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Am 17. August beginnt in Rheinland-Pfalz das neue Schuljahr. Weil im Regelbetrieb aber wieder alle Schüler gleichzeitig in die Schulen kommen, ist an Abstand halten in den vollen Schulbussen nicht mehr zu denken.

Im aktuellen Hygieneplan des Bildungsministeriums ist genau geregelt, welche Vorsorgemaßnahmen die Schulen treffen müssen, um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden. So soll - wo möglich - ein Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden, außerhalb der Klassenzimmer herrscht Maskenpflicht. Die gilt nach der aktuellen Corona-Bekämpfungsordnung des Landes ebenfalls im öffentlichen Nahverkehr und damit auch in den Schulbussen. Doch dort lässt sich im morgendlichen Gedränge der Mindestabstand nur in den seltensten Fällen einhalten.

Kein Kind wird stehen gelassen

Für die Schülerbeförderung und die Umsetzung der Maßnahmen sind die Schulträger zuständig, also die Kreise und Städte. Deshalb stehe beispielsweise die Stadt Trier in ständigem Austausch mit den Busunternehmen, erklärt Pressereferent Michael Schmitz. Demnach hatte der Verkehrsverbund Region Trier (VRT) bereits im April 2020 einen Fragenkatalog herausgegeben. Diesem zufolge ist das Tragen von Alltagsmasken in Schulbussen Pflicht, die Einhaltung des Mindestabstandes sei jedoch nicht immer möglich. Die Regelungen sollen weiterhin gelten.

Wenn möglich, sollen sich die Kinder einzeln in die Bänke setzen und Abstand halten. Die Beförderung dürfen die Busfahrer bei Nichttragen einer Maske allerdings nicht verweigern. Der VRT stellt den Fahrern eine begrenzte Anzahl an Ersatzmasken, falls die Schüler ihre Mund-Nasen-Bedeckung vergessen haben. "Es wird kein Kind stehen gelassen", heißt es im Fragenkatalog, denn: "Die Pflicht zum Tragen einer Maske ist eine landesweite Verordnung und kann/darf nur von der Polizei oder/und dem Ordnungsamt durchgesetzt werden."

1,5 Meter Abstand in Schulbussen unrealistisch

Das Busunternehmen Krakau Reisen aus Bitburg ist mit 35 Fahrzeugen in den Kreisen Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg unterwegs. Geschäftsführer Detlef Krakau rechnet zwar nicht mit überfüllten Bussen, wenn wieder alle Schüler um 8 Uhr in die Schule kommen, aber "die 1,5 Meter Abstand sind auch so in Bussen in keinster Weise einzuhalten".

Bisher wurde seitens der Behörden die Auslastung der Busse nicht begrenzt. Eine solche Regelung hält Krakau auch für schwer umzusetzen: Wenn er nur noch 25 statt 50 Kinder im Bus transportieren dürfe, aber alle gleichzeitig in die Schulen kommen sollen, müsse er morgens einen zweiten Fahrer zur Verfügung haben. Aber "in unserer Region, eigentlich im ganzen Land, fehlen zehn bis 20 Prozent Fahrpersonal", gibt Krakau zu bedenken. "Wir selbst würden jetzt direkt noch zwei Fahrer mehr einstellen, aber es sind keine da. Die Unternehmen fahren jetzt schon auf der letzten Rille. Die einzige Möglichkeit wäre vielleicht ein Schichtbetrieb."

Damit meint er einen versetzten Unterrichtsbeginn der verschiedenen Klassenstufen, der zumindest das Problem mit dem mangelnden Fahrpersonal lösen könnte: "Dann ist der Bus um 8:15 Uhr mit seiner ersten Runde durch und kann danach die zweite Tour fahren", überlegt der Busunternehmer. "Aber so einen versetzten Schulanfang müssen andere Stellen regeln."

Schulbeginn zeitlich entzerren

Auch Jens Grützner, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Mainzer Mobilität, ist der Ansicht, dass die Abstandsregeln ohnehin nicht eingehalten werden könnten. Mehr Busse könne die Mainzer Mobilität aber nicht einsetzen, denn "morgens haben wir alles draußen, was fahren kann". Seitens der Mainzer Schulen bestehe jedoch bereits eine "Bereitschaft zur Entzerrung". Seit Beginn der Pandemie hätten mehrere Schulen ihre Anfangszeiten nach vorne oder hinten verlegt, das helfe "enorm".

Das bestätigt eine Pressesprecherin der Landeshauptstadt Mainz dem SWR: Mit der Mainzer Mobilität habe man Vorschläge erarbeitet, wie die Schulbeginnzeiten entzerrt werden können. "Diesen Vorschlägen sind für einen begrenzten Zeitraum bis zu den Herbstferien bereits viele Schulen gefolgt. Ergänzend finden auch Gespräche mit den Schulen statt, wo individuelle Lösungen erfolgen sollen." Außerdem führen in der Sommerzeit viele Schüler mit dem Fahrrad zur Schule. Es werde auch von einer Zunahme von "Elterntaxis" berichtet, so die Pressesprecherin.

Gedrängel in Schulbus (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Marijan Murat/dpa)
Gedrängel in Schulbus picture alliance/Marijan Murat/dpa

Der gestaffelte Schulstart, der in Mainz funktioniert, gestaltet sich im ländlichen Raum schwierig, so etwa im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Der Unterrichtsbeginn müsste hier "unter Berücksichtigung der topografisch bedingten langen Fahrtzeiten im Eifelkreis in einem sehr großen Zeitfenster gestaffelt werden", teilte die zuständige Kreisverwaltung dem SWR auf Nachfrage mit. "Dem dürften die Interessen der Schüler und vor allem der berufstätigen Eltern entgegenstehen."

Landeselternbeirat: Schülerbeförderung darf nicht "zur Nebensache werden"

Die Landesregierung hat mit Blick auf das neue Schuljahr angekündigt, dass sie - je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens - mit zwei Szenarien plant: Dem bisherigen Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporären Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch. "Wenn es zu einem Infektionsfall kommt, werden alle anderen in Quarantäne geschickt und es wird umfassend getestet - und die Schule im Zweifel temporär geschlossen", kündigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an. Das Vorgehen sei mit Gewerkschaften, Lehrerverbänden sowie Eltern- und Schülervertretern besprochen.

Vor dem Hintergrund, dass gerade die Schülerbeförderung hier zum Problem werden könnte, fordert Reiner Schladweiler, Sprecher des Landeselternbeirats Rheinland-Pfalz, dass ihr eine wichtigere Rolle zukommt. Sie dürfe nicht im ÖPNV untergehen und zur Nebensache werden. Für ihn ist klar: "Das Dicht an Dicht in Bus und Bahn muss endlich aufhören! Sonst ist das der Herd, der uns wieder weiter nach unten bringt."

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