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Zum 1. Januar erhöhen viele Gas- und Stromanbieter ihre Preise deutlich. Verbraucher haben aber bis zum Schluss die Möglichkeit, die Verträge zu kündigen, betont die Verbraucherzentrale.

130 Euro müssen Gaskunden in Neuwied mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden beim Grundversorger 2021 mehr bezahlen. Denn dieser erhöht seine Preise um neun Prozent. Damit ist er Spitzenreiter in Rheinland-Pfalz. Aber auch 16 weitere der 41 Grundversorger im Land erhöhen ihre Preise - im Schnitt um 7,5 Prozent. Das hat das Vergleichsportal Verivox zusammengetragen.

Verbraucherzentrale sorgt sich um deutliche Preissteigerungen

Grund für die Erhöhung ist, dass die Anbieter den höheren CO2-Preis an die Kunden weitergeben. Das gilt nicht nur für die Grundversorger, sondern auch viele private Anbieter erhöhen ihre Preise für Gas. "Die CO2-Bepreisung ist ein wirksames Instrument, um auf die Klimakrise zu reagieren", sagte Max Müller, Fachberater Energierecht der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Allerdings sollten die dadurch entstehenden Kosten gerecht verteilt werden."

Die Verbraucherzentrale befürchte, dass die neue Abgabe dazu genutzt werde, die Preise deutlich anzuziehen. "Anbieter geben häufig nur gestiegene Kosten an ihre Kunden weiter. Die in anderen Bereichen auftretenden Einsparungen werden dagegen kaum zu günstigeren Preisen in bestehenden Verträgen genutzt", so Müller.

Jedoch weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass die Kunden die Möglichkeit hätten, aufgrund von Preisanpassungen außerordentlich zu kündigen. "Steigen die Preise also zum Beispiel am 1. Januar, können Sie bis zum 31. Dezember kündigen. Das heißt: bis zum 31. Dezember muss Ihre Kündigung beim Unternehmen eingehen."

Auch bei Strom und Heizöl steigen die Preise

Auch beim Strom und Heizöl heben viele Anbieter ihre Preise an. Ein Grundanbieter in der Pfalz ist sogar bundesweiter Spitzenreiter, wie das Vergleichsportal Check24 aufführt. Die Stadtwerke Lambrecht erhöhen einen ihrer Strom-Tarife um 10,8 Prozent. Zwar sinkt die Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG), aber dafür steigen die Netzentgelte.

Beim Heizöl ist der Preis in den vergangenen Jahren gesunken, steigt aber jetzt auch wegen der CO2-Abgabe wieder an. Wer noch 2020 Heizöl bestellt hat, das aber erst nach dem Jahreswechsel geliefert wird, muss möglicherweise schon den höheren Preis zahlen.

Noch keine vermehrten Anfragen bei den Beratern

Hans Weinreuther, Fachbereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, kann trotz der Preissteigerungen noch keine höhere Nachfrage nach Beratern bestätigen. Noch liefen die Telefone nicht heiß. Den Menschen sei das Thema CO2-Preis noch nicht präsent, weil sie sich zurzeit noch mit Corona beschäftigten würden. Auch hätten nicht alle Anbieter ihre Preise zum Jahreswechsel angehoben, weil dann die Aufmerksamkeit für die Thematik höher sei.

Zudem seien die Gaspreise in den vergangenen Jahren relativ stabil geblieben, sodass ein Preisanstieg nicht allzu negativ auffallen würde, so Weinreuther weiter. Er glaube aber daran, dass der CO2-Preis noch zu Diskussionen führe. Auch im Bereich des Heizöls und Sprits. Noch wüssten die Verbraucherschützer nicht, wie sich die Bepreisung für den Klimaschutz politisch entwickeln würde. "Wir sind erst am Anfang, es wird noch spannend", so Weinreuther.

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