Ralf Kubon aus Sinzig mit ukrainischen Jugendlichen, die jeden Tag die Brücke wieder aufbauen, die beide Teile ihres Dorfes miteinander verbindet, das zerstört wurde. Das Foto wurde in Chernihiv aufgenommen.  (Foto: Ralf Kubon/privat)

Gefährlicher Einsatz im Kriegsgebiet

Fluchthelfer aus Sinzig: Darum rettet Ralf Kubon Flüchtlinge aus der Ukraine

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Ralf Kubon aus Sinzig hat bei der Flut im Ahrtal alles verloren. Er weiß, wie sich die Menschen in der Ukraine fühlen - und bringt sie mit Bussen vor dem Krieg in Sicherheit.

Der 27-Jährige fährt mit seinen Mitstreitern dabei weit hinein ins Kriegsgebiet. Teilweise ging es für ihn dabei bis an die Frontlinien im Norden der Ukraine. Genau dort sei das Leid am größten und die Hilfe am wichtigsten, sagt er. Hier bekämen die Ukrainerinnen und Ukrainer kaum andere Unterstützung aus dem Ausland, etwa in Chernihiv. Die Großstadt war gleich zu Beginn des Krieges ein wichtiges Angriffsziel der Russen.

Ralf Kubon sagt über dieses Foto, das in Chernihiv aufgenommen wurde: "Dieser Bewohner eines besetzten Dorfs in der Ukraine brach in Tränen aus, als er sah, dass ein Deutscher tausende Kilometer in ein Kriegsgebiet fährt, um dort den Menschen zu  helfen."  (Foto: Ralf Kubon/privat)
Ralf Kubon sagt über das Foto, das in Chernihiv aufgenommen wurde: "Dieser Bewohner eines besetzten Dorfs in der Ukraine brach in Tränen aus, als er sah, dass ein Deutscher tausende Kilometer in ein Kriegsgebiet fährt, um dort den Menschen zu helfen." Ralf Kubon/privat

Spenden in die Ukraine – Geflüchtete nach Deutschland

Gemeinsam mit anderen Helferinnen und Helfern hat der Sinziger das Netzwerk IMES (Immediate Medical & Evacuation Service) gegründet. Auf dem Hinweg bringen sie Hilfsgüter wie beispielsweise Essen, Kleidung und Decken aber auch medizinische Güter bis hin zu ganzen Krankenwagen in die Kriegsgebiete in der Ukraine. Auf dem Rückweg nehmen Sie ukrainische Menschen mit nach Deutschland.

"Es kommt immer wieder vor, dass auf Flüchtlingskonvois geschossen wird."

Wo die Helfer Ukrainerinnen und Ukrainer aufnehmen, geben sie in Absprache mit örtlichen Sicherheitskräften und Militärs immer nur kurzfristig bekannt. Denn dann ist die Gefahr besonders groß, sagt der junge Familienvater. "Es kommt immer wieder vor, dass auf Flüchtlingskonvois geschossen wird. Deswegen haben wir vor Ort nie viel Zeit".

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Sinziger Fluchthelfer zwischen Kampfjets und einschlagenden Raketen

Trotzdem wird es immer wieder brenzlig, berichtet der 27-Jährige. Einmal seien russische Kampfjets über seinen Bus geflogen. Ein anderes Mal sei eine Rakete auf der gegenüberliegenden Straßenseite in eine Tankstelle eingeschlagen. Die ukrainischen Soldaten vor Ort gäben alles, um die Helfer zu schützen. "Wenn etwas gefährlich und unangenehm ist, will man natürlich immer sagen: Das sollen Andere machen. Aber wir fragen uns: Wer sind diese anderen? Diese anderen wollen wir nun mal sein."

Erlebnisse aus der Flutnacht im Ahrtal als Antrieb

Warum er das macht und sich selbst in Gefahr begibt? Als Antrieb nennt der Sinziger die eigenen schlimmen Erlebnisse aus der Flutnacht. Er und seine Familie seien selbst von der Katastrophe betroffen. "Wir haben einen Ansatz von dem Gefühl bekommen, wie es ist, wenn man in einer Nacht alles verliert." Das sei für ihn der ausschlaggebende Punkt gewesen. Jede Spende für die Ukraine, egal ob Geld oder Sachspende, sei wichtig. Aber es sei auch wichtig, dass es Menschen gibt, die das Risiko auf sich nehmen, selbst in die Ukraine zu fahren, sagt der Sinziger.

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Familie unterstützt seine Reisen in die Ukraine

Das alles wäre nicht möglich, wenn ihn seine Familie nicht zu 100 Prozent unterstützen würde, glaubt Ralf Kudon. Natürlich machten sich seine Frau und sein kleiner, vier Jahre alter Sohn Sorgen und hätten es lieber, wenn er nicht ins Kriegsgebiet fahren würde. Aber sie hätten Verständnis dafür.

"Verstehen tut mein Sohn es wahrscheinlich nicht so richtig. Aber er weiß, dass ich etwas Gutes tue, und das macht mich auch stolz."

Am schwersten sei es mit seinem Sohn und es falle ihm jedes Mal schwer, ihn zu verlassen, um wieder in die Kriegsgebiete in der Ukraine zu fahren. "Verstehen tut mein Sohn es wahrscheinlich nicht so richtig. Aber er weiß, dass ich etwas Gutes tue, und das macht mich auch stolz." Immer wenn er wieder zurück nach Sinzig kommt, sei sein Sohn der erste, den er sehen will.

Das Netzwerk wächst

Das Netzwerk IMES wächst inzwischen immer weiter. Helferinnen und Helfer aus ganz Europa würden sich inzwischen beteiligen. Und sie alle haben weiter große Pläne. "Unsere Vision ist es, die ganze Ukraine zu versorgen. Und wir werden jeden Tag mehr." Ein Ende der regelmäßigen Fahrten ins Kriegsgebiet ist für ihn deswegen auch noch lange nicht in Sicht.

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