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Die Sommerferien sind zu Ende und sämtliche Schüler dürfen unter aktualisierten Hygieneregeln in den Unterricht zurückkehren. Das erste Mal seit Beginn der Corona-Pandemie soll der Schulbetrieb wieder regulär stattfinden. Was müssen Schüler und ihre Eltern beachten, bevor es losgeht?

Seit dem 10. August gibt es in Rheinland-Pfalz wieder regulären Präsenzunterricht - das gilt für alle Schüler. Am Tag darauf kamen noch die Erstklässler hinzu.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hat am Donnerstag den aktualisierten Corona-Hygieneplan für Schulen verschickt, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten.

Viele Kinder und auch ihre Eltern freuen sich auf den Schulstart, dennoch herrscht viel Verunsicherung: Wann muss eine Maske getragen werden, wann nicht? Wird der Fernunterricht besser laufen, wenn es wieder zu Schulschließungen kommen sollte? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Mein Kind wird eingeschult - darf die ganze Familie mit zur Einschulungsfeier?

Während die Abstands- und Hygieneregeln immer einzuhalten sind und sich danach auch die Anzahl der maximal zulässigen Gäste richtet, haben die Schulen freie Hand bei der Gestaltung der Feiern. Sie können diese zum Beispiel im Freien abhalten, um die Anzahl der möglichen Teilnehmer zu erhöhen.

Muss mein Kind auch im Unterricht seine Maske tragen?

Im benachbarten Nordrhein-Westfalen gilt die Maskenpflicht auch im Unterricht - rheinland-pfälzische Schüler hingegen dürfen ihren Mundschutz im Klassenzimmer ablegen. Im Schulgebäude - also auf den Fluren und im Treppenhaus - müssen sie ihn allerdings wieder aufziehen. Und sogar auf dem Pausenhof gilt: Wenn Schüler in größeren Gruppen zusammenstehen, die nicht dem Klassenverband entsprechen, müssen sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Wann müssen die Schüler den Abstand von 1,5 Metern zueinander einhalten?

In den Klassen selbst muss der Mindestabstand nicht mehr zwingend eingehalten werden, wenn die Größe des Klassenzimmers es nicht zulässt. Er soll aber Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zufolge immer dann eingehalten werden, wenn es möglich ist. Eine Durchmischung verschiedener Klassen und Klassenstufen soll vermieden werden. In gemischten Kursen, wie es sie vor allem in der Oberstufe oder in den Wahlfächern gibt, sollen Schülergruppen gebildet werden, die immer zusammensitzen. Die Lehrer müssen außerdem die Sitzpläne dokumentieren.

Welche besonderen Regeln gibt es im Musik- und im Sportunterricht?

Für den Musikunterricht hat das Bildungsministerium einen Leitfaden herausgegeben. Darin ist zum Beispiel festgelegt, dass am besten draußen gesungen werden soll oder alternativ in besonders großen Räumen. Das gleiche gilt für das Musizieren mit Blasinstrumenten. Es gilt ein Mindestabstand von drei Metern. Beim Singen in Räumen muss alle viertel Stunde gelüftet werden. Etwas lockerer sind die Regeln beim Musizieren mit Tasten-, Streich-, Zupf- oder Schlaginstrumenten. Hier reicht ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Instrumente sollen grundsätzlich nur von einem Schüler verwendet und nicht weitergegeben werden.

Der Sportunterricht darf in der Turnhalle stattfinden, wenn diese gelüftet werden kann. Schwimmunterricht ist aktuell im Klassenverband nicht möglich. Die Schulen sollen im Laufe der Woche noch einen Leitfaden bekommen, in dem zum Beispiel geregelt ist, was in den Umkleiden oder Duschen zu beachten ist, oder wie die Schule vorgehen soll, wenn die Turnhalle nicht gelüftet werden kann.

Finden außerschulische Aktivitäten wie Klassenfahrten und Ausflüge statt?

Tagesausflüge sind grundsätzlich möglich. Exkursionen ins Theater oder in den Zoo seien sogar erwünscht, heißt es vom Bildungsministerium. Auch Wandertage seien kein Problem. Schülerwettbewerbe dürfen stattfinden, wenn deren Durchführung im Rahmen der Hygienevorgaben möglich sind. Mehrtägige Klassenfahrten sind hingegen mindestens bis nach den Herbstferien verboten. Das gilt auch für Schüleraustausche. Diese können aktuell nur als digitaler Austausch übers Internet stattfinden. Projektwochen in Schulen sind ebenfalls weiterhin gestrichen, da diese normalerweise mit starker Durchmischung der Schüler und dem Besuch von Externen einhergehen, heißt es vom Ministerium.

Was gilt in den Schulbussen?

Für die Schülerbeförderung und die Umsetzung der Maßnahmen sind die Schulträger zuständig, also die Kreise und Städte. Einige Verkehrsverbünde haben bereits Informationen herausgegeben. In allen Bussen des Verkehrsverbund Region Trier (VRT) zum Beispiel ist das Tragen von Alltagsmasken in Schulbussen Pflicht. Wenn möglich, sollen sich die Kinder einzeln in die Bänke setzen und Abstand halten. In Mainz hat die Stadt mit der Verkehrsgesellschaft Mainzer Mobilität Vorschläge erarbeitet, wie die Schulbeginnzeiten entzerrt werden können, damit die Schulen leicht versetzt in den Tag starten. Überall im Land gilt: Die Beförderung dürfen die Busfahrer bei Nichttragen einer Maske den Kindern nicht verweigern. Viele Busunternehmen stellen ihren Fahrern eine begrenzte Anzahl an Ersatzmasken zur Verfügung.

Ab wann darf mein Kind nicht mehr zur Schule?

Mit der nun mehr fünften überarbeiteten Fassung des Hygieneplans für Schulen hat das Bildungsministerium ein Merkblatt für Sorgeberechtigte und Personal herausgegeben, wie mit Krankheitssymptomen bei Schülern und Kita-Kindern umzugehen ist. Eindeutig kranke Kinder sollen demnach nicht in die Kita oder Schule gebracht werden. Wenn Kinder offensichtlich krank die Einrichtung besuchen oder während der Teilnahme an der Betreuung bzw. am Unterricht erkranken, kann es sein, dass sie abgeholt werden müssen.

Das Ministerium unterscheidet im Merkblatt zwischen drei Stufen: Bei banalen Infekten können die Kinder weiterhin zur Schule gehen, bei Infekten, die mit einer Beeinträchtigung des Allgemeinzustands einhergehen, darf die Schule nicht besucht werden. Eine Genesung kann aber abgewartet werden, wenn die Eltern das möchten. Wenn jedoch deutliche, auf Covid-19 hinweisende Symptome auftreten, dürfen die Kinder auf keinen Fall zur Schule und sollen ärztlich vorgestellt werden. Die Schule darf dann so lange nicht besucht werden, bis das Testergebnis vorliegt.

Was passiert, wenn wieder gehäuft Corona-Infektionen auftreten?

Das Bildungsministerium plant mit zwei Szenarien: dem eingeschränkten Regelbetrieb mit Abstandsgebot und der temporären Schulschließung. Im ersten Fall würde ein rollierendes System, also ein Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht, greifen. Im zweiten wäre ausschließlich noch Fernunterricht aufgrund temporärer, lokaler, regionaler oder sogar überregionaler Schulschließungen möglich. Laut Ministerium sei das Ausmaß der Maßnahmen immer vom Einzelfall abhängig.

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Gibt es Corona-Tests für Lehrer?

Das Personal an Schulen (und Kitas) kann sich freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Das gilt auch für alle, die im Sommer nicht verreist sind. Die Kosten dafür werde das Land übernehmen, kündigte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) an.

Was denken die Lehrer über die Rückkehr zum Regelbetrieb?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW) ist gegen eine pauschale Maskenpflicht im Schulunterricht. Der GEW-Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer erklärte im Interview mit dem SWR, sinnvoller sei es, in kleineren Lerngruppen zu arbeiten, wo der Abstand eingehalten werden könne. Im Hinblick auf eine mögliche zweite Infektionswelle sieht er schwarz: "Schulen sind nicht in der Lage, sich vorzubereiten." Lehrer müssten begleitet werden und Schulen benötigten ein Netzwerk, um voneinander zu lernen.

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Lehrer, die älter als 60 Jahre sind oder Vorerkrankungen haben, müssen nun ein ärztliches Attest vorlegen, um sich vom Präsenzunterricht befreien zu lassen. Sie sind dann aber nicht krankgeschrieben, sondern sollen beispielsweise auf digitalem Wege Schüler unterrichten, die ebenfalls nicht zur Schule gehen können.

Was ist aus Sicht der Eltern sinnvoll und wünschenswert?

Ein überwiegender Teil der Eltern in Rheinland-Pfalz ist einer Umfrage des Landeselternbeirats (LEB) zufolge für einen regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien. Zudem hält eine deutliche Mehrheit eine Maskenpflicht für sinnvoll.

Doch seit Tagen meldet das Robert Koch-Institut steigende bestätigte Corona-Infektionen, auch in Rheinland-Pfalz. Der LEB bekommt laut eigenen Angaben vermehrt Rückmeldungen von Eltern, die sich Sorgen machen.

Was tut das Land, um das digitale Unterrichtsangebot zu verbessern?

Rheinland-Pfalz hat angekündigt, im neuen Schuljahr die Entwicklung eigener Digitalplattformen für den Unterricht voranzutreiben. Bis zum kommenden Jahr werde der "Schulcampus RLP" für alle Schulen als "digitale Arbeitsumgebung" für Lehrende wie für Schüler bereitgestellt. Außerdem soll in diesem Schuljahr das Open-Source-System "Big Blue Button" (BBB) für Videokonferenzen auf landeseigenen Servern verfügbar sein.

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