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Belastungen in der Corona-Krise fördern Schlafprobleme oder verstärken vorhandene Schlafstörungen. Eine Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Sieben Prozent der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer schlafen schlechter als vor der Pandemie.

Damit liegt das Land wenige Punkte unter dem Bundesschnitt von zehn Prozent. Die Zahlen für ganz Deutschland zeigen jedoch auch, dass besonders Befragte, die in der aktuellen Pandemiesituation häufig unter Stress stehen, schlechter schlafen. In dieser Gruppe ist jeder Vierte betroffen.

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Dieser Wert liegt auf Ebene der Bundesländer nicht vor, doch zeigt die TK-Umfrage, dass auch in Rheinland-Pfalz bei vielen Menschen ein gesteigertes Stressempfinden zu beobachten ist: So fühlten sich 32 Prozent der Befragten angesichts der Pandemie "sehr stark" oder "stark" belastet, weitere 59 Prozent "ein bisschen" mehr.

Je nach Studie sind es bis zu 60 Prozent, die einen schlechteren Schlaf haben und unter vermehrten Albträumen leiden.

Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster, bestätigt, dass in der Pandemie Schlafstörungen zugenommen haben, kennt aber Untersuchungen mit noch massiveren Zahlen: "Je nach Studie sind es bis zu 60 Prozent, die einen schlechteren Schlaf haben und unter vermehrten Albträumen leiden."

Die häufigste Ursache für schlechten Schlaf ist Stress. Dieser stellt sich laut Weeß derzeit in Form von Mehrbelastung durch Arbeitsverdichtung daheim, die Sorge um den Arbeitsplatz und die eigene Zukunft oder ständig neuen Corona-Hiobsbotschaften dar.

Fehlende körperliche Aktivität kann schlechten Schlaf verursachen

Laut seinem Kollegen Georg Nilius, Präsident des letzten Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zum Thema Schlaf in Pandemiezeiten, zeigen die bisher vorliegenden Studien zwei gegenläufige Trends. Einerseits könnten manche Menschen durch Lockdown und Homeoffice etwas später aufstehen, was ihrem natürlichen Schlafrhythmus entgegenkomme.

"Andererseits haben viele Menschen Angst und sind angesichts der Pandemie unruhig", so Nilius. Das führe zu einer schlechteren Schlafqualität. Als weitere Gründe für schlechten Schlaf würden depressive Verstimmungen und fehlende körperliche Aktivität untersucht.

Schlafmangel erhöht Anfälligkeit für Infektionen

Nilius sieht im Schlafmangel auch ein Risiko für Ansteckungen mit dem Coronavirus. Er sagt: "Schlafmangel erhöht die Anfälligkeit für Infektionen. Das wissen wir von anderen Viruserkrankungen. Möglicherweise ist er auch ein Risikofaktor für schwerere Erkrankungsverläufe."

Das spiele natürlich in der aktuellen SARS-CoV2-Pandemie eine Rolle. Denn es gebe Berufsgruppen, wie zum Beispiel Schichtarbeiter und im medizinischen Sektor Tätige, die häufiger an Schlafmangel litten und folglich anfälliger seien.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz sieht den Zusammenhang: "Inzwischen belegen zahlreiche Studien, dass Schlafmangel bereits nach wenigen Tagen eine erhöhte Infektanfälligkeit nach sich zieht und zudem die Ausschüttung von Stresshormonen begünstigt", bestätigt Andreas Bartels, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV.

Schlafen die Menschen in Rheinland-Pfalz schlechter als in anderen Ländern?

In einer weiteren Umfrage der TK beschrieben 62 Prozent der Befragten im Land ihre Schlafqualität als "sehr gut" oder "gut". Auf die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen sieben bis neun Stunden Schlaf brachte es allerdings nur gut die Hälfte der Menschen.

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Eine Analyse der Krankenkasse Barmer diagnostizierte vor der Pandemie bundesweit bei etwa 1,76 Millionen Menschen Schlafprobleme. Dabei zeigen sich jedoch große regionale Unterschiede: Vor allem im Westen und Süden liegen die Menschen nachts wach.

Gemessen an der Einwohnerzahl waren Schlafstörungen der Barmer zufolge am häufigsten im Saarland, in Bayern und in Rheinland-Pfalz zu beobachten. In diesen drei Bundesländern waren 29,8 beziehungsweise 24,7 und 24,5 Menschen je 1.000 Einwohner von unruhigem oder fehlendem Schlaf betroffen.

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