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Ende März hat das Land eine spezielle Kommunikations-App für Gemeinden landesweit veröffentlicht: DorfFunk. Verwaltungen, Vereine und Bürger sollen sich darin vernetzen. Wir haben sie mal getestet.

Was ist die DorfFunk-App?

Im Grunde genommen ist die App eine Mischung aus amtlichem Mitteilungsblatt, lokalen Nachrichten, Kleinanzeigen und einer Plattform für diverse Gruppen. Im Gebiet von Alzey und der Verbandsgemeinde Alzey-Land etwa gibt es Gruppen für Imker, Mitfahrgelegenheiten, Fanclubs und regionale Einzelhändler.

Die DorfFunk-App ist Teil des Projektes "Digitale Dörfer", das 2015 entstanden ist. Beteiligt sind das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserlautern, die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz und das Innenministerium in Mainz.

Bildergalerie: Erste Schritte in der DorfFunk-App

So geht es Erste Schritte in der DorfFunk-App

Screenshot Dorffunk-App Empfangsstärke (Foto: IESE/Fraunhofer-Institut)
Nach dem Runterladen der App aus dem Google Play Store (Android) oder dem Apple Store (iOS) muss man sich mit Vor- und Zunamen und seiner E-Mail-Adresse registrieren, oder man nutzt seinen Facebook- oder Google-Zugang. Danach wird man aufgefordert, seinen Wohnort anzugeben und kann über einen Schieberegler die Region markieren, aus der man Nachrichten erhalten möchte. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem man sich registriert und seinen "Empfangsbereich" für Nachrichten eingestellt hat, landet man auf der Übersicht im Kanal "Neu". Hier laufen alle neue Nachrichten aus den übrigen Kanälen bunt durcheinander gemischt ein. Neben Dienstleitungsangeboten wie Hausmeisterservice oder Putzhilfe, werden hier auch Spülmaschinen verkauft oder Bauplätze gesucht. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen
Im Kanal "Plausch" wimmelt es in der Verbandsgemeinde Alzey offenbar gerade an vermissten und zugelaufenen (oder geflogenen) Tieren. Auch Beschwerden über tierische Hinterlassenschaften oder illegale Müllablagerungen werden von den Nutzern gepostet. Nicht erlaubt sind Postings unter falschem Namen, Rechtsberatung, medizinische Diagnosen und Werbung. Auch verpflichten die Nutzer sich, "geltendes Recht zu beachten" - also auf Hassrede oder Beleidigungen zu verzichten. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen
Der Kanal "Gruppen" ist in der derzeitigen Version eine Enttäuschung. Bei etlichen Gruppen wie "Mitfahrgelegenheiten" oder "Tierfreunde" handelt es sich offenbar um Dummys, die gar keine Teilnehmer haben. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen
Jetzt wird es offiziell: Im Kanal "News" finden sich Bekanntmachungen von Kommunen, Kirchen, Vereinen oder anderen Institutionen. Wer hier Nachrichten verfassen will, muss sich über ein Formular registrieren und überprüfen lassen. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen
Kommen wir zu den Einstellungen: Unter dem Menüpunkt "Benachrichtigungen" kann man auswählen, von welchem Kanal man Nachrichten erhalten möchte. In der Voreinstellung sind alle Kanäle offen. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen
Um selbst Nachrichten zu verfassen, gibt es zwei Wege: 1. Man klickt in der Übersichtsseite auf das Plus-Symbol. 2. Man wählt - wie hier im Bild dargestellt - in der unteren Menüzeile das mittlere Symbol. Hier kann man wählen, ob man einen öffentlichen oder privaten Chat absetzen will. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen
Wer über einen der beiden Wege auf das Plus-Symbol geklickt hat, landet auf dieser Seite und kann nun die eigene Nachricht in die Kanäle "Plausch", "Biete" und "Suche" eingeben. Alles in allem erschließen sich die Funktionen der DorfFunk-App ziemlich intuitiv und bauen keine hohen Hürden für den Nutzer auf. IESE/Fraunhofer-Institut Bild in Detailansicht öffnen

Wer nutzt die DorfFunk-App?

Zielgruppe sind neben lokal interessierten Bürgern vor allem Mitarbeiter der kommunalen Verwaltungen und Mitglieder von Kirchen, Vereinen und Institutionen, die innerhalb der App ihre Nachrichten verbreiten und sich austauschen können. Seit dem 27. März gab es laut Innenministerium mehr als 21.500 neue Registrierungen in Rheinland-Pfalz. Die Gesamtzahl der registrierten Nutzerinnen und Nutzern bezifferte Projektleiter Steffen Hess vom IESE auf 47.737. "Davon waren 37.330 im letzten Monat (April) aktiv und und knapp 23.000 in der letzten Woche aktiv", so Hess auf Anfrage von SWR Aktuell (Stand 11. Mai).

Wo wird die App am meisten genutzt?

Anfang Mai hat das IESE folgende Zahlen in einer Pressemitteilung veröffentlicht: Mit insgesamt 1.593 Nutzerinnen und Nutzern liegt die Verbandsgemeinde Alzey-Land (VG) bei den Neuanmeldungen an der Spitze, gefolgt von den Verbandsgemeinden Wittlich-Land (1.198) und Bernkastel-Kues (1.096). Während die App in ländlichen Regionen einen recht passablen Start hingelegt hat, findet sie in Städten deutlich weniger Fans: In Kaiserslautern, wo DorfFunk entwickelt wurde, gibt es gerade einmal 114 registrierte Nutzer.

Den guten Start in der VG Alzey-Land führt Bürgermeister Steffen Unger (parteilos) darauf zurück, dass die App im Vorfeld relativ stark beworben worden sei. Alle 24 Ortsgemeinden der VG könnten nun ihre Nachrichten in der App veröffentlichen. "Da sollen alle Veranstaltungen und öffentlichen Bekanntmachungen rein", sagte Unger im Gespräch mit SWR Aktuell.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Ein direkter Draht zur Verbandsgemeinde fehlt leider. Das Modul "Sag's uns", mit dem Bürger Hinweise, Vorschläge und Beschwerden direkt an die Gemeinde schicken können, ist in der aktuellen Version nicht vorhanden. "Wir können uns vorstellen, das später zu implementieren", so Unger. Vorrang habe in der Anfangsphase der News-Kanal gehabt.

Viel "Plausch" in der App

Im April, dem ersten Monat mit landesweiter Verfügbarkeit, zählten die Macher 4.550 Posts im DorfFunk, davon 2.897 im Kanal "Plausch", 422 im Kanal "Suche" und 964 im Kanal "Biete". Außerdem sind in der App insgesamt 442 öffentliche Gruppen angemeldet (Quelle: Innenministerium).

Fazit

Wer sich privat DorfFunk auf's Handy runterladen will, sollte ein starkes Interesse an lokalen und regionalen Nachrichten haben. Für Macher in Vereinen, Kirchen oder lokalen Institutionen bietet die App einen nützlichen zusätzlichen Nachrichtenkanal über die eigene Webseite oder Social-Media-Gruppen hinaus. Auch wer gerne auf einem virtuellen Flohmarkt stöbert, wird an den Kanälen "Suche" und "Biete" seinen Spaß haben.

Etwas befremdlich war, dass im Gruppen-Kanal mehrere "Mitfahrgelegenheiten"- oder "Tierfreunde"-Gruppen gelistet waren, die gar keine Teilnehmer hatten. Schade auch, dass es derzeit keinen direkten Draht zur Verwaltung über den Kanal "Sag's uns" gibt. Auch gibt es niemanden in der Verwaltung, der den "Plausch"-Kanal regelmäßig darauf scannt, ob Bürger über Missstände in ihrer Ortsgemeinde informieren. So besteht die Gefahr, dass DorfFunk lediglich Einbahnstraßen-Kommunikation anbietet, garniert mit lokalen Kleinanzeigen.

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