STAND
AUTOR/IN

Viele Studierende sind während der Corona-Pandemie in eine finanzielle Notlage geraten. Das liegt zum einen an der fehlerhaften Überbrückungshilfe, meint AStA-Hauptvertreter und LAK-Vertreter Raffael Plum. Aber es gibt auch noch ein anderes Problem.

SWR Aktuell: Herr Plum, Sie sind AStA-Hauptreferent für Hochschulpolitik an der Uni Trier und Koordinator der Landes-ASten-Konferenz, Sie vertreten die Interessen der Studenten in Rheinland-Pfalz. Noch für diesen Monat konnten Studenten die staatliche Überbrückungshilfe beantragen. Wie steht es momentan um die Studenten in Rheinland-Pfalz?

Raffael Plum: Es lässt sich sagen, dass hier zumindest weniger Anträge abgelehnt werden. Bei einem Bundesvergleich von 50 Prozent Ablehnungen, sind es aber trotzdem noch 20 Prozent. 

SWR Aktuell: Woran liegt das?

Plum: Das ist möglicherweise auf eine bessere Antragsbearbeitung der Studierendenwerke in Rheinland-Pfalz zurückzuführen. Das unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Dass Anträge abgelehnt werden, ist wiederum ein Zusammenspiel aus verschiedenen Gründen. Oft ist die Notlage nicht unmittelbar mit der Pandemie in Verbindung zu bringen. Ein zu hoher Kontostand ist in den wenigsten Fällen der Grund.

SWR Aktuell: Fallen die coronabedingten Probleme im Land also eher gering aus?

Plum: Nein. Denn auch wenn viele Anträge bewilligt werden, reicht das Geld für die Studierenden vorne und hinten nicht. Mit der Überbrückungshilfe werden maximal 500 Euro ausgezahlt. Hat sich ein Studierender beispielsweise 300 Euro für den Semesterbeitrag angespart, werden ihm nur noch 200 Euro ausgezahlt. Das reicht in vielen Fällen nicht einmal für die Deckung der Lebenshaltungskosten. Daher wird es im August auch für Studierende in Rheinland-Pfalz finanziell knapp. Auch da zu befürchten ist, dass das Gesamtvolumen der Hilfe nicht ausreichen wird...

SWR Aktuell: ...und das gilt ja nicht nur für August.

Plum: Richtig. Dass die Überbrückungshilfe nur für Juni, Juli und August beantragt werden konnte, ist für mich völlig unverständlich. Schon im März waren auch für Studierende die Auswirkungen der Pandemie deutlich zu spüren und sie werden auch nach August nicht einfach enden. Viele haben ihre Nebenjobs verloren, und davon auszugehen, dass sie nach diesem Monat sofort wieder einen finden, ist illusorisch.

"Die coronabedingten Probleme wären nicht so stark aufgetreten, wenn sich die Politik schon vorher um eine maßgebliche Bafög-Reform bemüht hätte."

Raffael Plum, AStA-Hauptreferent für Hochschulpolitik an der Uni Trier und Koordinator der Landes-ASten-Konferenz

SWR Aktuell: Was müsste in Zukunft passieren, dass sich die Lage der Studenten nicht weiter verschärft?

Plum: Das Bafög muss für Notlagen in der Pandemie geöffnet werden. Außerdem fordern wir schon seit Langem, dass Bafög elternunabhängig ausgezahlt wird. Viele Studierende haben nämlich nicht nur das Problem, dass sie ihren Job verloren haben, sondern dass sie auch schon vor Corona keine Unterstützung durch Bafög-Zahlungen bekommen haben, weil immer mehr durchs Raster fallen, obwohl sie de facto bedürftig sind.

SWR Aktuell: Sind die verstärkten Probleme in der Corona-Pandemie also ein Anlass, um das Bafög-System grundsätzlich zu überdenken?

Plum: Definitiv. Die coronabedingten Probleme wären nicht so stark aufgetreten, wenn sich die Politik schon vorher um eine maßgebliche Bafög-Reform bemüht hätte.

SWR Aktuell: Bundesweit, und auch in Rheinland-Pfalz, steigen gerade wieder die Infektionszahlen. Wie würde sich eine zweite Welle auf die finanzielle Situation der Studenten im Land auswirken?

Video herunterladen (6,2 MB | MP4)

Plum: Wir wissen jetzt schon von Fällen von Studierenden, die in eine hohe Verschuldung gedrängt wurden oder sich das Studium nicht mehr leisten können und abbrechen. Wenn es zu einer zweiten Welle kommt und keine Maßnahmen ergriffen werden, wird das nicht nur Auswirkungen auf die Zahl der Studienabbrecher haben, sondern auch auf die Neueinschreibungen. Viele werden sich jetzt umso mehr fragen müssen: Kann ich mir ein Studium überhaupt noch leisten? Das ist eine Frage von Bildungsgerechtigkeit.

Rheinland-pfälzische Studierende fordern Corona darf Zukunftschancen nicht gefährden

Nach einem digitalen Semester befinden sich die rheinland-pfälzischen Studierenden nun in den Semesterferien. Zeit, um nachzufragen: Wo kann nachgebessert werden, um sie zu unterstützen?  mehr...

Finanzielle Hilfe gefordert Studierende protestierten vor Mainzer Abgeordnetenhaus

Bundesweit demonstrierten heute Studierende für finanzielle Unterstützung in der Corona-Krise, darunter auch in Mainz vor dem Abgeordnetenhaus. Viele haben ihre Jobs verloren.  mehr...

So kämpfen Studenten sich durch die Prüfungsphase Klausuren schreiben in "Bierzelt-Atmosphäre"

Prüfungen in einem Zelt schreiben: Die Studenten in Rheinland-Pfalz stellt die Corona-Krise vor eine echte Herausforderung - besonders in der Klausurenphase.  mehr...

STAND
AUTOR/IN