STAND

Erste Schulen in Rheinland-Pfalz müssen wegen hoher Inzidenzwerte wieder schließen. Gleichzeitig wird der Wunsch nach einheitlichen Regeln immer lauter.

Betroffen sind unter anderem die weiterführenden Schulen in Mainz und Ludwigshafen. Seit Montag lernen die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 vorerst wieder im Fernunterricht. In Worms wird es zunächst gar keinen Präsenzunterricht mehr geben. In den Kitas und Kindergärten wird eine Notbetreuung angeboten.

Die Inzidenzen in Worms und Ludwigshafen liegen seit Tagen teils deutlich über einem Wert von 200. Die Stadt Mainz liegt noch knapp darunter. Man habe sich im Verwaltungsstab der Stadt Mainz aber verständigt, dass man nicht warten wolle, bis die Inzidenz die Grenze von 200 Neuinfektionen überschritten habe, so der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

Video herunterladen (3,3 MB | MP4)

"Keine neue Situation, alles ist eingerichtet"

Für Johannes Thomas, Schulleiter einer Realschule plus in Ludwigshafen, war die Entscheidung längst überfällig: "Es ist ein Punkt erreicht, an dem man nicht mehr guten Gewissens in die Schule kommen konnte." Wegen der hohen Inzidenzwerte habe unter anderem im Kollegium große Unsicherheit geherrscht. Es sei eine Erleichterung, dass es anders weitergehe.

"Wir machen dort weiter, wo wir beim letzten Mal aufgehört haben."

Schulleiter Johannes Thomas zum Fernunterricht

Auch wenn die Entscheidung, Schulen zu schließen und wieder auf Fernunterricht umzustellen, recht kurzfristig kam, ein riesiger organisatorischer Aufwand sei der Wechsel nicht, erklärt Ingo Schnell, Schulleiter eines Gymnasiums in Mainz. "Die Schulen haben eine gewisse Übung im Fernunterricht, wir sind es ja gewohnt."

Schulleiter: Fernunterricht effektiver als Wechselunterricht

Grundsätzlich sei es natürlich schöner, mit den Schülerinnen und Schülern vor Ort zu arbeiten, betonen beide Schulleiter. Der Fernunterricht habe sich mittlerweile aber auch bewährt, nachdem technische Schwierigkeiten behoben und Pläne entwickelt worden seien. Die Effektivität im Fernunterricht ist nach Angaben von Schulleiter Thomas inzwischen deutlich gestiegen und größer als im Wechselunterricht. Die Schülerinnen und Schüler lernten täglich nach Stundenplan. Und: "Fernunterricht hat den Vorteil, dass die Kollegen wieder Kontakt mit ihren kompletten Lerngruppen haben", so Schulleiter Schnell.

Kritik kommt dennoch vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). Auch wenn die Abläufe im Fernunterricht routinierter würden, die Digitalisierung im Schulbetrieb müsse schneller erfolgen: "Die digitale Ausstattung mit Endgeräten ist noch nicht so weit vorangeschritten, dass alle Kinder und Jugendlichen versorgt sind, von den Lehrkräften ganz zu schweigen." Auch die vom Land bereitgestellten Plattformen seien nicht leistungsfähig genug.

"An sich schalten Schulen leicht um, wir sind es ja gewohnt. Allerdings geht das auf die Kondition aller. Die Ermüdungserscheinungen sind gewaltig."

Schulleiter Ingo Schnell aus Mainz

Gleichzeitig berichtet der Mainzer Schulleiter Schnell von gewaltigen Ermüdungserscheinungen. Der Akku werde durch den "zerrupften Schulbetrieb" immer leerer und lade sich nicht auf - bei den Beteiligten in der Schule ebenso wie bei den Kindern. "Wir erleben die Klassen und Gruppen als sehr still. Die sind doch sehr in sich gefangen", beschreibt er.

Wunsch nach klaren Regeln

Zahlreiche Bildungsexperten aus Rheinland-Pfalz würden einheitliche und klare Regeln für Schulschließungen grundsätzlich befürworten. "Wir brauchen verbindliche Regeln, ab denen dann etwas gilt", erklärt zum Beispiel Cornelia Schwartz, die Landesvorsitzende des Philologenverbandes im SWR-Interview.

Es tue allen in der Bevölkerung gut, wenn es eine klare Orientierung gibt, so der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer. Und auch VBE-Landeschef Gerhard Bold sagt: "Es ist richtig, dass es lokale Unterscheidungen gibt, dennoch fordern wir einen verbindlichen Rahmen, bei welchen Gegebenheiten welches Unterrichtsmodell greifen soll."

Kritik an Inzidenz 200

Umstritten ist bei den Bildungsverbänden allerdings, dass der Richtwert für Schulschließungen in der Bundes-Notbremse bei einer Inzidenz von 200 liegt. Die Orientierung an Inzidenzen gebe zwar allen Beteiligten Transparenz und Gewissheit, so der VBE. Der Philologenverband spricht von einem guten Gradmesser. Der Wert 200 sei aber viel zu hoch.

"Dass für den Rest der Gesellschaft bei einem Wert von 100 die Notbremse gezogen werden soll und in Schulen erst ab 200 ist für uns nicht nachvollziehbar", erklärt auch VBE-Landeschef Bold. Unterstützung kommt vom Chef des Robert Koch-Institutes, Lothar Wieler, aus Berlin. Bei seiner Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag sagte er: Je höher man die Schwelle setze, desto mehr Kinder werde man wegen Infektionen aus den Klassen nehmen und desto mehr ganze Klassen werde man zuhause lassen müssen.

Schulleiter Schnell aus Mainz hält dagegen grundsätzlich nichts davon, den Schulbetrieb an Inzidenzwerte zu koppeln: "Dann sehe ich kommen, dass wir alle paar Wochen hin und her wechseln. Das verträgt das System Schule nicht." Man brauche Konstanz und Planungssicherheit.

FAQ für Eltern und Schüler Alles Wichtige zu Corona-Selbsttests an rheinland-pfälzischen Schulen

Alle Schüler in Rheinland-Pfalz sollen die Möglichkeit bekommen, sich zweimal pro Woche in der Schule selbst auf eine Corona-Infektion zu testen. Wie das funktioniert und was mit einem positiv getesteten Kind passiert - ein Überblick.  mehr...

Mainz

Andere Impfreihenfolge in Hessen Lehrer in RP fühlen sich wegen Impfstrategie benachteiligt

Mainzer Lehrer haben Angst sich mit Corona anzustecken, weil sie ihre Schülerinnen und Schüler beim Selbsttest beaufsichtigen sollen. Andere, aus der selben Schule, sehen das entspannt. Sie sind geimpft, weil sie in Hessen wohnen.  mehr...

Streit um Impfpriorisierung Sollten Eltern bevorzugt geimpft werden?

Im Streit über die Impfreihenfolge gibt es Forderungen, die Impfung von Eltern vorzuziehen.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Worms

Stadt verschärft weiter Corona-Regeln Wormser Schulen bleiben wegen Corona-Inzidenz geschlossen

Die Stadt Worms will die Zahl der Corona-Infektionen verringern. Deshalb wurde beschlossen von Montag an die Schulen geschlossen zu halten. Kitas bieten nur noch eine Notbetreuung an.  mehr...

Mainz

Strengere Corona-Regeln Corona-Inzidenz: In Mainz bleiben weiterführende Schulen geschlossen

Die Stadt Mainz reagiert auf die stark angestiegenen Inzidenzwerte mit einer neuen Allgemeinverfügung. Für Kinder und Jugendliche ab Klasse 5 bedeutet das: Homeschooling.  mehr...

Ludwigshafen

Kitas, Blumenläden, Baumärkte – alles dicht Ludwigshafen fährt wieder runter

Ab Donnerstag gelten neue Corona-Maßnahmen in Ludwigshafen. Mit einer Inzidenz von 227 hatte die Stadt die zweithöchste Zahl an Corona-Neuansteckungen im Land am Mittwoch verzeichnet.  mehr...

Kirn

Nach Corona-Ausbrüchen Inzidenz über 500 Baptisten helfen Kreis bei Kontaktermittlung

Die Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Bad Kreuznach und der Baptistengemeinde habe sich verbessert, so die Kreisverwaltung. Die Baptistengemeinde habe verbindliche Zusagen gemacht.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Lage im Land Corona-Live-Blog in RP: Speyers OB Seiler kritisiert Corona-Politik

Die Sieben-Tage-Inzidenz geht in Rheinland-Pfalz langsam zurück, doch das Coronavirus ist weiter das bestimmende Thema im Land. Die aktuelle Entwicklung hier im Blog.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Corona-Pandemie Inzidenz in Rheinland-Pfalz fällt weiter

Der Abwärtstrend bei der Sieben-Tage-Inzidenz für Rheinland-Pfalz geht auch am Freitag weiter. Die Inzidenz liegt nun bei 80,6 (Donnerstag: 83,0). Das Landesuntersuchungsamt meldet zugleich 538 bestätigte Neuinfektionen mit dem Coronavirus.  mehr...

STAND
AUTOR/IN