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Der rheinland-pfälzische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) droht der Landesregierung mit einer Klage, wenn sie nicht auf die angekündigte Schließung von Bars und Restaurants verzichtet. Auch aus Kultur- und Freizeiteinrichtungen kommt scharfe Kritik an den Beschränkungen.

Dehoga-Präsident Gereon Haumann sagte, er erwarte von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), auf die angekündigte Schließung des Gastgewerbes zu verzichten. Sonst werde der Verband den Klageweg bestreiten. Dem Gastgewerbe drohe mit dem erneuten Lockdown der Kollaps. Schon jetzt seien 60 Prozent der Dehoga-Betriebe im Land existenziell bedroht. Das habe verheerende Folgen für die Arbeitnehmer und die Tourismuswirtschaft in Rheinland-Pfalz. Die beabsichtigte Schließung sei kontraproduktiv, weil sich die Treffen dann auf die privaten Haushalte verlagerten, so Haumann.

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Am Mittwoch hatten sich Bund und Länder auf drastische Beschränkungen im öffentlichen Leben ab dem 2. November geeinigt. So sollen Bars und Restaurants bis Ende November schließen, auch Kinos, Fitnesstudios und Theater bleiben zu.

Protestschreiben vom Mainzer Theater

Aus den Reihen der Betroffenen in Rheinland-Pfalz gibt es an diesem Beschluss harsche Kritik. So teilte das Staatstheater in Mainz am Mittwochabend mit, dass man diese Entscheidung, anders als im Frühjahr, nun nicht mehr mittrage. Es sei eine sinnlose Maßnahme, schreibt die Theaterleitung. Man sei sich der Verantwortung bewusst, mit höchster Ernsthaftigkeit und Wachsamkeit die Besucher sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen. Aber es gebe auch die Verantwortung, den Diskurs in der Gesellschaft zu ermöglichen und mitzugestalten. Nachgewiesenermaßen habe sich niemand in einem Theater- oder Opernhaus mit Covid-19 angesteckt. "Darum werden wir auch nicht mit virtuellen Formaten im Internet den analogen Phantomschmerz mildern", heißt es in einem Protestbrief.

Kinobetreiber warnen vor "katastrophalen Folgen"

Auch Kinobetreiber in Rheinland-Pfalz warnten vor "katastrophalen Folgen" bei einer Schließung, die außerdem unnötig sei. Bisher habe es keine Infektionen in Kinos gegeben. "Es gibt kaum einen sichereren Ort als ein Kino", so Sabine Weiler, Geschäftsführerin des Kinos in Neuwied. Das seien große Häuser mit entsprechender Belüftung. Der Abstand sei geregelt. Man sei fassungslos, hieß es auch beim Hauptverband Deutscher Filmtheater. Durch Hygienekonzepte habe man große Verantwortung übernommen, doch das nütze nun nichts.

Der Mainzer Kabarettist Tobias Mann postete einen an die "politischen Entscheider" gerichteten Offenen Brief auf Facebook. Darin heißt es: "Helfen Sie der Kultur- und Veranstaltungsbranche! Jetzt! Sonst werden wir in ein paar Monaten kulturell ein ärmeres Land sein. Vieles von dem, was dann verschwindet, wird nicht wiederkommen."

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