Foto von vielen Badegästen am Erlenbach Badesee Seehof. Bei der Hitze steht die Wasserqualität der Badeseen besonders im Fokus (Foto: SWR)

Gefahr fürs Wasser

Badeseen werden bei Hitze besonders unter die Lupe genommen

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AUTOR/IN
Anne Koark

Seen verändern sich durch die Hitze und müssen deshalb in der heißen Badesaison besonders im Auge behalten werden. In manchen Seen werden Algen zum Problem.

Mit einer drei Meter langen Stange steht Simon Kämmerer am Ufer des Sägmühlweihers in Ludwigswinkel. An deren Ende ist ein kleiner Behälter befestigt. Kämmerer streckt sich, um den Behälter möglichst weit vom Ufer entfernt einzutauchen. Die Wasserprobe wird er ins Labor bringen.

Hitze fördert Algenwachstum im Badesee

Kämmerer ist Hygienekontrolleur bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz. Fünf Badeseen liegen in seinem Revier, die er im Sommer alle drei Wochen unter die Lupe nimmt. Das ist bei der Hitze besonders wichtig: "Bei den Temperaturen, die wir aktuell haben, könnte der See schnell kippen." Durch die steigenden Temperaturen im Wasser kann es zum Beispiel zu mehr Algenbildung kommen. Geringerer Wasserzulauf aus Flüssen wiederum führt zu steigenden Temperaturen.

Am Sägmühlweiher sieht Kämmerer die Gefahr derzeit noch nicht: "Der See sieht klar aus. Ich denke, das gibt ein gutes Messergebnis." Auszubildende Edith Braun misst derweil ph-Wert und Temperatur des Wassers. Auch diese Messwerte geben Aufschluss über das Algenwachstum. Ergebnis: Wassertemperatur: 22,5 Grad, pH-Wert 6,98. Kämmerer ist zufrieden: "Der pH-Wert darf in Badeseen zwischen 6 und 9 sein."

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Doch die Kontrolleure sind noch immer nicht fertig mit dem See. Als nächstes kommt der Sichttest: Dafür lassen sie eine weiße Scheibe an einer Schnur langsam ins Wasser hinab - und zwar so lange, bis sie nicht mehr sichtbar ist. Und das ist heute bei 1,9 Metern der Fall. Die Sichttiefe sollte mindestens einen Meter betragen. Ist sie geringer, weist auch das auf starkes Algenwachstum hin. Außerdem wird die Rettung Ertrinkender erschwert.

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Badeseen in RLP sind "ausgezeichnet"

In Rheinland-Pfalz bestimmen die Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) Nord und Süd jedes Jahr, welche Seen im Land in der Saison als offizielle Badegewässer geführt werden. In diesem Jahr sind es 71. Diese unterliegen dann regelmäßigen Kontrollen.

Für ihre Wasserqualität bekamen fast alle Seen in den vergangenen Jahren Topnoten. So stufte die Europäische Umweltagentur EEA in ihrem Jahresbericht im vergangenen Jahr bei 60 von damals 65 offiziellen Badeseen die Wasserqualität als ausgezeichnet ein. Fünf Seen bekamen ein "Gut".

Für die Auswertung schaute die Behörde auf die Belastung der Gewässer mit Fäkalbakterien, nämlich intestinale Enterokokken und Escherichia coli. "Die Keime selbst sind nicht die Gefahr", sagt der Landauer Facharzt für Mikrobiologie, Donald Kautz. Sie seien nur ein Hinweis darauf, dass Ausscheidungen im Wasser sind. Das eigentliche Problem: "Dann könnten auch andere Keime wie Salmonellen oder Noroviren vorhanden sein."

Braunes Wasser ist hier kein Problem

Hygienekontrolleur Kämmerer ist inzwischen am Neudahner Weiher angekommen. Auch dieser See bekam die Bewertung "ausgezeichnete Wasserqualität". Das mag man dem Wasser auf den ersten Blick nicht ansehen. Es sieht doch sehr braun aus. Der Hygienekontrolleur gibt aber Entwarnung: "Die bräunliche Färbung kommt vom hohen Eisengehalt des Wassers." Eine Gefahr für die Gesundheit sei das nicht.

Was Kämmerer, seine Kollegen und Kolleginnen im Sommer regelmäßig messen, ist öffentlich einsehbar. Das Landesamt für Umwelt (LfU) unterhält eine Karte der Badegewässer. Dort sind zu jedem Badesee Infos zur Infrastruktur verzeichnet und die aktuellen Messdaten - auch zur Algenverbreitung.

Blaualgen in großer Konzentration schädlich

Das Blaualgenwachstum hat das LfU besonders im Blick. Blaualgen, oder sogenannte Cyanobakterien werden zur Zeit in vielen Seen in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Doch so schlimm sei das erst einmal nicht: "Das bloße Vorkommen und der Nachweis von potenziell toxinbildenden Cyanobakterien bedeutet noch nicht, dass von diesen eine Gesundheitsgefahr ausgeht." In großen Mengen jedoch sind sie schädlich. Ihre Giftstoffe können Haut und Schleimhäute reizen oder zu einer Magen-Darm-Erkrankung führen.

Zu erkennen ist ein großes Aufkommen unter anderem an den giftig-grün aussehenden Schlieren auf dem Wasser. Probleme mit Blaualgen gibt es zur Zeit zum Beispiel im Waldsee Argenthal im Hunsrück. Für das Naturbad Schinderweiher im Kreis Altenkirchen gibt es auf der Webseite des Landes die Warnung: "Kein Wasser schlucken, Tiere kein Wasser trinken lassen!"

Wie der Westerwaldkreis auf SWR-Anfrage berichtet, wurde auch für die Krombachtalsperre die erste Warnstufe ausgerufen. Auch hier seien Blaualgen das Problem. Diese erste Stufe beinhaltet demnach das Aufstellen von Hinweisschildern. Das Baden sei weiterhin möglich, solle jedoch von immunschwachen Personen und Hunden vermieden werden.

Im schlimmsten Fall gibt es Badeverbot

Die Überwachung und Kontrolle der Badeseen ist ein gemeinsames Zusammenspiel verschiedener behördlicher Stellen. Proben würden regelmäßig vom Gesundheitsamt entnommen und vom Landesuntersuchungsamt in Koblenz analysiert.

Sollten auf Grund der Probenanalyse weitere behördliche Maßnahmen notwendig sein, werden diese durch das LfU und die untere Wasserbehörde ausgesprochen und erlassen. Behördliche Maßnahmen orientieren sich nach Angaben des Westerwaldkreises an der Gesundheit der Badegäste. Sie beginnen mit Warnhinweisen und gehen bis hin zum Badeverbot.

Von den 71 Badeseen in Rheinland-Pfalz besteht bei etwa der Hälfte das Potenzial einer massenhaften Ausbreitung von Blaualgen. "In den letzten Jahren wurden pro Saison an maximal 15 rheinland-pfälzischen EU-Badegewässern Cyanobakterien-Massenentwicklungen festgestellt. An den meisten betroffenen Seen waren die 'Blaualgenblüten' so stark ausgeprägt, dass vor Ort vor Gefahren gewarnt wurde", heißt es vom LfU.

Wenn der Sauerstoff fehlt, kippt der See

Eine erhöhte Algenkonzentration gepaart mit der Hitze birgt aber noch eine Gefahr: Der See könnte umkippen. Mit "Umkippen" ist gemeint, dass im Wasser kein Sauerstoff mehr vorhanden ist und alle Lebewesen darin ersticken. Das passiert, weil die Algen irgendwann von Bakterien zersetzt werden. Diese brauchen dafür aber Sauerstoff, erklärt Anja Braun von der SWR-Wissenschaftsredaktion.

Schwimmen sollte man in einem umgekippten See nicht, empfiehlt Braun. Es kann zu Hautreizungen, allergischen Reaktionen und auch zu Durchfall und Erkrankungen der Atemwege kommen.

Potenziell schädlich kann auch das Baden in Flüssen sein. "In alle Flüsse, die zum Baden in Betracht kommen könnten, werden die Abläufe von Kläranlagen eingeleitet. Da sie somit noch - wenn auch geklärte - Abwässer enthalten, sind hygienische Bedenken bei Flüssen nicht zu übersehen", heißt es vom LfU.

Auch aus Flüssen werden regelmäßig Wasserproben entnommen, es bestehe aber keine Pflicht zur Bestimmung der Keimbelastung, betont das LfU. Einige Messdaten der Flüsse sind öffentlich über das Wasserportal Rheinland-Pfalz abrufbar. Kleinere Weiher oder Teiche hingegen, die nicht als Badegewässer deklariert sind, unterliegen gar keiner regelmäßigen Messkontrolle.

48 Stunden im Labor

Hygienekontrolleur Kämmerer ist derweil mit seinen Messungen der Badeseen im Dahner Felsenland fertig und gibt sie im Labor in Landau ab. Auf das Ergebnis muss er 48 Stunden warten. Aber er ist optimistisch: "Bei den Seen in meinem Zuständigkeitsbereich erwarte ich, dass die Werte normal sind. Ausreißer nach oben hatten wir in der Vergangenheit keine."

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