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Die Entscheidung des Vatikan, die Segnung homosexueller Paare zu verbieten, sorgt in Rheinland-Pfalz für Proteste. Die Vatikanische Glaubenskongregation hatte erklärt, solche Verbindungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen.

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Sowohl Laienorganisationen als auch Würdenträger reagierten fassungslos. So erklärte die "katholische Arbeitnehmerbewegung" im Bistum Trier, die Katholische Kirche habe sich damit wieder schweren Schaden zugefügt. Es sei unchristlich und diskriminierend, homosexuelle Menschen als defizitär zu betrachten.

Auch der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg teilt das "Unverständnis bis hin zum Entsetzen" vieler anderer Gläubiger. Den grundlegenden Auftrag aller in der Kirche sehe er darin, sich der Bedürfnisse der Menschen im jeweiligen Umfeld und unabhängig von ihrer konkreten Lebenssituation anzunehmen. Der Schaden, der mit dieser Intervention aus dem Vatikan nun verursacht werde, sei enorm: "Ich kann allerlei Dinge segnen - aber zwei Menschen, die sich in Liebe und Treue verbunden wissen, die die Höhen und Tiefen eines gemeinsamen Lebens miteinander teilen wollen, soll ich nicht segnen können?"

Ulrich von Plettenberg (Generalvikar Bistum Trier) (Foto: SWR)
Ulrich Graf von Plettenberg (Generalvikar Bistum Trier)

Empörung in Speyer und Worms

Ähnlich argumentiert der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm. Er erklärte, er habe Wohnungen, Autos und Fahrstühle gesegnet, da werde er wohl auch Paare, die sich lieben, segnen dürfen. Er sei "schockiert und fassungslos" von der Stellungnahme.

Der Wormser Domprobst Tobias Schäfer erklärte in einem Video, er werde sich von niemandem verbieten lassen, Gottes Segen jedem zu spenden, der ihn erbitte. Wenn sich die Kirche zur Wächterin über den Segen Gottes mache, sei sie nicht länger Segen für diese Welt, so der Wormser Domprobst in einem Video am Dienstag:

Das vom Vatikan verkündete kategorische Verbot, homosexuelle Paare zu segnen, stößt bei Vertretern der katholischen Kirche in Deutschland auf Kritik. Besonders beim Wormser Domprobst Tobias Schaefer. Er sagt: "Die Stellungnahme aus Rom macht mich fassungslos. Was für eine Hybris zu glauben, wir müssten den Segen Gottes schützen, damit er ja nicht die 'falschen' erreicht."


"Wenn die Kirche keine Vollmacht mehr hat, zu segnen, wer immer sich nach dem Segen Gottes sehnt: Hat sie da nicht ihre ureigenste Aufgabe aufgegeben?", erläutert Schäfer. Er segne allerdings die beiden Menschen, nicht die gleichgeschlechtliche Partnerschaft als solche, konkretisierte er am Mittwoch.

Kohlgraf äußert sich diplomatisch

"Ich nehme wahr, wie viele gläubige Menschen dadurch enttäuscht und verletzt sind, keineswegs nur unmittelbar Betroffene. Ich nehme dies sehr ernst", schreibt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Kohlgraf hatte schon Anfang Februar in der Mainzer Kirchenzeitung "Glauben und Leben" angeregt, die katholische Kirche sollte Homosexualität neu bewerten. Es gebe bereits viele Segensfeiern für homosexuelle Paare, so der Bischof in dem Beitrag. Diese verstießen zwar häufig "gegen die kirchliche Ordnung", doch es erscheine ihm "wenig sinnvoll", hier einzuschreiten. Die Kirche könne Erkenntnisse der Wissenschaften nicht ignorieren, so Kohlgraf.

Vatikanpapier zu Segnung homosexueller Paare

Die Vatikanische Glaubenskongregation hatte am Montag erklärt, die katholische Kirche habe keine Vollmacht, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Zwar sei bei solchen Initiativen "der aufrichtige Wille" zu erkennen, "homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten", heißt es in dem Papier. Da aber die Verbindungen von homosexuellen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprächen, könnten sie nicht gesegnet werden.

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