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Kadaverspürhunde aus Rheinland-Pfalz sollen in Brandenburg Wildschweine finden, die an der Afrikanischen Schweinepest gestorben sind. Unterdessen sagt Landwirtschaftministerin Klöckner den Bauern Hilfe zu.

Vier speziell ausgebildete Hunde sind in dieser Woche mit ihren Betreuern von Rheinland-Pfalz nach Brandenburg gereist, um bei der Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest zu helfen. Sie sollen nach Angaben des Mainzer Umweltministeriums infizierte Wildschweine finden, die sich zum Sterben meist ins Unterholz zurückziehen. "Gerade in unübersichtlichem, unwegsamem Gelände sind sie uns daher mehr als nur eine Nase voraus", erklärte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen, müssten tote Tiere schnell gefunden werden, erklärte das Ministerium. So werde vermieden, dass sich noch lebende Tiere infizieren könnten und das Virus sich so weiterverbreiten könnte. Das Schweinepest-Virus sei enorm stabil und könne Monate überdauern. Die Kadaverspürhunde sollen tote Wildschweine finden, ohne sie zu berühren, und dies dann ihrem Hundeführer melden. Um die Koordination in Brandenburg kümmert sich das Tierseuchenkrisenzentrum des Landkreises Oder-Spree. Die Teams sollen voraussichtlich bis Ende dieser Woche vor Ort bleiben.

Klöckner für gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern

Die Afrikanische Schweinepest ist auch eines der Hauptthemen bei der seit Mittwoch stattfindenden Agrarministerkonferenz in Weiskirchen im Saarland. Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, Reinhold Jost (SPD), sagte am Donnerstag, Bund und Länder müssten an einem Strang ziehen: "Es muss jedem klar sein, dass es sich hier um eine nationale Herausforderung allerersten Ranges handelt", so der saarländische Agrarminister. Man könne es sich nicht erlauben, Streitereien über Zuständigkeiten oder Finanzierungen zu führen. "Wir sind alle in der Verantwortung: Bund, Land, Kommunen und Organisationen."

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Die Krankheit müsse so rasch wie möglich wieder eliminiert werden, gab Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) an. Sie sprach sich ebenfalls für eine "nationale gemeinsame Kraftanstrengung" aus, um die Ausbreitung in andere Bundesländer und in den Haustierbestand zu verhindern. Es gebe bereits einen Bund-Länder-Krisenstab, ein EU-Team mit Veterinärexperten vor Ort sowie eine Taskforce auf Arbeitsebene. Außerdem werde parallel an einem Impfstoff geforscht.

Finanzielle Hilfe für Bauern vom Bund

Klöckner hat den Schweinebauern in Deutschland Hilfen für Schäden im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest zugesagt. Die Maßnahmen seien bereits mit der EU abgestimmt, sagte sie in einem Interview mit dem SWR. Konkret geht es um die Erlaubnis zur privaten Lagerhaltung. Das heißt, die Bauern bekommen eine Beihilfe, wenn sie ihr Schweinefleisch einlagern. So soll ein Überangebot verhindert und der Marktpreis stabilisiert werden.

Die Preise für Schweinefleisch sind in Deutschland seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor zwei Wochen um 15 Prozent gefallen. Außerdem bekommen Betriebe finanzielle Hilfen, wenn ihre Schweine geschlachtet werden müssen, weil sie in einem von der Schweinepest betroffenen Gebiet liegen.

Mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Folgen des Ausbruchs rief Klöckner dennoch dazu auf, die Lage "nicht schlechter zu reden, als sie ist." Innerhalb Europas könnten Schweine außerhalb des betroffenen Gebiets nach wie vor verkauft werden - rund 70 Prozent der Menge des Exports gingen auf den europäischen Markt. Ein für Deutschland in diesem Sektor wichtiges Exportland außerhalb der EU, China, hat dagegen einen Importstopp für deutsches Schweinefleisch verhängt. Es gelte nun, den Markt zu beobachten.

Fester Zaun soll Ausbreitung erschweren

Neben den finanziellen Hilfen laufen in Brandenburg auch die Vorbereitungen für einen festen Zaun an der Grenze zu Polen, wo die Schweinepest seit Monaten kursiert. Darauf dringen auch Landwirte und Jäger, die mobile Zäune für unzureichend halten. Ortskundige Jäger und Bauern müssten bei der Suche nach toten Wildschweinen mehr eingebunden werden, heißt es außerdem in einer Erklärung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und des Deutschen Jagdverbandes (DJV).

Klöckner begrüßte die Pläne und sagte generelle Unterstützung zu. Für die Finanzierung und Sicherung von Zäunen seien die Länder zuständig - möglich sei auch eine solidarischen Finanzierung durch die Gesamtheit der Länder gemäß einem bestehenden Schlüssel. Brandenburg hat am Donnerstag in Süden des Landes an der Grenze zu Polen mit dem Bau eines festen Zaunes begonnen. Dabei handele es sich um einen 1,50 Meter hohen, verzinkten Drahtzaun, der von Schwarzwild nicht durchbrochen werden könne, heißt es aus dem Verbraucherschutzministerium. Der Landkreis Spree-Neiße wolle die Grenze zu Polen zudem künftig von Norden her mit einem festen Zaum absichern.

Schon 2018 kam es zu einem Ausbruch der Schweinepest

Bereits 2018 bedrohte die Schweinepest auch Bauern in Rheinland-Pfalz. In Belgien, unweit der deutschen Grenze war der gefährliche Erreger Ende 2018 bei verendeten Wildschweinen festgestellt worden. Damals konnte die Ausbreitung noch verhindert werden.

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