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Schnelltests auf das Coronavirus sollen bald überall zu haben sein - und so auch mögliche Lockerungen von Alltagsbeschränkungen absichern. Wir beantworten hier alle wichtigen Fragen.

"Diese Testmöglichkeiten können ein zusätzlicher Faktor sein, Infektionen zu erkennen", sagt der Mainzer Virologe Bodo Plachter. Es gebe jedoch noch viele offene Fragen über die Wirksamkeit, die Anwendung und was etwa nach einem positiven Befund geschehe, der zuhause festgestellt würde.

"Ein solcher Schnelltest kann niemals die Sicherheit eines Labortests liefern."

Bodo Plachter, Professor für Virologie an der Uni Mainz.

Kurz zuvor hatte Bundesgesundheitsminster Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass neue Schnelltests und auch Laien-Schnelltests "schnellstmöglich geprüft und zugelassen" würden. Nach ARD-Informationen stoppte das Corona-Kabinett das Vorhaben vorerst - unter anderem, weil es noch Fragen zur Organisation gebe. Nun soll beim nächsten Bund-Länder-Treffen am 3. März darüber beraten werden.

Um welche Tests geht es konkret?

Um neu zugelassene Antigen-Schnelltests. Die Methode entspricht derjenigen der bisherigen Schnelltests: Anhand bestimmter Virusproteine wird über einen Teststreifen wie bei einem Schwangerschaftstest eine Infektion nachgewiesen. Dazu braucht es einen Abstrich aus der Nase oder Speichel.

Was ist dann das Neue?

Die bisherigen Schnelltests verlangen einen Abstrich mit einem langen Stäbchen tief in der Nase oder im Rachen. Für viele ist das unangenehm. Außerdem sollen diese Tests bislang von geschultem Personal gemacht werden. Bei den Selbsttests für den Heimgebrauch sind verschiedene Produkte im Gespräch, beispielsweise Gurgel- und Spucktests - die werden in Österreich schon eingesetzt - oder auch Tests, bei denen Abstriche in der Nase viel weiter vorn entnommen werden.

Und das ist dann auch aussagekräftig?

Die Berliner Charité hatte im Herbst zusammen mit der Uniklinik Heidelberg untersucht, wie sich rund 150 Corona-Verdachtspatienten beim Umgang mit einem noch nicht auf dem Markt erhältlichen Selbsttest samt Anleitung geschlagen haben. Der Tupfer musste im vorderen Nasenbereich in zwei bis drei Zentimetern Tiefe für 15 Sekunden in kreisenden Bewegungen an den Innenwänden der Nase entlanggeführt werden.

Beobachtet wurden laut Charité-Professor Frank Mockenhaupt nur minimale Unterschiede zwischen Selbsttest und Test mit tiefem Nasenabstrich durch einen Profi. Beim Selbsttest wurden laut der Studie 33 von 40 Infizierten erkannt, beim Einsatz von Fachpersonal waren es 34.

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Und was ist mit dem Spuck- und Gurgeltest?

Der wird etwa in Österreichs Hauptstadt Wien eingesetzt. Beschäftigte an Schulen und Kitas können den Test einmal pro Woche zuhause machen. Die Testkits werden über die Schulen und Kitas verteilt - die Proben werden dann abgeholt und im Labor untersucht. Die Teilnehmer bekommen das Ergebnis auf ihr Handy. Beim Gurgeltest wird mit einer speziellen Flüssigkeit eine halbe bis eine Minute gegurgelt, um Partikel aus dem Rachen zu lösen. Danach kommt alles in ein Proberöhrchen und die Probe wird untersucht.

In einer Pilotstudie im vergangenen Frühjahr mit mehr als 5.000 Schülern und Lehrern in Wien hatte das Gurgeln nach Angaben des Mikrobiologen und Studienleiters Michael Wagner von der Universität Wien vergleichbare Ergebnisse wie der Rachenabstrich geliefert.

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Welche Hürden gibt es in Deutschland noch?

Eigentests (auch Selbsttests genannt) - zum Beispiel auch Blutzuckertests für Diabetiker - müssen in Deutschland ein spezielles Prüfverfahren etwa mithilfe des TÜV oder der Dekra durchlaufen. Das soll garantieren, dass sie wirklich für jeden Laien leicht anwendbar sind. Das reicht von der Verständlichkeit der Verpackungsbeilage bis hin zu den Materialien. Außerdem muss "die Ergebnisqualität unter diesen Anwendungsbedingungen sichergestellt" sein, wie es vom Bundesgesundheitsministerium weiter heißt - also die Testergebnisse müssen aussagekräftig sein.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat inzwischen die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Tests zur Eigenanwendung durch Laien erteilt. Bei allen drei Tests würden die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen.

Wieviel Sicherheit könnten die Selbsttests geben?

Der Mainzer Virologe Plachter weist auch bei den herkömmlichen Schnelltests darauf hin, dass sie immer nur eine Momentaufnahme sein können und vor allem bei Menschen mit hoher "Viruslast" gut anschlagen. Ein negativer Test muss nicht heißen, dass man das Virus nicht schon in sich trägt. "Ein solcher Schnelltest kann niemals die Sicherheit eines Labortests liefern", so Plachter.

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Zudem müsse auf jeden positiven Test zu Hause ein sofortiger Anruf beim Hausarzt oder Gesundheitsamt erfolgen. "Denkbar ist auch, wie in Österreich, eine zentrale Telefonnummer, denn die Gesundkeitsämter sind ja schon jetzt überlastet", sagt Plachter.

Antigentests und Heimtests seien als zusätzliche Unterstützung der Corona-Verhaltensregeln zu sehen, aber nicht als Möglichkeit zum Freitesten und damit verbundene Lockerungen.

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