt, der von der Feuerwehr jedoch rasch beseitigt worden sei, teilte die Stadt mit.

Am späten Donnerstagnachmittag löste sich im Kreis Alzey-Worms ein Teil der Fassade eines Wohn- und Geschäftsgebäudes. Weil das eine Gefahr für Fußgänger und den Verkehr darstellte, müsse ein Teil der Landstraße 455 in Osthofen bis zum Freitagmittag voll gesperrt werden, teilte die Polizeidirektion Worms mit.

Am Wochenende ruhigeres Herbstwetter

Nach dem stürmischen Donnerstag ist dann ruhigeres Herbstwetter in Sicht. Am Freitag beruhigt sich die Lage, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). am Donnerstag in Offenbach vorhersagt. Der Samstag beginnt mit vielen Wolken, mehr und mehr blitzt aber die Sonne hervor. An den Temperaturen ändert sich zunächst nichts. Am Sonntag ist es mit Höchstwerten zwischen 12 und 17 Grad noch etwas kühler. Sobald sich der Nebel verzieht, wird es sonnig und trocken.

Baden-Württemberg

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SWR