Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Paul Kagame, Präsident von Ruanda stehen vor einem Eingang und gucken Richtung Kamera (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Ruanda-Reise der Ministerpräsidentin

Wie die Biotechnologie RLP und Ruanda näher zusammenbringt

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Andreas Heerwig

Ruanda und Rheinland-Pfalz feiern 40 Jahre Partnerschaft. Ministerpräsidentin Dreyer stattet dem Land deshalb einen Besuch ab. Ein wichtiges Thema wird die Biotechnologie sein.

Vieles deutet darauf hin, dass mit der Reise von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) eine weitere Ebene der Partnerschaft zwischen Ruanda und Rheinland-Pfalz erreicht wird. Es geht vor allem um den Bereich der Biotechnologie.

BioNTech löst Boom in Rheinland-Pfalz aus

Nur wenige Jahre ist es her, seit sich das Mainzer Unternehmen BioNTech mit der neuen mRNA-Technologie und der Herstellung des Covid-19-Impfstoffs quasi an die Weltspitze katapultierte.

In Mainz hat das zu einem regelrechten Biotechnologieboom mit neuen Gewerbeflächen für weitere Unternehmen geführt - nicht nur aus der Pharma- und der Gesundheitsbranche. Der Boom gibt auch den Hochschulen im Land viel Schwung. Das ist wichtig, denn der Personalbedarf in der Branche ist groß.  

BioNTech investiert in Ruanda  

Auch das rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda hofft, von den Chancen der Biotechnologie zu profitieren. In der Hauptstadt Kigali blicken viele voller Hoffnung auf eine Großbaustelle. Dort entsteht eine BioNtech-Produktionsstätte für Impfstoffe. Es geht nicht nur um die Eindämmung der weltweiten Corona-Pandemie in Afrika. Der Konzern hat beispielsweise längerfristig auch die Bekämpfung der Malaria im Blick.

Gebaut wird auf einem rund 30.000 Quadratmeter großen Gelände. Den Kernbereich der Unternehmensansiedlung sollen sechs Container bilden - jeweils zwölf Meter lang - in denen der Impfstoff hergestellt wird. BioNTech nennt diese volleingerichteten Module "BioNTainer". Mit dem modularen System soll die Impfstoffproduktion mobiler werden.

Ein "BioNTainer" steht in einer Halle. Es handelt sich dabei um einen aus mehreren Einzelcontainern zusammengesetzten Container. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)
Die "BioNTainer" sollen in Afrika eingesetzt werden, um damit vor Ort mRNA-Impfstoffe zu produzieren

Afrika will deutlich mehr Impfstoffe produzieren

Schon im nächsten Jahr will BioNTech in Kigali Impfstoff abfüllen. Die Rede ist von bis zu 50 Millionen Dosen im Jahr. Weitere afrikanische Standorte sind in Planung.

In Ruanda gelten nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums inzwischen fast 70 Prozent der Einwohner als doppelt geimpft. Schaut man auf den gesamten Kontinent, ist der Bedarf an Covid-19-Impfstoff noch sehr groß, die Impfquote in den meisten Ländern bislang noch immer sehr niedrig. Hinzu kommt, dass die Afrikanische Union sich zum Ziel gesetzt hat, dass bis zum Jahr 2040 60 Prozent der Impfstoffe auf dem afrikanischen Kontinent hergestellt werden sollen.

Vor-Ort-Informationen für die Delegation aus Rheinland-Pfalz

Die Delegation aus Rheinland-Pfalz unter Führung von Malu Dreyer soll am Sonntag in Kigali von BioNTech über den Stand des Projektes informiert werden. Es ist nicht das erste Mal, dass die Landesregierung sich mit dem Bau der Produktionsanlage befasst.

So gab es unter anderem Anfang des Jahres ein Treffen zwischen Dreyer und dem ruandischen Staatschef Paul Kagame in der Staatskanzlei. Kagame besprach das Vorhaben Ruandas auch bei der EU in Brüssel und war zusammen mit Vertretern aus Ghana und dem Senegal bei der Vorstellung der "BioNTainer"-Module im Marburger BioNTech-Werk.  

Scholz per Videoschalte beim Spatenstich dabei

Das Tempo des Projekts in Kigali ist rasant. Ende Juni nahmen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen per Videoschalte am ersten Spatenstich für die Produktionsanlage teil. Auf dem Produktionsgelände waren neben dem ruandischen Regierungschef Kagame auch der Präsident der WHO und BioNTech-Gründer Ugur Sahin dabei.

Sahin machte deutlich, dass es dem Unternehmen nicht nur um den Zugang der Staaten zu in Afrika produzierten Impfstoffen gehe, sondern auch um das Thema Ausbildung: "Das Ziel, das wir gemeinsam mit Regierungen und Zulassungsbehörden verfolgen, ist es, hier mit hochqualifizierten Fachkräften aus Afrika Impfstoffe für Afrika herzustellen."

Enge Zusammenarbeit bei Biotechnologie gewollt

Und genau am Punkt Qualifizierung im Bereich Biotechnologie setzt auch eine neue Vereinbarung zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda an, die während Dreyers Delegationsreise Formen annehmen soll.

Geplant ist nämlich eine enge Zusammenarbeit Ruandas mit der Biotechnologie-Akademie Rheinland-Pfalz.

Die Akademie gibt es seit dem Sommer. Sie hat die Aufgabe, die Aus- und Weiterbildung in den rheinland-pfälzischen Biotechnologieregionen voranzubringen. Zuständig für den Aufbau der Akademie ist die Präsidentin der Technischen Hochschule Bingen, Professorin Anja Krause. Sie gehört zur rheinland-pfälzischen Delegation, die jetzt nach Ruanda reist.

Die Reise markiert also nicht nur das 40. Jubiläum der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda, sondern könnte auch ein neues Kapitel mit einer intensiven Kooperation in einem der derzeit wichtigsten technologischen Bereiche eröffnen: der Biotechnologie.

Buchkritik Gerd Hankel - Das Dilemma. Entwicklungshilfe in Afrika. Ein Erfahrungsbericht

"Das Dilemma" liefert - eher anekdotisch und konzentriert auf Ruanda und den Ostkongo - Material über die tiefen Gräben zwischen den Helfenden aus dem Norden und den Hilfe Empfangenden aus dem Süden. Rezension von Gaby Mayr. Zu Klampen Verlag ISBN 978-3-866-74607-7 150 Seiten 16 Euro

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