Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden Sanktionen treiben Spritpreise für Benzin und Diesel ungebremst in die Höhe. Zuschaffen macht das Rheinland-Pfälzern mit weiten Arbeitswegen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Karmann)

Wenn Tanken lebensnotwendig ist

Wie steigende Spritpreise die Existenz von Pendlern gefährden

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Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden Sanktionen treiben Spritpreise für Benzin und Diesel ungebremst in die Höhe. In Rheinland-Pfalz macht das vor allem Pendlern zu schaffen.

Sabine W.* lebt in der Nähe von Oberwesel. Sie arbeitet seit zehn Jahren im Schichtdienst am Flughafen Hahn und legt täglich 100 Kilometer zurück. Sie verdient 1.600 Euro brutto im Monat mit einer Zulage von 200 Euro netto. Ihr Mann Christian* arbeitet in Koblenz und fährt täglich 90 Kilometer mit dem Auto. Eine Fahrgemeinschaft mit Menschen aus der Umgebung gestaltet sich durch die unterschiedlichen Arbeitszeiten schwierig. "Wir können nur hoffen, dass die Regierung schnell reagiert, wie es die Regierung in Frankreich schon getan hat", sagt Sabine W. im SWR-Interview. Sie mache sich um ihre, aber auch um die Existenz vieler Arbeitskollegen und Kolleginnen sorgen.

Frankreich: Erleichterung für Verbraucher beim Tanken

Frankreich will Verbraucher durch einen Nachlass von 15 Cent pro Liter entlasten. Die Regelung soll ab April für vier Monate gelten. Das kündigte Premierminister Jean Castex am Samstagabend auf Twitter an. Auch die Niederlande haben am Freitag schon reagiert. Dort soll die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel um 21 Prozent gesenkt werden.

"Da müssen wir auch hin", fordert die Angestellte. Ansonsten wüsste sie nicht, wie sie die zusätzlichen Spritkosten abfangen könnte. "Wir brauchen uns nichts vormachen, die Lebenshaltungskosten steigen - erst die Heizkosten, jetzt die Spritkosten durch den Krieg in der Ukraine - und auch Lebensmittel werden dadurch teurer. Wir diskutieren schon seit Jahren über Gehaltserhöhungen am Flughafen, um das alles abfangen zu können, aber da passiert nichts." Sabine habe viele Kollegen und Kolleginnen, die täglich lange Strecken - auch aus der Eifel - in Kauf nehmen, um überhaupt einen Job zu haben.

Auch Josefine H.* macht sich Sorgen um die Zukunft. Sie ist 22 Jahre alt, lebt in der Nähe von Bad Kreuznach und absolviert derzeit in Mainz das zweite Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Versicherungen. "Ich verdiene 800 Euro netto im Monat. Eine Wohnung in Mainz konnte ich mir bislang nicht leisten", sagt sie. Durch die gestiegen Spritpreise kommt sie nun an ihre Grenzen. "Ich muss zwei Mal die Woche zur Berufsschule. Homeoffice ist selten eine Option", so die Auszubildende.

Schnelle Lösung für Geringverdiener?

2,28 Euro würde Josefine H. am Montag in Bad Kreuznach an der Tankstelle für einen Liter Diesel zahlen - in Mainz 2,31. Volltanken sei für sie derzeit ein Fremdwort. "Ich schaue von Tag zu Tag. Nach so einem Arbeitstag in Mainz, habe ich ja noch nicht eingekauft und gegessen", sagt sie. "Ich kann mich zur Not auf meine Eltern verlassen, doch ich habe auch Freunde, die das nicht können. Und das macht mir Angst", ergänzt Josefine. Sie hofft auf eine schnelle Entspannung, auch wenn sie glaubt, dass der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen sich noch hinziehen werden.

Laut ADAC war nach den extremen Anstiegen der durchschnittliche Spritpreis in Deutschland und Rheinland-Pfalz zwar auch wieder etwas zurückgegangen. Eine "gravierende Entspannung" in naher Zukunft sieht der ADAC derzeit allerdings nicht. Mit einer baldigen Entspannung rechnet auch die Bundesregierung nicht und will die Bürger deshalb entlasten.

*Namen von der Redaktion geändert

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