Euroscheine liegen auf einer Heizung in einer Wohnun (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa | Patrick Pleul)

Sozialminister appelliert an Energieversorger

Schweitzer will Strom- und Gassperren für Kunden in RLP verhindern

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Um bei den stark steigenden Energiekosten soziale Härten zu verhindern, hat der rheinland-pfälzische Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD) an die Energieversorger im Land geschrieben.

Ziel sei es, gemeinsam mit ihnen "in dieser schwierigen Zeit Strom- und Gassperren für verschuldete und armutsgefährdete Menschen nach Möglichkeit zu vermeiden und damit elementare Grundlagen des Lebens sicherzustellen". So heißt es in dem Brief des Politikers. Adressaten sind der Verband kommunaler Unternehmen in Rheinland-Pfalz und der Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz, in denen schätzungsweise mehr als 100 Energieversorger vertreten sind.

Rheinland-pfälzischer Weg: Soziale Härten vermeiden

"Die Strom- und Gaspreise werden noch eine ganze Weile hoch bleiben, trotz des in meinen Augen starken Entlastungspakets des Bundes", erläuterte Schweitzer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur seine Initiative. "Es gibt ganz viele Menschen, die an die Grenze der Überforderung kommen." Der Minister strebt ein "Ineinandergreifen des Bundespakets zur Entlastung mit dem rheinland-pfälzischen Weg" an. Ziel des rheinland-pfälzischen Wegs sei es, Strom- und Gassperren und damit massive soziale Härten zu vermeiden.

Nach dem Vorbild mancher Energieversorger wie der Stadtwerke Speyer bittet Schweitzer die Unternehmen unter anderem darum, ihre Forderungen möglichst nicht an Inkassobüros zu verkaufen, und den Kunden über Call-Center hinaus Ansprechpartner zur Seite zu stellen. So könnten oft Lösungen etwa mit Raten- oder Abschlagszahlungen gefunden und Stromsperren vermieden werden.

Folgen der Corona-Pandemie belasten Menschen zusätzlich

Schon lange vor dem Ukraine-Krieg seien viele Bürger finanziell an ihrer Grenzen gekommen. "Das Phänomen reicht bis weit in die Mitte der Gesellschaft." Die Folgen der Corona-Pandemie seien eine zusätzliche Belastung. "Trotz der finanziellen Hilfen haben viele Soloselbstständige und Menschen in Kurzarbeit ihr Erspartes und ihre finanziellen Rücklagen aufgebraucht." 

"Geringverdiener sind von den steigenden Kosten überdurchschnittlich stark betroffen", so Schweitzer. "Sie sind zudem beim Energiesparen - wie etwa dem Abdichten von Fenstern oder einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach - von ihren Vermietern abhängig." Der Kauf neuer energiesparender Elektrogeräte falle ihnen in der Regel auch deutlich schwerer. "Es trifft gerade auch viele alleinerziehende Frauen, die nach der Trennung von ihrem Mann weiterhin mit den Kindern im Haus leben, und nicht mehr wissen, wie sie alles bezahlen sollen."

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SWR