Hohe Spritpreise - Fragen und Antworten (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Ukraine-Krieg, Preisabsprachen, Spekulation

Wie entstehen die hohen Spritpreise?

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Die Spritpreise für Pkw und Lkw schießen in die Höhe. Zeitweise lagen die Preise bei über 2,50 € pro Liter. Wie kommt es dazu und was können Autofahrerinnen und Autofahrer tun?

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?
Warum ist der Dieselpreis im Moment höher?
Gibt es eine Entkopplung zwischen Rohölpreis und Spritpreis?
Wie viel Absprache steckt in den Preisen?
Wie abhängig ist die Kraftstoff-Herstellung von Öllieferungen Russlands?
Was kann der Verbraucher tun?

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Sowohl der Benzin- wie auch der Dieselpreis werden zu einem Großteil durch Steuern bestimmt, darüber hinaus sind unter anderem die Einkaufspreise des Rohöls, der Transport und die Weiterverarbeitung Faktoren für die Preise an der Tankstelle.

Die Steuern für Super-Benzin E10 sind deutlich höher als für Diesel, erklären die Experten um Xenia Matschke, Professorin für internationale Wirtschaftspolitik der Universität Trier. Bei Super E10 (im ADAC-Beispiel mit Literpreis 2,10 Euro) entfielen 48% auf Energiesteuer und Mehrwertsteuer, bei Diesel (im ADAC-Beispiel mit Literpreis 2,08 Euro) dagegen nur 39%.

Warum ist der Dieselpreis im Moment höher?

Der Benzinpreis und Dieselpreis haben unterschiedliche Grundlagen für die Werte der Preisberechnungen. Während sich der Benzinpreis (immer am Beispiel von E10 gemessen) laut ADAC eher am Rohölpreis orientiert, orientiert sich der Preis für Diesel am Heizöl. Und dieser Preis ist im moment sehr hoch. Der Grund: Marktuntypisch ist die Nachfrage nach Heizöl durch die weltweite Situation gestiegen.

In normalen Jahren fällt diese Nachfrage zum Frühjahr und steigt erst zum Herbst wieder an, erklärt Prof. Ralf Fendel von der School of Management Vallendar. Verbraucher gehen also lieber auf "Nummer sicher" und legen schon jetzt Heizölvorräte für den Herbst an - mit Auswirkungen auf den Dieselpreis.

Normalerweise wird der Dieselpreis in Deutschland künstlich unter dem Benzinpreis gehalten. Diesel wird niedriger besteuert um die Landwirtschaft und das Transportgewerbe indirekt zu subventionieren. Auch Spediteure und Landwirte haben aus Sorge vor noch weiter steigenden Spritpreisen jetzt verstärkt Diesel gekauft und eingelagert. Auch dadurch steigt der Dieselpreis.

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Gibt es eine Entkopplung zwischen Rohölpreis und Spritpreis?

Derzeit entwickeln sich die Rohölpreise und die Spritpreise unabhängig voneinander. Tankstellenpreise spiegeln zwar auch die derzeitige Erdölpreisentwicklung wieder, aber im Moment spielen auch psychologische Aspekte eine Rolle. Die Sorge, dass Sprit durch die allgemeine Situation knapp werden könnte, befeuert die Preise. Auch der Krieg in der Ukraine ist dabei ausschlaggebend. Die Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) könnte durch mehr Fördermengen der Preissteigerung entgegenwirken, sagen die Experten der Universität Trier, doch eine Entscheidung über mehr Förderleistung ist noch nicht erfolgt.

Auch die Tankstellenkonzerne reagieren auf die steigende Nachfrage und erhöhen die Preise. Wird weniger getankt, sinken vermutlich auch die Spritpreise wieder. Tanken die Autofahrer jedoch in Panik noch mehr, dann ist es wahrscheinlich, dass die Preise weiter steigen.

Wie viel Absprache steckt in den Preisen?

Das Kartellamt untersucht einen Verdacht der Preisabsprache. Seit dieser Ankündigung durch die Behörde sind die Preise an den Zapfsäulen leicht gesunken. Bislang konnte den Anbietern von Kraftstoffen noch nie eine Kartellbildung nachgewiesen werden. Laut dem ADAC sei das aber auch gar nicht nötig. Die Anbieter verfolgen ihre Preise täglich gegenseitig und ziehen entsprechend nach. Die Experten aus Trier bezeichnen das als "implizites Kartellverfahren".

Eine Absprache zum Hochhalten der Preise ist verboten, grundsätzlich aber auch nicht einfach nachzuweisen. Man sollte aber nicht hinter jedem Parallelverhalten der Tankstellen ein klassisches Kartell mit expliziten Preisabsprachen wittern, erklärt Prof. Ralf Fendel.

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 Wie abhängig ist die Kraftstoff-Herstellung von Öllieferungen Russlands?

In den verschiedenen Kraftstoffen sind jeweils unterschiedliche Mengen an Erdöl enthalten. 34 Prozent des Erdöls in der EU wurden 2020 nach Angaben von Eurostat aus Russland importiert. Das sei ein "signifikanter" Wert, sagte der Wirtschaftsexperte Fendel. Wieviel davon genau in die Kraftstoff-Produktion fließe, sei allerdings schwer abzuschätzen.

Zusätzlich wird Diesel auch direkt aus Russland importiert. Diese Abhängigkeit macht es schwierig, kurzfristig Ersatz zu finden. Jedoch ist unsere Abhängigkeit von Russland bei Erdöl zumindest geringer als beim Gas, sagen die Experten aus Trier.

Was kann der Verbraucher tun?

Günstigere Tankpreise zu bestimmten Wochentagen gehören laut dem ADAC leider der Vergangenheit an. Dafür ist die Preisschwankung zu unsicher. Aber einen Tipp gibt es, neben einem sparsamen Fahrstil doch: Abends ist der Preis meistens niedriger als morgens!

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