Erinnerung an Corona-Selbsttest auf Schultafel (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Schulbeginn nach Osterferien

Viel Unsicherheit an rheinland-pfälzischen Schulen wegen Corona-Selbsttests

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Mit dem Schulbeginn nach den Osterferien soll in Rheinland-Pfalz auch die neue Teststrategie starten. Die Schüler sollen nun regelmäßig Corona-Schnelltests in der Schule machen.

Die Verunsicherung bei den Lehrkräften in Rheinland-Pfalz ist offenbar groß. Denn die sollen die Schülerinnen und Schüler ab diesem Mittwoch bei den Corona-Schnelltests anleiten und beaufsichtigen. Das sieht die Teststrategie der rheinland-pfälzischen Landesregierung vor. Lehrerverbände schlagen Alarm. Sie lehnen es ab, dass die Verantwortung für die Testungen den Lehrerinnen und Lehrern aufgebürdet wird.

VBE: "Schulen sind sehr schlecht vorbereitet"

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisiert unter anderem fehlende Unterstützung für die Schulen durch das Bildungsministerium. "Die Schulen sind sehr schlecht auf die Tests vorbereitet. Die Lehrerinnen und Lehrer kennen den Schnelltest nicht, mit dem die Testungen durchgeführt werden sollen und konnten sich dementsprechend nicht vorbereiten."

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Laut VBE fehlen auch noch Informationen, welche Hygienemaßnahmen während der Schnelltests umgesetzt werden müssen. Ungeklärt seien auch etwa die Fragen, was im Falle eines positiven Schnelltests passiere oder wie mit potenziell kontaminiertem Test-Material umzugehen sei?
Auch vom Philologenverband Rheinland-Pfalz heißt es: "Wir sind sehr ratlos. Wir wollen nicht, dass das eine Virenschleuder wird", sagte die Vorsitzende Cornelia Schwartz dem SWR.

Verbände: Testen geht auf Kosten der Unterrichtszeit

Corona-Tests im Unterricht halten VBE, Philologenverband und auch die Lehrergewerkschaft GEW aus weiteren Gründen für keine gute Strategie. Den Schülerinnen und Schülern gehe dadurch wertvolle Unterrichtszeit verloren, die durch den Wechselunterricht bereits knapp sei. Von der GEW heißt es zudem: "Wir bezweifeln, dass die weiteren organisatorischen Abläufe nach einem positiven Schnelltest von den Lehrkräften während des gleichzeitig weiterlaufenden Schulalltags organisiert werden können."

Die Gewerkschaft und die Verbände plädieren weiterhin dafür, dass die Schnelltests der Kinder und Jugendlichen außerhalb der Schulzeit stattfinden sollen, beispielsweise zuhause mit Unterstützung der Eltern. Denkbar sei auch, Testzentren an den Schulen einzurichten.

GEW schreibt offenen Brief an Bildungsministerin Hubig

In einem offenen Brief an die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig stellt die Gewerkschaft GEW die Teststrategie auch rechtlich in Frage. Der GEW-Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer schreibt darin: "Wir können den gesetzlichen Vorgaben, aus denen sich die Dienstpflichten der Lehrkräfte und damit der Umfang des Direktionsrechts des Dienstherrn ergeben, keine Verpflichtung für die Anleitung bei Selbsttests von Schülerinnen und Schülern entnehmen."

Hubig hatte drei Gründe genannt, warum die Selbsttests in der Schule und nicht zuhause stattfinden sollten. Den Kinder und Jugendlichen könne so am besten vermittelt werden, wie die Tests anzuwenden seien. Zudem sei es wichtig, einen Überblick zu bekommen, wie "hoch die Teilnahmequote ist." Außerdem werde so sichergestellt, dass positive Fälle auch gemeldet würden.

Ministerium sieht keinen Anlass für Unsicherheit

Aus Sicht des Bildungsministeriums sollte es keinen Anlass für Unsicherheit und Ratlosigkeit an den Schulen geben. Diese seien breit über die Teststrategie informiert worden, so ein Sprecher des Ministeriums. Er verwies unter anderem auf eine extra eingerichtete Internetseite, auf der beispielsweise Erklär-Videos zu Schnelltests zu finden sind, sowie zahlreiche Fragen und Antworten zu den Testungen.

Vor den Osterferien hatte Ministerin Hubig zunächst angekündigt, dass es mindestens ein Testangebot pro Woche für jede Schülerin und jeden Schüler geben soll. Im SWR sprach sie nun von zwei Tests pro Woche. Sie verteidigte auch die Entscheidung, trotz hoher Infektionszahlen im Land am Präsenzunterricht festzuhalten. Ziel sei es, unter guten Sicherheitsbedingungen in den Schulen den Wechselunterricht aufrecht zu erhalten. Dazu gehörten auch die Tests.

Nach Angaben des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung werden die Corona-Schnelltests seit Dienstag an die Schulen ausgeliefert. Bis Freitag sollen alle Schulen damit versorgt sein. Insgesamt hat das Landesamt nach eigenen Angaben knapp 4,5 Millionen Test beschafft. Sie werden in den nächsten sieben Wochen an Schulen, aber auch an Kitas und Hilfen für Erziehung ausgeliefert.

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