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Luftfilter, schnelles Internet, Förderstunden: Sind die Schulen im Land fit für alle Eventualitäten von Videounterricht bis Präsenzstunden? Unsere Reporter haben vor Ort nachgefragt.

Von Remagen bis Winnweiler, von Nackenheim bis Trier haben Schulleitungen kurz vor dem Start der rheinland-pfälzischen Sommerferien einen Einblick gegeben, mit welchen Baustellen sie coronabedingt zu kämpfen haben. Auf der Kummerliste ganz oben steht bei vielen die Frage nach Luftfilteranlagen. Daneben treibt viele Schulleiter und Schulleiterinnen das Wohl ihrer Zöglinge um - insbesondere das seelische Gleichgewicht.

Thema Luftfilter sorgt in Rheinland-Pfalz weiter für dicke Luft

Eigeninitiative und Kreativität - das ist in dieser Pandemie oft das Gebot der Stunde. Denn längst nicht an allen Schulen sind grundlegende Dinge wie schnelles Internet oder Lüftungsanlagen erledigt. Manche Schulen haben dabei einen Wettbewerbsvorteil, weil sie eine entsprechende Ausrichtung haben, so zum Beispiel das Balthasar-Neumann-Technikum Trier als Fachschule für Technik und technisches Gymnasium: "Wir haben mehr Know-how als das Land und haben daher unsere Luftfilter für die Klassenräume selbst besorgt und installiert", sagt Schulleiter Michael Schäfer. So rund läuft es aber längst nicht überall.

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Am Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler herrscht in Sachen Luftfilter zum Beispiel noch immer dicke Luft. Schulleiter Ralf Schäfer weist darauf hin, dass diese auch weiter fehlten. Das Gymnasium werde zwar gerade umfangreich ausgebaut - der Kreisausschuss des Donnersbergkreises lehnte allerdings den Einbau von Luftfiltern oder Lüftungsanlagen aus Kostengründen ab. Den Behörden zu teuer - aber was ist mit Schüler und Lehrern, die bei Minustemperaturen lernen sollen?

"Auf das gemeinsame Frieren in den kalten Monaten möchten wir aber gerne verzichten."

An anderen Orten läuft es deutlich besser: In Pirmasens sind alle Schulen mit entsprechenden Anlagen ausgestattet und auch in Remagen ist das jetzt angeleiert.

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Aber da das eben nicht flächendeckend der Fall ist, ist das Thema Luftfilteranlagen kurz vor den Sommerferien in der Politik erneut hochgewirbelt worden. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) deutete im SWR-Sommerinterview an, dass eine Ausweitung des Förderprogramms im Gespräch sei. Beratungen sollen am Dienstag stattfinden. CDU-Fraktionschef Christian Baldauf forderte am Wochenende ein 20-Millionen-Programm für die Luftreinigung in Schulen. Mobile Luftfiltergeräte sind für den Landeselternbeirat der Weg, um den Präsenzunterricht nach den Sommerferien sicherzustellen.

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Kritik an kurzfristigen Ansagen

Schulleitern quer durchs Land brennt auch das Thema Kommunikation unter den Nägeln: Der Informationsfluss zwischen oberen Behörden und Schulen laufe nicht rund. Zu kurzfristig, zu widersprüchlich, zu hohe Schlagzahl lautet die Kritik. Ob Grundschule oder Berufsbildende Schulen: Es brauche einen angemessenen Vorlauf, um ministerielle Vorgaben auch umsetzen zu können. Und als absolutes No-Go empfinden es Schulleiter, wenn sie Vorgaben des Ministeriums aus der Presse erfahren müssen.

"Informationen kommen in der Regel immer zuerst über die Medien zu uns, bevor sie, oft tagesversetzt, an uns herangetragen werden. Dies sorgt für große Unsicherheit bei den Schulen. Dies muss sich dringend ändern", appelliert der kommissarische Leiter der Puricelli-Realschule Plus in Rheinböllen (Rhein-Hunsrück-Kreis), Manuel Hortian, an die Politik.

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Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Besser Lernen in kleineren Klassen

Lernlücken - dass es sie gibt, ist unstrittig. Kleinere Klassen - das wäre aus Sicht vieler Schulleitungen ein wichtiger Baustein, um die Schüler und Schülerinnen aufzufangen. Johannes Thomas, Leiter der Anne-Frank-Realschule in Ludwigshafen plant, den Förderbereich auszubauen. Ein Förderprogramm in den drei Hauptfächern an einem Nachmittag pro Woche in jeder Jahrgangsstufe - das wäre der Wunsch. Ob es so kommt, hänge von der Lehrerzuweisung ab und sei noch nicht konkret bezifferbar.

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Auch der Schulleiter aus Rheinböllen fordert mit Nachdruck zusätzliche Stunden, um die Leistungsdefizite auffangen zu können. "Wie groß der Mangel durch den fehlenden Präsenzunterricht tatsächlich ist, wird sich wohl erst in den kommenden Monaten oder Jahren zeigen."

Die in Rheinland-Pfalz angebotene Sommerschule wird dagegen mit Skepsis betrachtet: "Die Sommerschule wird nicht viel auffangen. Sie ist ein öffentlichkeitswirksames Instrument", kritisiert Schulleiter Steffen Jung vom Trifels-Gymnasium in Annweiler. Die Idee sei nicht schlecht, aber der Umfang sei mit drei Stunden zu gering.

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Erst die Seele, dann das Gehirn

Mehr noch als die Frage nach den Lernlücken treibt viele Schulleitungen die Sorge um das seelische Befinden ihrer Zöglinge um. Müde, ausgelaugt, demotiviert und soziale Phobien sind Stichwörter, die fallen. Das habe sich auch mit der Rückkehr in die Schulen nicht einfach erledigt.

"Die wirklichen Probleme sehe ich weniger in fachlicher Hinsicht als vielmehr auf der sozial-emotionalen Ebene", sagt etwa Schuldirektor Thomas aus Ludwigshafen. Man versuche, dem entgegenzusteuern. Die Schule solle ein Lebens- und Lernort sein, an dem die Kinder und Jugendlichen so aufgenommen würden, wie sie sind. Nur dann kann es, so die Pädagogen, auch Lernfortschritte geben: "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir den Lernstoff nur erfolgreich vermitteln können, wenn es uns gelingt, die jungen Menschen psychisch stabil zu halten", so Sabine Schanz, Schulleiterin am Albert-Einstein Gymnasium Frankenthal.

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