Der Nürburgring von oben aus der Luft gesehen (Foto: IMAGO, IMAGO / imagebroker)

Der Krieg in der Ukraine und der Nürburgring

Welche Rolle spielen zwei russische Oligarchen in RLP?

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Im Zuge des Kriegs in der Ukraine wurden gegen russische Oligarchen scharfe Sanktionen verhängt. Auch das Engagement russischer Unternehmer in RLP gerät nun in den Blickpunkt - das betrifft auch den Nürburgring.

Wenn von russischen Oligarchen die Rede ist, denkt man nicht unbedingt sofort an Rheinland-Pfalz. Jetzt aber sind zwei von ihnen direkt mit Rheinland-Pfalz in Verbindung gebracht worden, der Milliardär und Putin-Vertraute Boris Rotenberg und der russische Unternehmer Victor Kharitonin.

Dem russischen Pharmaunternehmer Kharitonin gehört mehrheitlich die Eifelrennstrecke Nürburgring - und zwar zu 99 Prozent. Das übrige Prozent des Rings hält laut einem Nürburgring-Sprecher die örtliche Motorsportfirma Getspeed.

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Die vor 95 Jahren in Betrieb genommene Eifel-Rennstrecke in staatlicher Hand war 2012 pleite und wurde daraufhin verkauft. Inzwischen floriert die Rennstrecke wieder. Letze Woche noch hatte ein Ring-Sprecher erklärt, gemeinsam mit Kharitonins Holding "stehen wir dafür, Menschen aus der ganzen Welt zusammenzubringen - fernab von Herkunft, Hautfarbe, Vorlieben oder Religion". Auch Russen und Ukrainer kämen zum Nürburgring.

Hat der Krieg Auswirkungen auf den Nürburgring?

Könnte der Krieg in der Ukraine also auch Einfluss auf den Nürburgring haben? Eine Frage, die in den letzten Tagen nicht nur die Menschen in der Eifel, sondern auch Rennsport-Fans beschäftigt hat.

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Zumindest die größte Konsequenz am Nürburgring, der Verkauf, scheint derzeit kein Thema zu sein: Kharitonins Holding teilte in einer Stellungnahme über den Nürburgring mit, dass der Verkauf von Anteilen am Nürburgring derzeit nicht geplant sei.

Ein Sprecher des Nürburgrings geht davon aus, dass der russische Unternehmer weiter in die Rennstrecke investieren wird. Das sichere unter anderem die Arbeitsplätze von rund 350 festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mehr als 1.000 Aushilfskräften am Nürburgring. Der Nürburgring gilt als Wirtschaftsmotor der Eifelregion.

Dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle liegen nach SWR-Recherchen bisher keine Informationen vor, dass es EU-Sanktionen gegen Kharitonin gibt. Auch die USA scheinen keine Strafmaßnahmen gegen den Russen verhängt zu haben: Die Suche in einer entsprechenden Datenbank des amerikanischen Finanzministeriums ergibt keine Treffer.

Weiterer Oligarch soll mit Wohnsitz in Trier gemeldet sein

Fündig wird man in der Datenbank aber beim Namen eines weiteren Oligarchen mit mutmaßlichen Beziehungen nach Rheinland-Pfalz: dem Milliardär Boris Romanowitsch Rotenberg. Nach einem Bericht des "Trierischen Volksfreund" ist der 65-Jährige unter anderem auch mit einem Wohnsitz in Trier gemeldet. Offiziell bestätigt sei dies aber nicht.

Boris Rotenberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Vladimir Trefilov)
Der russische Milliardär Boris Rotenberg soll mit einem Wohnsitz in Trier gemeldet sein. picture alliance/dpa | Vladimir Trefilov

Rotenberg soll zu einer der reichsten Familien in Russland gehören und ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin sein. Er ist wie Putin gebürtiger St. Petersburger und trainierte mit dem russischen Präsidenten im selben Judo-Verein. Geschätztes Vermögen des Rotenberg-Clans: knapp fünf Milliarden Euro.

Laut "Volksfreund" wird Rotenbergs Name häufiger mit einem anderen Investor aus der Region genannt. Die beiden Unternehmer wollten demnach dem nach mehreren Insolvenzen angeschlagenen niederländischen Sportwagenbauer Spyker wieder auf die Beine helfen. Zumindest habe das Anfang des Jahres die Fachzeitschrift "Auto Motor und Sport" berichtet.

Auch Thema im Innenausschuss des Landtags

Auch in der rheinland-pfälzischen Landespolitik ist der Einfluss der russischen Oligarchen längst ein Thema: Am 23. März soll das Thema im Innenausschuss des Mainzer Landtags diskutiert werden. Die CDU-Opposition will dazu die Landesregierung befragen. Dabei geht es neben dem Nürburgring auch um die Abhängigkeit von russischen Investitionen am Flughafen Hahn.

Die CDU-Fraktion möchte nach eigenen Angaben beispielsweise erfahren, welche Auswirkungen Moskaus Invasion auf die wirtschaftliche Situation des Airports haben könnte und wie groß das russische Engagement ist.

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SWR