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Die Priorisierung für die Corona-Impfung wurde in Rheinland-Pfalz am 7. Juni aufgehoben. Aber die Wartelisten sind schon jetzt lang. Was bedeutet das für alle Impfwilligen?

Seit 7. Juni kann sich jeder impfen lassen. Damit steht jedem Impfwilligen ein Angebot zu, das sich nicht auf Kriterien wie das Alter, Vorerkrankungen oder der Ausübung bestimmter Berufe beschränkt. Aber die Impftermine sind nicht leicht zu bekommen. Und: Ist derzeit überhaupt genügend Impfstoff vorhanden und lieferbar? Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was sollten Angehörige der Priogruppen jetzt tun?

Bereits eine Woche vor Aufhebung der Impfpriorisierung appellierte der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) an alle Impfwilligen, sich möglichst schnell um einen Termin zu bemühen. Und das auch bei niedergelassenen Ärzten: Diese bekämen in den kommenden Wochen deutlich mehr Impfstoff als die Impfzentren, für die das Land die Termine vergebe, sagte Hoch am Dienstag.

Das bestätigte auch der Impfkoordinator des Landes, Daniel Stich (SPD), dem SWR: Er rechne mit einem Gefühl der Unsicherheit bei denjenigen, die schon sehr lange registriert seien. "Wir haben in der Priogruppe 3 noch ungefähr 400.000 Menschen und die werden vielleicht die Befürchtung haben, dass sie dann nach dem 7. Juni nicht mehr mit Priorität zum Zuge kommen." Doch die Priorisierung gelte auch nach dem 7. Juni. Erst, wenn die Angehörigen dieser Gruppe dann auch einen Termin erhalten habe, seien die nach diesem Tag Registrierten an der Reihe.

Wie viele Impfdosen gibt es wöchentlich für Rheinland-Pfalz?

Wöchentlich stehen für Rheinland-Pfalz derzeit über 120.000 Impfdosen für die Impfzentren zur Verfügung. In der zweiten Juni-Woche, sind es nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 121.650. 62 Prozent davon entfallen auf den Wirkstoff von Biontech, 25 Prozent auf den von Moderna und die restlichen 13 Prozent auf den Wirkstoff von Astrazeneca. Die Verteilung der Impfdosen an andere berechtigte Ärzte wie Hausärzte ist darin noch nicht enthalten: Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, dass 2,25 Millionen Dosen des gelieferten Impfstoffs pro Woche in den Impfzentren verimpft werden. Was darüber hinaus geliefert wird, geht an die Arztpraxen - deutschlandweit sind das in den ersten beiden Juniwochen über 6,6 Millionen Dosen.

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Grundsätzlich werden Impfstoffdosen gemäß Bevölkerungsschlüssel verteilt. Der Bund hat laut Landesimpfkoordinator Stich angekündigt, dass allein im Juni 1,5 Millionen zusätzliche Impfstoffdosen nach Rheinland-Pfalz gelangen sollen. Nach Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 19. März 2021 erhielten einige besonders von Mutationen betroffene Bundesländer Zusatzlieferungen - dazu zählt auch Rheinland-Pfalz. Das beeinflusst wiederum den Anteil der gelieferten Dosen sowie die Impfquoten der Länder.

Vier Wege führen zum Impftermin

Um an einen Termin für die Impfung gegen Corona zu kommen, gibt es in Rheinland-Pfalz verschiedene Optionen.

  1. Über die Hotline 0800-5758100 werden Impfberechtigte mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin der Zentren verbunden.
  2. Wer nicht in der Warteschleife hängen möchte, kann seinen Corona-Impftermin auch online über die Homepage impftermin.rlp.de buchen.
  3. Daneben gibt es noch die Option, sich über den eigenen Hausarzt oder die eigene Hausärztin bzw. niedergelassene Fachärzte, die eine Impfung anbieten, impfen zu lassen.
  4. Außerdem soll ab Juni auch verstärkt in den Betrieben geimpft werden. Im Rahmen von Modellprojekten wurde bereits vor Juni in einigen Betrieben geimpft.

Landesimpfkoordinator Stich bittet im Gespräch mit dem SWR Impfwillige darum, sich vor allem online für die Impfzentren zu registrieren: "Ich glaube, dass der Anteil derjenigen, die sich digital registrieren lassen werden, aufgrund der Altersgruppen jetzt höher sein wird, als das vielleicht bei den Priogruppen 1 und 2 der Fall war. Deswegen haben wir ein sehr großes Augenmerk darauf, dass uns die Serverkapazität ausreicht."

Wieso muss ich eventuell lange warten?

Ob via Hotline oder online, oftmals werden Impfwillige darauf hingewiesen, dass keine Termine für die Impfung verfügbar sind oder sie sich auf längere Wartezeiten einstellen müssen. Bei den Impfzentren wird als Grund angegeben, dass es zu wenig Impfstoff gibt, um weitere Termine zur Verfügung zu stellen. Innenminister Roger Lewentz (SPD) bittet um Verständnis: Beim nun erwarteten "Run" auf die Impfzentren sei zu beachten, dass nur das verimpft werden könne, was der Bund dem Land zuteile.

Weil die Impfstofflieferungen für Deutschland in Zukunft steigen, erhalten die Impfzentren aber nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums mehr Impfdosen: So sollen, vorbehaltlich der Einhaltung der Lieferprognosen durch die Hersteller, in der letzten Juni-Woche über 140.000 Impfstoffdosen - also 20.000 mehr als zu Beginn des Monats - an die rheinland-pfälzischen Impfzentren gehen.

Komme ich beim Hausarzt schneller zur Impfung?

Nach dem Ergebnis des letzten Impfgipfels sollen nun auch Kindern und Jugendlichen Impfangebote gemacht werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfielt die Impfung ab 12 allerdings nur für vorerkrankte Kinder und Jugendliche.

Doch ohne zusätzliche Impfdosen drohen die schon jetzt gut gefüllten Wartelisten der Hausärzte noch länger zu werden. Zuletzt häuften sich Meldungen, dass in Hausarztpraxen die Lieferungen oft nicht im versprochenen Umfang ankamen.

Auch Klaus Korte, Mitglied im Vorstand des Hausärzteverbands Rheinland-Pfalz, berichtet dem SWR, dass es einen "erheblichen Rückstau" für den begehrten Impfstoff von Biontech gebe. In seiner Praxis stünden zu Beginn des Junis 600 Patienten für diesen auf der Liste. "Die versprochenen Mengen müssen jetzt kommen. Wir warten seit Dezember darauf."

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Hinzu kommen die bürokratischen Hürden und der organisatorische Arbeitsaufwand für die Zu- und Absagen der Termine. Eine seiner Medizischen Fachangestellten (MFA) kümmere sich tagtäglich um die Organisation, so der Hausarzt aus Ahrbrück: "Das Telefon steht nicht still." Es gebe viele Diskussionen, wenn gleich die meisten Patienten freundlich seien. "Aber es gibt schlimme Auswüchse - das zieht sich durch alle Praxen." Außerdem komme es auch vor, dass Patienten trotz Absprache nicht zur Impfung erscheinen. Aber aus seiner Praxis kann Korte berichten: "Bei mittlerweile 750 durchgeführten Impfungen wurde keine einzige verworfen." Die MFA leisteten "Phantastisches".

Wie kann ich spontan an unverimpfte Restdosen gelangen?

Die Impfbrücke ist eine Webanwendung für Impfstellen, also Impfzentren, niedergelassene Ärzte und Unternehmen mit betriebsärztlichen Impfstraßen, die es erlaubt, unkompliziert und kurzfristig Impfwillige per SMS zu mobilisieren. Derzeit nutzen 37 Impfstellen in Deutschland diese Möglichkeit, in Rheinland-Pfalz sind es die Impfzentren in Ludwigshafen und in Trier. Unabhängig davon hat der Landkreis Vulkaneifel eine eigene Impfbrücke eingerichtet.

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