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Seit Beginn des neuen Schuljahres sind an mehreren Schulen in Rheinland-Pfalz Corona-Fälle gemeldet worden. Interessenverbände fordern nun, man müsse dringend dafür sorgen, dass der Mindestabstand an Schulen eingehalten werden kann.

Das neue Schuljahr in Rheinland-Pfalz ist erst eine Woche alt. Doch viele Klassen wurden aufgrund von Corona-Fällen bereits wieder nach Hause geschickt. Schulen in Trier, Koblenz, Montabaur, den Kreisen Alzey-Worms und Mainz-Bingen sind betroffen.

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Man habe befürchtet, dass es so kommt, sagte Klaus-Peter Hammer, der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz, dem SWR. "Wir hätten uns einen möglichst normalen Schulbetrieb gewünscht."

In Anbetracht der steigenden Fallzahlen im Land und der Reiserückkehrer findet es Hammer aber nicht verwunderlich, dass Corona an den Schulen ankommt. Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen mahnt er zu Disziplin: "Wir merken, dass wir noch vorsichtiger sein müssen." Das gelte auch im Privaten außerhalb der Schule.

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Kommt die Maskenpflicht im Klassenzimmer doch noch?

Auch der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Reiner Schladweiler, ist nicht überrascht. "Ich habe das vorhergesagt. Wenn die Leute in den Urlaub fahren, bringen sie Andenken mit. Diesmal sind es negative Andenken". Er befürchtet, dass sich das Virus in der nächsten Woche weiter ausbreiten wird. Spätestens dann werde das Land reagieren, vielleicht mit einer Maskenpflicht im Klassenzimmer, vermutet Schladweiler.

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Auch im Klassenzimmer Abstand halten, kleine Lerngruppen und richtige Lüftung seien ausschlaggebend, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten. Das sagt Cornelia Schwartz, Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, der Interessenvertretung der Gymnasiallehrer. Es bereite Schulen allerdings Probleme, diese Schutzmaßnahmen auch umzusetzen.

Nicht alle Klassenzimmer können richtig gelüftet werden

Das finge bei der richtigen Lüftung an. Im Hygieneplan des Landes ist vorgegeben, dass mindestens alle 20 Minuten im Klassenzimmer stoßgelüftet werden soll. Viel zu wenig, sagt Schwartz. Jetzt im Sommer könnten die Fenster noch geöffnet bleiben. Im Herbst und Winter sei das aufgrund der niedrigen Temperaturen nicht mehr möglich. Die Schulen bräuchten deshalb Lüftungsgeräte.

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Hinzu komme, dass sich in manchen Klassenzimmern nicht einmal die Fenster richtig öffnen ließen, sodass ein natürliches Lüften überhaupt nicht möglich sei, sagt Hammer von der GEW. Da müsse man über bauliche Maßnahmen nachdenken.

Schwartz: Schüler sitzen "Ellenbogen an Ellenbogen"

Der Mindestabstand ließe sich jetzt, wo im Regelbetrieb wieder alle Schüler präsent sind, oft ebenfalls nicht umsetzen, findet Schwartz vom Philologenverband. Laut des aktuellen Hygieneplans ist grundsätzlich ein Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. Wenn es für den Unterrichtsbetrieb zwingend erforderlich sei, dürfe davon abgewichen werden. Dann müsse der maximal mögliche Abstand eingehalten werden.

"Wir wären gerne vorsichtiger in den Schulbetrieb gestartet."

Cornelia Schwartz, Vorsitzende des Philologenverbands Rheinland-Pfalz

In der Realität sitzen Schüler in den Klassenräumen nun oft "Ellenbogen an Ellenbogen", so Schwartz. "Wir wären in den ersten Wochen gerne vorsichtiger in den Schulbetrieb gestartet, bis klar ist, wer aus dem Urlaub möglicherweise das Virus mitbringt." Es sei damit zu rechnen gewesen, dass direkt nach den Ferien erste Corona-Fälle an den Schulen auftauchen. Schwartz sagt, sie hoffe, dass es nun nicht zu schlimmen Ausbrüchen kommen werde, weil die Schüler gleich nach den Ferien so eng beieinander sitzen.

Schüler fühlen sich im Klassenzimmer nicht geschützt

Die 16-jährige Lena aus Koblenz beschreibt das so: "Alle sind so nah beisammen. Da denkt man sich: Ich will ein bisschen Abstand." Und der 14-jährige Max-Ole sagt: "Dass mit den Abstandsregeln funktioniert einfach nicht, denn wir sind 30 Kinder in einer Klasse. Wir haben auch keinen Mundschutz an. Die Lehrer und die Kinder sind untereinander gar nicht geschützt."

"Der Mindestabstand ist ein großes Problem", beklagt Elternvertreter Schladweiler. Man brauche eine Entzerrung der Schüler. Man könne zusätzliche Räume anmieten, Container aufstellen, mehr Personal bereitstellen. In Schulen, in denen alle Klassenräume zu klein sind, um einen Mindestabstand zu gewährleisten, sollte man auch darüber nachdenken, zumindest einen Teil der Kinder im virtuellen Klassenzimmer zu Hause zu unterrichten.

In Schulbussen kann Mindestabstand oft nicht eingehalten werden

Und noch ein weiteres Problem ist mit dem Start des Regelbetriebs deutlich geworden, sagt der Philologenverband: der Schulbus. Manche Schüler setzten sich ohne Mund-Nasen-Schutz in den Bus, weil sie nicht verstünden, dass sie dort einen aufziehen müssen und im Unterricht, wo sie genauso dicht nebeneinander sitzen, nicht, sagt Schwartz. Natürlich habe man im Bus eine Durchmischung der Schüler, die man im Klassenverband nicht habe, räumt die Lehrerin ein. Das sei den Schülern aber vielleicht nicht klar.

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Die Busse sind außerdem oft überfüllt. Das erzählt zum Beispiel die 13-jährige Schülerin Sofia Lenz aus Bendorf (Kreis Mayen-Koblenz) nach ihrem ersten Schultag: "Der Bus war voll wie immer. Es mussten auch Leute stehen. Meine Meinung ist, dass es alles ein bisschen zu eng ist. Ein zusätzlicher Bus würde alles schon sehr erleichtern, dass dann auch alle sitzen und Abstand halten können".

Flexible Schulzeiten könnten Lösung für Busproblem sein

Einige Busbetreiber suchen nach Lösungen. Die Stadtwerke Pirmasens prüfen, ob man die Fahrzeiten einiger Busverbindungen ändern könne, damit morgens und mittags mehr Busse für den Schülertransport zur Verfügung stünden. Außerdem fordert der Busbetreiber andere Fahrgäste auf, nicht zu den Stoßzeiten des Schülertransports Bus zu fahren.

Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) wünscht sich von den Schulen flexible Anfangszeiten, damit nicht alle Schüler gleichzeitig fahren müssten. Im Kreis Bad Kreuznach ist nach Angaben der Verwaltung vereinzelt Schülern aus Platzgründen sogar der Zutritt zu Bussen verweigert worden.

Land sichert weitere Schulbusse zu

Die Landesregierung reagierte am Donnerstag auf die Forderungen von Kommunen und Eltern und sicherte zusätzliche Busse zu. Über eine zentrale Busbörse sollen die landesweit zur Verfügung stehenden Busse dort eingesetzt werden, wo es nötig sei, kündigten Staatskanzlei und Verkehrsministerium an. Bis zu 250 Busse werde das Land mit bis zu 90 Prozent finanzieren.

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