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Es liegt was in der Luft: Die Flaute beim Neubau von Windrädern, die auslaufende Förderung für die ältesten Anlagen - unterm Strich könnte diese Entwicklung ein Minus bei der Stromerzeugung aus Windkraft bedeuten.

Ende dieses Jahres läuft für die ältesten Windräder die EEG-Förderung (Erneuerbare-Energien-Gesetz) aus. Das betrifft alle Anlagen, die im Jahr 2000 oder früher gebaut wurden. Das rheinland-pfälzische Energieministerium geht nach eigenen Angaben davon aus, dass im Land 115 Anlagen zum Jahresende aus der Förderung herausfallen werden.

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Der Bundesverband Windenergie (BWE) nennt eine höhere Zahl: "Für Rheinland-Pfalz schätzen wir, dass 150 bis 200 Anlagen auf einen Schlag betroffen sein werden", sagt Christoph Zipf, BWE-Pressesprecher. In ganz Deutschland gehe es um bis zu 4.000 Anlagen in 2021, bis 2025 dann jedes Jahr um rund 2.000 weitere.

Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz

1.758 Windkraftanlagen wurden Mitte 2019 in Rheinland-Pfalz gezählt. In ganz Deutschland waren es Ende 2018 mehr als 29.000 Anlagen an Land. Rheinland-Pfalz liegt mit seinem Bestand im Mittelfeld.

Die EEG-Umlage ist jeweils auf 20 Jahre angelegt und sollte für jede alternative Energie-Anlage feste Abnahmepreise sichern. Läuft die Umlage für eine Windkraftanlage aus, heißt das: Der Betreiber muss sich selbst um die Vermarktung kümmern, also seinen Strom an der Börse verkaufen.

Dann geht es um diese Fragen: Ist das Windrad noch sicher? Rechnet sich das Windrad überhaupt? Will sich der Betreiber selbst um den Verkauf mitsamt der daranhängenden Bürokratie kümmern? Und wenn das alte Windrad nicht mehr wirtschaftlich ist: Lohnt es sich, es durch ein neues zu ersetzen? "Das ist vor allem eine ökonomische Entscheidung der Altanlagenbesitzer", sagt Zipf.

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Technische Lebensdauer

Rein technisch sei der Weiterbetrieb meist unproblematisch. "Theoretisch können die Windräder meist noch zehn Jahre oder länger weiterlaufen, sofern es keinen Verschleiß gibt", sagt Zipf. Ein ausführliches Gutachten zur Sicherheit der Anlage ist nach 20 Jahren Pflicht.

Wirft das Windrad Gewinne ab?

Nach zwei Jahrzehnten seien die Anlagen abbezahlt. Ob sich ein Windrad rechnet, hänge dann nicht zuletzt auch vom Wind und damit vom Standort ab - dort, wo der Wind kräftig pustet, ist eine Anlage lukrativ. Der Weiterbetrieb ist entsprechend attraktiv - immer vorausgesetzt, der Betreiber will sich auch um den Stromverkauf an der Börse kümmern.

Aus alt mach' neu

Ist eine alte Anlage nicht mehr rentabel, kann auch ihr Ersatz durch eine modernere eine Alternative sein. Der Branchenverband Windenergie geht allerdings davon aus, dass nur etwa ein Drittel der Anlagen, die aus der Förderung fallen, repowering-fähig ist.

Der Standort der Altanlage muss beim Repowering erneut genehmigt werden, erklärt Zipf. "Eventuell ist aber die bislang genutzte Fläche nicht mehr als Standort vorgesehen oder sie erfüllt bestimmte Bedingungen nicht mehr." So könnten Artenschutz-Regeln greifen, die es vor 20 Jahren so noch nicht gab. Dann entfallen bisher genutzte Flächen als Standort.

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"Als Verband plädieren wir dafür, dass so viele Altanlagen wie möglich weiterlaufen oder an den vorhandenen Standorten modernere Anlagen aufgebaut werden", sagt Zipf. Das sieht die Landesregierung in Mainz ähnlich: "Ein Weiterbetrieb von Windenergieanlagen nach dem Ende der EEG-Vergütung ist sinnvoll und wird vom Energieministerium befürwortet."

Flaute beim Neubau

Während der Abbau von Altanlagen droht, ist zeitgleich der Aufbau neuer Windkraftanlagen in den letzten Jahren und insbesondere 2019 stark eingebrochen - in Deutschland genauso wie in Rheinland-Pfalz. Die Fachagentur "Windenergie an Land" spricht von einem bundesweiten 20-Jahres-Tief beim Neubau von Windrädern an Land.

In Rheinland-Pfalz wurden 2019 nur noch 35 (im ersten Halbjahr 15) neue Windkraftanlagen gebaut. Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2018 ergab sich 2019 einer vorläufigen Auswertung zufolge ein Minus bei der zugebauten Leistung von mehr als 53 Prozent. Deutschlandweit wurden 2019 laut "Windenergie an Land" 276 Anlagen in Betrieb genommen. Im Vergleich zum Vorjahr war dies mit Blick auf die Megawatt-Leistung ein Rückgang von mehr als 60 Prozent, im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ein Minus von 77 Prozent.

Was steht unterm Strich?

In anderen Bundesländern ist der Bau von neuen Anlagen so gut wie ganz eingeschlafen. In Hessen wurden letztes Jahr genau vier Anlagen gebaut, im Saarland zwei.

Wenn die Windenergie keinen neuen Auftrieb bekommt, würde das ab 2021 unterm Strich ein Minus an Energie bedeuten, die von Windrädern geliefert wird. "Es ist denkbar, dass die Branche netto in einen Rückbau kommt", sagt Verbandssprecher Zipf.

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Für das Ziel der rheinland-pfälzischen Landesregierung, das Land bis 2050 weitgehend klimaneutral zu gestalten, ist die Entwicklung kontraproduktiv. Entsprechendes gilt für die Klimaziele der Bundesregierung bis 2050. Das Land sieht die Verantwortung für die Entwicklung beim Bund. Für viele Diskussionen sorgt insbesondere die Abstandsregelung. Sie führt auch zu viel Widerstand gegen neue Windräder in der Bevölkerung.

Windräder drehen sich auf einer Anhöhe bei Alzey schnell im Wind (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa)
Ohne Wind dreht sich nichts picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa

"Wir können es uns mit Blick auf die Klimaziele nicht erlauben, Jahre zu haben, in denen wir netto weniger grüne Energie zusteuern als in Vorjahren", sagt Pressesprecher Zipf vom Bundesverband Windenergie. Windkraftanlagen brauchen ordentlich Wind. Aber aus der richtigen Richtung muss er kommen.

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