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Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz, die an psychischen Erkrankungen leiden, ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Die Gründe sind vielfältig.

In Rheinland-Pfalz sind im vergangenen Jahr fast 28 Prozent der Kinder und Jugendlichen wegen psychischer Erkrankungen und Störungen behandelt worden. Das waren etwa zwölf Prozent mehr als 2009, wie aus einem Sprechvermerk von Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) im Familienausschuss hervorgeht.

2009 waren es rund 163.000 Minderjährige - und damit fast jeder vierte. Die Zahlen stammen von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

Viele Störungen gut behandelbar

Die meisten Diagnosen betrafen Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache (fast 22 Prozent), gefolgt von hyperkinetischen Störungen wie ADHS (12 Prozent), anderen Verhaltens- und emotionalen Störungen sowie Entwicklungsstörungen der Motorik. Viele Störungen seien vorübergehend und gut behandelbar wie etwa das Lispeln oder eine Rechtschreibschwäche.

Ursachen sind der Ministerin zufolge meist mehrere Faktoren. Einen großen Einfluss hätten ein ungünstiges Familienklima, Krankheiten der Eltern, ein niedriger sozioökonomischer Status sowie belastende Lebensereignisse.

Höhere Akzeptanz

"Die Leute sind nicht kränker als früher", sagte die Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer, Sabine Maur. Sie suchten vielmehr eher Hilfe und die Krankheiten würden besser diagnostiziert. Die Akzeptanz für die Diagnose einer psychischen Erkrankung sei gestiegen, so Maur. Daher gebe es auch mehr Diagnosen. Zudem seien die Hausärzte sensibler geworden, die meist den ersten Hinweis auf eine Störung oder Erkrankung gäben.

Dessen ungeachtet seien die Wartezeiten für Kinder und Jugendliche inakzeptabel lang. Auf ein Erstgespräch müssten Familien in Rheinland-Pfalz im Schnitt sieben Wochen warten; einen Therapie-Platz bekämen sie erst nach 22 Wochen.

Hoffnung auf mehr Psychotherapeuten

Die KV macht Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation: Nach der Bedarfsreform vom Sommer gebe es noch 52 freie Sitze für Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz. 20 Prozent davon sollen Kinder- und Jugendlichentherapeuten sein, erläuterte KV-Sprecher Rainer Saurwein. Aufgrund dieser Mindestquote könnten sich derzeit sogar noch 5,5 Kinder- und Jugendlichentherapeuten in Regionen niederlassen, die sonst schon für Therapeuten gesperrt seien. Maur ist jedoch skeptisch, ob der ländliche Raum ausreichend profitiert.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

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