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Solarien dürfen in Deutschland erst ab 18 Jahren benutzt werden. In Koblenz, Trier und Kaiserslautern wurde das Verbot für Jugendliche in den letzten Jahren jedoch nur wenig oder gar nicht kontrolliert.

Das Bundesumweltministerium hat angekündigt, den Jugendschutz in Solarien zu verbessern. Hintergrund ist eine Studie im Auftrag der Deutschen Krebshilfe. Demnach nutzten im Jahr 2018 140.000 Minderjährige eine Sonnenbank. Der Grund seien mangelnde Kontrollen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Wer das Nutzungsverbot für Minderjährige überwacht, entscheiden die Bundesländer. In mehreren größeren Städten in Rheinland-Pfalz hat es nach Recherchen von "Zur Sache Rheinland-Pfalz" im vergangenen Jahr wenige oder gar keine Kontrollen gegeben:

In Koblenz gibt es nach Angaben der Stadt acht Solarien. Für die Kontrollen zum Jugendschutz verweist die Stadt auf die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Diese wiederum erklärte auf SWR-Anfrage, dass sie für Jugendschutz-Kontrollen in Sonnenstudios nicht zuständig sei. Dies sei Aufgabe der Kommunen. In der Stadt hat es damit keine Kontrollen gegeben.

In Kaiserslautern sind der Stadt zehn Betriebe mit Solarien bekannt. Jährlich gebe es durch die Stadt ein bis zwei Kontrollen zum Jugendschutz. Verstöße seien dabei nicht registriert worden. In Trier sind zehn Studios gemeldet. Schwerpunktkontrollen bei Sonnenstudios gebe es ein Mal im Jahr, dazu gebe es Stichproben. "Bisher waren bei den Kontrollen keine Verstöße festzustellen", so ein Sprecher der Stadt.

Das Bundesumweltministerium erklärte, man werde jetzt mit den Ländern besprechen, wie man die Kontrollen verbessern könne.

Eine Frau liegt in einem Solarium (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Felix Kästle/dpa)
Seit 2009 dürfen Minderjährige in Deutschland keine Solarien besuchen. picture alliance/Felix Kästle/dpa

Branchenverband: Zahlen nicht nachvollziehbar

Der Branchenverband für Solarien in Deutschland, der Bundesfachverband Besonnung, zweifelt die Zahlen der Deutschen Krebshilfe an. Der Anteil der unter 18-jährigen Solariennutzer habe schon vor dem Verbot bei unter zwei Prozent gelegen, sagte Verbandssprecher Holger Ziegert im Interview mit "Zur Sache Rheinland-Pfalz". Er könne nicht nachvollziehen, wie die Krebshilfe auf die Zahl komme, auch liege ihm die Studie nicht vor.

Vergangene Woche hatte die Deutsche Krebshilfe ein grundsätzliches Solarienverbot in Deutschland gefordert. Der Jugendschutz werde nach der ihnen vorliegenden Studie unterlaufen, so der Vorsitzende Gerd Nettekoven. "Die Kontrollmechanismen greifen nicht." Hier sei die Politik gefragt. Der Bundesfachverband Besonnung will nach eigenen Angaben die Krebshilfe zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auffordern.

Solarienverbot nicht mit Grundgesetz vereinbar

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein.

Das Bundesumweltministerium verweist auf seiner Webseite darauf, dass ein Solarienverbot mit dem im Grundgesetz verankerten Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit verstoßen würde. Dieses beinhalte das Recht auf Selbstschädigung.

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