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Für die Schüler in Rheinland-Pfalz hat nach den Herbstferien am Montag wieder der Unterricht begonnen. Trotz steigender Corona-Zahlen will Ministerin Hubig die Schulen nur im äußersten Notfall schließen. Der Lehrerverband sieht das kritisch.

Für einige rheinland-pfälzische Schüler stehen neue Maßnahmen auf der Tagesordnung. So wird die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen in Regionen mit der Corona-Warnstufe Rot (Inzidenz ab 50) auf den Unterricht ausgeweitet. Von dieser Regel wird es laut Landesregierung in Einzelfällen Ausnahmen geben.

Zudem soll nach Angaben des Bildungsministeriums ab einer Inzidenz von 35 (Warnstufe Orange) in bestimmten Fällen auch eine temporäre Maskenpflicht im Unterricht möglich sein.

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An Grund- und Förderschulen soll laut Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) der Mund-Nasen-Schutz im Unterricht "nur in absoluten Ausnahmefällen" vorgeschrieben werden.

Hubig will möglichst lange Präsenzunterricht

Nach dem Schulstart am Montag erklärte Hubig im SWR, Schulen sollten nur im äußersten Notfall geschlossen werden. Das oberste Ziel sei es, dass die Schulen so lange wie nur möglich im Präsenzunterricht blieben. Man schaue sich das Geschehen in den Schulen sehr genau an, versicherte die Ministerin. Vor den Herbstferien sei nur ein "sehr sehr geringer Anteil" an Schülern und Lehrkräften infiziert gewesen.

Jetzt werde man weitere Maßnahmen ergreifen, "regional angepasst vor Ort". Im Zweifelsfall müsse es außerhalb der Schulen "mehr Beschränkungen" geben, damit die Schulen offen bleiben könnten, so Hubig.

Lehrerverband: "Lage ist kritisch"

Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, ist die Lage an den Schulen kritisch. Meidinger sagte dem SWR, es sei zwar so kurz nach dem Schulstart zu früh, ein Resümee zu ziehen. "Aber erste Rückmeldungen, die wir erhalten zeigen, dass auch in Rheinland-Pfalz die Zahl der Schüler, die in Quarantäne müssen, sich von Anfang an erhöht. Und wahrscheinlich in den nächsten Tagen noch stark steigen wird."

"Schulen können sich aus dem Infektionsgeschehen nicht ausklinken."

Heinz-Peter Meidinger, Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes

Dies zeige, dass "Schulen sich aus diesem Infektionsgeschehen nicht ausklinken können". Damit widersprach Meidinger Bildungsministerin Hubig. Es gebe zwar Studien, dass Kinder bis zehn Jahre weniger ansteckend seien. Die Mehrzahl der Schüler, die die Bildungseinrichtungen besuchten, sei aber älter, so Meidinger. "Und da sagen alle Studien, die sind von der Infektiosität her ähnlich sozusagen ansteckend wie auch Erwachsene".

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"Fraglich, wie lange der Regelunterricht aufrechterhalten werden kann"

Auch Elternvertreter und Bildungsgewerkschaften blicken mit Sorge auf den Schulbeginn. Aus Sicht des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Rheinland-Pfalz ist es aufgrund der aktuell rasant steigenden Zahlen fraglich, wie lange der Regelunterricht in bisheriger Form flächendeckend noch aufrechterhalten werden kann. Individuelle Lösungen - etwa in Form von Änderungen des Stundenplans - würden im Bundesland vielerorts bereits diskutiert und umgesetzt.

Ob aber Lüftungskonzepte oder die Anschaffung von Lüftungsgeräten ausreichen, um Infektionen zu verhindern, bleibe fraglich, sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold. "Eventuell sollte das Land über Corona-Schnelltests an Schulen nachdenken, um mögliche Infektionen nicht in die Schule zu tragen und somit zu verbreiten."

Der rheinland-pfälzische Landeselternsprecher Reiner Schladweiler rechnet damit, dass Schulen in den kommenden Monaten aufgrund steigender Infektionszahlen geschlossen werden müssen. Als problematisch sieht er, dass noch vieles unklar sei.

Unklar, ob Grundschüler sich infizieren können

So gebe es etwa Aussagen von Experten, wonach sich Grundschüler und Kitakinder nicht infizieren könnten. "Allerdings gibt es auch andere Meinungen - für uns stellt sich die Frage: Was stimmt jetzt?", sagte Schladweiler. Um dies herauszufinden, müssten umfangreiche Tests gemacht werden, die es aber leider nicht gebe.

Der Verband Reale Bildung (VRB) übt ebenfalls Kritik. Eltern seien irritiert, wenn Bildungsministerin Hubig bekunde, dass Schulen keine Treiber innerhalb der Corona-Pandemie darstellen. "Mit dieser Einschätzung steht die Ministerin im Widerspruch zu den Aussagen des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Rolle von Bildungseinrichtungen im Infektionsgeschehen", erklärt VRB-Landesvorsitzender Timo Lichtenthäler.

Grundsätzlich sei es richtig, dass die Schulen so lange wie möglich geöffnet bleiben sollen, so die Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz (LSV). Der Präsenzunterricht biete den Schülern eine bessere Wissensvermittlung als der Online-Unterricht. Niemand wünsche sich einen zweiten Lockdown, dennoch seien erneute Schulschließungen denkbar und "sollten nicht um jeden Preis vermieden und bis in den letzten Moment hinausgezögert werden", heißt es aus der LSV.

Eltern für Luftfilteranlagen und Klassenreduktionen

Laut einer Umfrage unter Elternvertretern des Landes mit rund 4.200 teilnehmenden Personen wird das Tragen von Masken und der Wechsel zwischen Präsenz- und Homeschooling mehrheitlich abgelehnt. Die Reduktion der Klassenstärke und der Einsatz von mobilen Raumluftfiltern wird mehrheitlich gewünscht.

Kein Abstandsgebot im Unterricht

Der Philologenverband Rheinland-Pfalz bemängelte, dass sich Schüler, Eltern und Lehrer allein gelassen fühlten. Besonders die fehlende Einhaltung des Abstandsgebotes während des Unterrichts sei problematisch, was im Gegensatz zu den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts stehe.

Schüler in Rheinland-Pfalz müssen während des Unterrichts keinen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, generell sollen sie aber im Schulgebäude Abstand halten und Masken tragen.

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