Kita-Kinder machen einen Corona-Test. Der Kita-Verband RLP fordert neue Quarantäneregeln (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Peter Kneffel)

Wie wir Kinder besser vor Corona schützen können

Hohe Inzidenzen in RLP - Sind unsere Kinder Pandemietreiber?

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In keiner Altersgruppe im Land ist die Inzidenz aktuell so hoch wie bei den 10- bis 19-Jährigen, Kitas melden Rekordinfektionen. Sind Kinder und Jugendliche Corona-Virenschleudern?

Die Kitas in Rheinland-Pfalz schlagen Alarm: Die Infektionszahlen sind auf dem höchsten Stand seit Januar 2021. Nach Angaben des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung sind fast 7.000 Kinder und Mitarbeitende Corona-positiv, betroffen sind vor allem die Kleinen.

Zum Stichtag 23. Februar konnten rund 4.400 Kinder nicht eine Kita besuchen, weil sie sich mit Corona angesteckt hatten. Etwa 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren infiziert. Wegen der vielen Corona-Fälle sind zurzeit rund 400 Kindertagesstätten zum Teil, etwa 100 komplett geschlossen.

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Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen deutlich höher als im Durchschnitt

Zahlen des Landesuntersuchungsamtes (LUA) zeigen: In der Altersgruppe der 0- bis 9-Jährigen liegt die Inzidenz aktuell bei 1.858. Nur in der Gruppe der 10- bis 19-Jährigen ist die Inzidenz mit 2.073 noch höher. Zum Vergleich: Der Durchschnitt in der Gesamtbevölkerung liegt bei 1.222. Lassen diese Zahlen den Rückschluss zu, dass Kinder und Jugendliche das Infektionsgeschehen anheizen?

Studie aus Bayern: Kinder keine Pandemietreiber

Immer wieder wird in Studien die Rolle der Kinder in der Pandemie untersucht. Vor wenigen Tagen hat beispielsweise Bayern erste Ergebnisse der "Covid Kids Bavaria"-Studie veröffentlicht. Demnach waren die Corona-Zahlen in Krippen, Kitas und Schulen in der zweiten und dritten Welle der Pandemie ähnlich hoch wie in der gesamten Bevölkerung.

Die Wissenschaftler hatten zwischen Oktober 2020 und März 2021 mehr als 7.000 Abstriche und Antikörper in 99 Kitas und 100 Grundschulen in Bayern genommen. Der Mediziner Christoph Klein, einer der Leiter der Studie, fasst zusammen: "Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass Kinder die Virenschleudern waren, für die manche sie gehalten haben."

Neue Ausgangslage wegen Omikron

Aber wie sieht es mit der vierten Pandemie-Welle aus? Mit Omikron fegt schließlich eine Corona-Virusvariante durchs Land, die ansteckender ist als alle, die wir bisher kannten. Christian Neumann vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Rheinland-Pfalz vergleicht Omikron mit dem Virus, das Windpocken auslöst: Die Ansteckungsgefahr liege bei 90 bis 95 Prozent.

Die Delta-Variante der vergangenen Wellen sei vergleichbar mit dem Mumpsvirus: 60 Prozent der Menschen, die damit in Kontakt kämen, infizierten sich. Kinderarzt Neumann will Kinder und Jugendliche nicht als Pandemietreiber bezeichnen, sagt aber: Die Jüngeren hielten die Infektionszahlen gerade hoch.

Problem: Fehlender Impfschutz bei Kindern

Ein wesentlicher Faktor sei, dass die meisten Kinder und Jugendlichen nicht gegen Corona geimpft sind. Zwar gibt es für Kinder ab fünf Jahren den Impfstoff von BioNTech, der seit November vergangenen Jahres zugelassen ist; die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung allerdings nur für Kinder mit Vorerkrankungen. Nach ärztlicher Aufklärung und auf individuellen Wunsch werden auch gesunde Kinder damit geimpft.

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Sind "Off-Label"-Impfungen die Lösung?

Für die unter Fünfjährigen gibt es in Deutschland noch keinen genehmigten Impfstoff. Das Pharmaunternehmen BioNTech und Pfizer hat allerdings Anfang Februar in den USA eine Notfallzulassung für ihren Corona-Impfstoff für Kinder unter fünf Jahren beantragt. Die Impfserie bei Babys und Kleinkindern soll insgesamt drei Dosen umfassen.

Statt weiter auf einen Impfstoff zu warten, lassen einige Eltern bei uns ihre Kinder "Off-Label" impfen - mit einer geringeren Vakzin-Dosis als der, die für Erwachsene zugelassen ist. Der Zweibrücker Kinderarzt Neumann betont: Diese "Off-Label-"Impfungen seien noch "eine ganz große Ausnahme".

Offiziellen Zahlen zu "Off-Label"-Impfungen fehlen

Neumann selbst hatte nach eigenen Angaben bislang drei Fälle: Die Kinder, die er mit einem eigens portionierten Vakzin geimpft habe, seien schwer krank und hätten möglicherweise einen schweren Krankheitsverlauf, würden sie sich mit Corona infizieren. Letztlich sei eine "Off-Label"-Impfung eine Entscheidung, die Eltern und Mediziner nur gemeinsam treffen könnten.

Offizielle Zahlen, wie viele dieser Impfungen im Land verabreicht wurden, liegen dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Rheinland-Pfalz allerdings nicht vor.

Kita-Schließungen am effektivsten

Was bleibt Eltern also übrig, um ihre Kinder - und damit auch andere Familienangehörige, Freunde und Bekannte - vor einer Ansteckung mit Corona zu schützen? "Es gibt zurzeit nicht viele Möglichkeiten", räumt Christian Neumann ein.

"Man muss ehrlich sagen: Es gibt zurzeit nicht viele Möglichkeiten, Kinder vor Corona zu schützen."

"Eigentlich müssten wir die Kitas schließen", findet der Kinderarzt. Da die Politik aber an einer Öffnung festhalte, plädiert er für drei andere Maßnahmen.

Drei Tipps, um Kinder vor Corona zu schützen

1. Maske tragen Kinder müssen laut der aktuellen Corona-Verordnung des Landes in der Kita zwar keine Maske tragen, aber der Mediziner Christian Neumann wirbt trotzdem dafür. Die Kleinen sollten generell so oft wie möglich gut sitzende Kindermasken anziehen, um sich so vor einer Ansteckung zu schützen.

2. AHA-Regeln einhalten Christian Neumann ist sich darüber bewusst, dass es schwierig ist, gerade in einer Kindertagesstätte Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. "Aber es gibt keine Alternative", betont er.

3. Testen Neumann hält auch eine neue Teststrategie des Landes in Kitas für sinnvoll: drei Mal pro Woche verbindliche und anlasslose Tests, so wie derzeit an Schulen. Am besten montags, mittwochs und freitags. So könnten Kinder, die schon mit Corona infiziert sind, schneller entdeckt werden.

Christian Neumann betont: Natürlich könnten sich Kinder trotz dieser Maßnahmen noch anstecken - aber das Corona-Virus würde nicht mehr so schnell und so weit verbreitet.

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