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In Schulen, Unternehmen und zu Hause kommen aktuell massenhaft Corona-Schnell- und Selbsttests zum Einsatz. Immer öfter wird dabei auch von falschen Ergebnissen berichtet. Wie zuverlässig und hilfreich sind sie eigentlich?

Forscher der Universität München vermuten nach einer Studie, dass nur jede zweite infizierte Person, die bislang keine Beschwerden hat, durch Antigen-Schnelltests erkannt wird. "Das heißt, von 100 Personen werden 42 Menschen nicht erkannt, die infiziert sind, die aber für andere ansteckend sein können", sagt Oliver Keppler von der Universität München.

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Experten warnen deshalb immer öfter, sich zu sehr auf Antigen-Schnelltests zu verlassen. Es werde eine gefühlte Sicherheit geschaffen, die es wissenschaftlich nicht gebe.

Auch eine Mutter aus Mainz berichtet dem SWR-Politikmagazin "Zur Sache Rheinland-Pfalz", dass sie mit einem Schnelltest schlechte Erfahrung gemacht hat. Laut Antigen-Schnelltest sei ihr zehnjähriger Sohn positiv gewesen, ein späterer PCR-Test aber zeigte, dass es sich dabei um einen Fehlalarm handelte. Ein Fehler, der jedoch zunächst einen ziemlichen Schock bedeute.

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Apothekerverband: Nicht zuverlässig, aber wichtig

Der Apothekerverband Rheinland-Pfalz (LAV RP) hält den Einsatz als Bestandteil der Corona-Bekämpfung aber dennoch für richtig.

"Es ist zweifelsfrei, dass Corona-Schnelltests und Selbsttests, die von Laien durchgeführt werden, nicht die Zuverlässigkeit haben wie ein PCR-Test. Mittlerweile sehen wir den Einsatz jedoch unkritischer, weil sich aus unserer Sicht die Corona-Krise so entwickelt hat, dass jede Maßnahme einen Vorteil bietet, eine weitere Verbreitung zu verhindern", sagte der rheinland-pfälzische LAV-Vorsitzende, Thomas Hanhart, dem SWR.

Zu viele mögliche Fehlerquelle

Aus Sicht des Apothekerverbands sei insbesondere die fehlerhafte Anwendung verantwortlich für falsche Testergebnisse. Aktuell gäbe es noch zu viele mögliche Fehlerquellen, angefangen bei der falschen Lagerung der Tests in zu wärmer oder zu kalter Umgebung, bis hin zur ungenauen Entnahme der Probe in der Nase oder im Rachen.

Zudem stimme es, dass Schnell- und Selbsttests erst bei einer hohen Viruslast einen positiven Befund erzielten. "Das Zeitfenster vor dem Ausbruch der Corona-Erkrankung ist daher sehr klein", sagt Hanhart. Bei einem PCR-Test, der im Labor ausgewertet wird, könne ein positiver Befunde lange vor dem Ausbruch vorliegen.

Das ändere jedoch nichts daran, dass Schnell- und Selbsttests Erfolge bringen in der Corona-Bekämpfung. "Wir fischen Leute damit heraus und damit ist die Rechtmäßigkeit erfüllt. Jede Maßnahme ist in der Summe zielführend. Lüften, Maske tragen, Hygiene können als Einzelmaßnahme Corona nicht ausschalten, aber als Baustein in der Bekämpfung sind sie unerlässlich. Trotzdem ist negativer Test kein Freibrief.“

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Mehr Qualität erwartet

Die Nachfrage nach Schnell- und Selbsttests sei aktuell enorm. Die Hersteller kämen da kaum hinterher. "Wir erwarten daher, dass sich die Qualität der angebotenen Schnell- und Selbsttests in den kommenden Wochen und Monaten nochmal deutlich verbessern wird. Und wenn es am Ende nur dazu führt, dass ein Beipackzettel verständlicher verfasst ist", so Hanhart.

Das erwartet auch Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Bei 22 von dem Institut geprüften Produkten lägen die Gütekriterien Empfindlichkeit wie auch Spezifität - also die Zuverlässigkeit, Infektionen und Nicht-Infektionen zu erkennen - mittlerweile weit über 90 Prozent.

"Das Problem der falsch-positiven und falsch-negativen Testergebnisse ist dadurch deutlich geringer geworden." Allerdings habe das Institut bei seiner Prüfung auch Produkte aussortiert.

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