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Deutsch und Mathe statt Freibad und Ausflüge - wegen der Schulschließungen während der Corona-Krise haben das Bildungsministerium und die Kommunen ein Nachhilfe-Angebot auf die Beine gestellt.

Angemeldete Kinder und Jugendliche sollen hier die Möglichkeit bekommen, in den nächsten zwei Wochen den Schulstoff nachzuholen, den sie durch die Corona-Pandemie versäumt haben. Jeweils für eine Woche und drei Stunden pro Tag gilt das Angebot für Schüler von der ersten bis zur achten Klasse. Angeleitet werden sie von Lehramtsstudierenden, pensionierten Lehrern oder auch älteren Schülern. Diese arbeiten ehrenamtlich und erhalten für ihren Einsatz in den Sommerferien eine Aufwandsentschädigung über 300 Euro. Auf einen Aufruf des Bildungsministeriums haben sich laut Ministerin Stefanie Hubig (SPD) 4.500 Freiwillige aus ganz Rheinland-Pfalz gemeldet - fast vier Mal so viele, wie nun benötigt würden.

Die "qualifizierten Nachhilfeangebote in Deutsch und Mathematik" sollen dazu beitragen, dass Mitte August der Start ins neue Schuljahr gut gelingt. Über 340 Angebote gibt es nun in ganz Rheinland-Pfalz. Zuständig für die Durchführung der Sommerschule sind die Kommunen, und dementsprechend unterschiedlich gestaltete sich die Organisation. Sie wurde erschwert davon, dass das Personal der Schulverwaltung gerade in den Sommerferien besonders gefordert ist. Denn zu dieser Zeit muss vielerorts auch die Schulbuchausleihe sowie die Schülerbeförderung für das neue Schuljahr vorbereitet werden.

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Koblenz: Angebot möglichst nah am Wohnort

An gleich zwölf Standorten findet die Sommerschule in Koblenz statt. "Wir wollten unser Angebot möglichst wohnortnah gestalten um vielen Kindern die Teilnahme an der Sommerschule zu ermöglichen", berichtet Christina Massion-Schmidt, Mitarbeiterin des Bildungsbüros der Stadt Koblenz. Von vorne herein wurden in Koblenz die Schüler der verschiedenen Schulen bestimmten Standorten zugeordnet. Von 531 Kindern, deren Eltern zuvor ihr Interesse bekundet hätten, seien letztendlich 493 verbindlich angemeldet worden. Insgesamt stünden in Koblenz für die Sommerschule 42 Freiwillige zur Verfügung. Vom Bildungsministerium habe man im Rahmen der Vorbereitung eine Liste mit möglichen Helfern und außerdem einen Leitfaden erhalten.

Vorbereitung der Sommerschule im ländlichen Raum

Insgesamt gesehen sei, insbesondere durch die kurzfristigen Ankündigungen und die Urlaubszeit, die Vorbereitung der Sommerschule "eine große Herausforderung" gewesen, berichtet Wolfgang Borm von der Kreisverwaltung Kusel. In den Landkreisen stelle aufgrund der flächenmäßigen Ausdehnung auch die Auswahl und Erreichbarkeit der Standorte eine größere Schwierigkeit dar als in den Städten - dies gelte für die Helfer wie für die Schüler: "In der Stadt wechselt man von Klassenraum zu Klassenraum, im Landkreis liegen im ungünstigsten Fall die Standorte 40 km voneinander entfernt."

Borm verweist auch auf die Helfer, die abgesehen von den Hilfslehrern gebraucht werden: Nicht an allen Schulen sei das Personal vorhanden, um die Erste Hilfe oder Reinigung durchzuführen. Die Sommerschule im Landkreis Kusel werde nun an drei Standorten mit 13 Kursleitern und 6 zusätzlichen Hilfskräften durchgeführt - angemeldet haben sich rund 120 Kindern, die auf zwei Ferienwochen verteilt werden.

Über 200 Anmeldungen für Angebot in Kaiserslautern

In Kaiserslautern findet die Sommerschule Rheinland-Pfalz an zwei in der Stadtmitte gelegenen Schulen statt - 238 Schüler haben sich angemeldet, davon sind rund zwei Drittel Grundschüler. Zusätzlich zu dem Material, dass das Bildungsministerium den Tutoren zur Vorbereitung online zur Verfügung gestellt hat, fanden in Kaiserslautern Vorbereitungespräche statt. "Dieses Angebot haben alle wahrgenommen, die nicht noch im Urlaub waren", erzählt Peter Krietemeyer, Leiter des Referats Schulen der Stadt Kaiserslautern.

Hier gab es in diesen Sommerferien bereits eine eigene, von der Initiative der Landesregierung unabhängige und ebenfalls kostenlose Sommerschule. In zwei Ferienwochen wurde die "Sommerschule 2020 in Kaiserslautern" für die Klassenstufen fünf bis acht veranstaltet. 185 Kinder haben hier teilgenommen - drei Tage am Unterricht in den Fächern Mathematik, Chemie, Biologie, Physik, Englisch und Deutsch und zwei Tage an einem Freizeitprogramm, das der Verein Club Aktiv konzipiert hatte.

Eine Lehrerin erklärt an der Tafel Geometrie. Schüler in Rheinland-Pfalz sind in der neunten Klasse in Mathe im Bundesvergleich unterdurchschnittlich (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Rheinland-pfälzische Schüler hinken in Mathe und den Naturwissenschaften im Bundesvergleich hinterher. Picture Alliance

In Kaiserslautern kann man nun auf die jüngsten Erfahrungen der eigenen Sommerschule zurückgreifen. Und einige der Lehrkräfte, die hier bereits ausgeholfen haben, machen nun auch wieder ab Montag mit. Peter Krietemeyer sieht sein Team insgesamt gut aufgestellt.

1.500 Personen erhalten Aufwandsentschädigung

Der Aufsichts- und Direktionsbehörde (ADD) in Trier kam die Aufgabe zu, bei allen Bewerbern anhand des polizeilichen Führungszeugnisses zu ermitteln, ob sie in den Sommerschulen zum Einsatz kommen können. Die ADD wird nach eigenen Angaben rund 1.500 Personen eine Aufwandsentschädigung auszahlen. "Dies ist ein relativ hoher organisatorischer und logistischer Aufwand für die teilnehmenden Kommunen, für die ADD und das Bildungsministerium", teilte ein Pressesprecher der Behörde dem SWR mit.

Für die Sommerschule wurden spezielle Hygienehinweise entwickelt, die auf dem Hygiene-Plan für die Schulen in Rheinland-Pfalz beruhen. Demnach "kann von der Einhaltung des Mindestabstands insbesondere zwischen Schülerinnen und Schülern in allen Schularten und Jahrgangsstufen abgewichen werden", soweit dies für den Unterrichtsbetrieb im regulären Klassen- und Kursverband erforderlich ist.

Wenn möglich soll ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Kinder mit Krankheitssymptomen wie Schnupfen, Fieber oder Halsschmerzen dürfen nicht an der Sommerschule teilnehmen. Treten die Symptomen während der Sommerschule auf, sollen die Betroffenen von den Eltern abgeholt werden.

Landeselternbeirat froh über jegliche Unterstützung

Reiner Schladweiler, Sprecher des Landeselternbeirats Rheinland-Pfalz, berichtet, dass viele Eltern sich die Sommerschule zwar etwas anders vorgestellt hätten. "Die Sommerschule ist zwar nicht genau das, was wir uns gewünscht haben, aber wir sind froh über jeden Schritt, den man uns entgegenkommt."

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