Polizisten im Einsatz bei Kusel. Die Polizeigewerkschaften sehen die Zeit für die Aufarbeitung der Gewalttat noch nicht gekommen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Tödliche Schüsse auf Polizisten

Polizeigewerkschaften: Psychologische Betreuung jetzt am wichtigsten

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Matthias Weber

Nach der Gewalttat von Kusel ist der Schock groß bei der Polizei. Wichtig sei jetzt die Betreuung der Kollegen, so die Gewerkschaften. Eine sachliche Aufarbeitung solle später folgen.

Die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin und einen Polizisten am Montag haben spürbar tiefe Spuren hinterlassen - auch bei den rheinland-pfälzischen Chefs der Polizeigewerkschaften. Doch der sonst so häufig zu beobachtende Reflex - die schnelle und lautstarke Forderung nach Konsequenzen - ist bislang ausgeblieben. Im Gegenteil: Sabrina Kunz von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Thomas Meyer von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) plädieren zunächst für eine psychologische Aufarbeitung der Geschehnisse - und sehen die Zeit für eine fachliche Aufarbeitung noch nicht gekommen.

Polizisten brauchen Hilfe

"Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, mit irgendwelchen Forderungen zu kommen", sagt Meyer auf SWR-Anfrage. "Das hilft uns in der gegenwärtigen Situation nicht weiter - und das wollen auch die Kolleginnen und Kollegen vor Ort nicht." Im Vordergrund müsse derzeit die Betreuung der Polizistinnen und Polizisten stehen. "Es gibt Kollegen, die signalisiert haben: Wir brauchen Hilfe."

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Auch GdP-Landeschefin Kunz spricht von einer tiefen Trauer, die viele bei der Polizei empfinden würden. "Die Kolleginnen und Kollegen verdienen es jetzt, auch mal mit ihren Gefühlen alleine zu sein", sagte sie dem "heute journal". Kunz und Meyer loben die sachliche Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen vor Ort und mahnen einen besonnenen Umgang mit den Geschehnissen an.

"Wir können uns nicht auf alles vorbereiten"

Alle Kolleginnen und Kollegen wüssten, dass bei der Polizeiarbeit jederzeit etwas passieren könne, betont Meyer. Aber allen sei auch klar: "Wir können uns nicht auf alles vorbereiten." Es werde auch in der Zukunft Situationen geben, die schwer einzuschätzen seien.

Natürlich könne jetzt gefragt werden: Hätten die beiden Opfer noch besser ausgebildet oder ausgestattet sein können, sagt Kunz. Trotzdem glaube sie, "man hätte die Tat möglicherweise nicht verhindern können".

"Polizei in RLP ordentlich ausgestattet"

Insgesamt sei die Polizei in Rheinland-Pfalz ordentlich ausgestattet, betonen beide Gewerkschafter. In den letzten Jahren sei in dieser Richtung viel passiert, sagt Kunz, "wir haben flächendeckend die Bodycam, wir haben den Taser im Einsatz".

Meyer spricht von einer insgesamt guten Struktur bei der Spitze der Polizei. Es dauere zwar oft "ewig, bis was kommt", aber man habe das Gefühl: "Es tut sich etwas." Trotzdem müsse natürlich eine Aufarbeitung der Geschehnisse erfolgen, auch von Seiten der Gewerkschafen. Dazu sei aber jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt.

Nachholbedarf beim "Monstrum Internet"

Schnellen Handlungsbedarf sieht Meyer dagegen im Bereich des Internets und der sozialen Netzwerke. Die rechtlichen Rahmenbedingungen beim "Monstrum Internet" seien nicht ausreichend, um gegen Hass und Hetze vorgehen zu können.

Bei der Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag hatte der Leiter der Kriminaldirektion Kaiserslautern, Frank Gautsche, beklagt, dass die Gewalttat in den sozialen Netzwerken auch positiv bewertet würde.

"Wir stellen in den sozialen Medien Beifallsbekundungen mit den Tätern fest. Das ist für mich eine abscheuliche Entwicklung, das ist für mich menschenverachtend."

Man werde die Postings im Auge behalten und alles daran setzen, dass auch diese Leute verfolgt werden.

Personal für solche Aufgaben sei in den vergangenen Jahren auch in Rheinland-Pfalz in zunehmendem Maße eingestellt worden, sagt Stefanie Loth, die stellvertretende Landesvorsitzende der GdP.

Meyer und Loth beklagen eine steigende Bereitschaft zu Hass und Gewalt in Deutschland. Diese richte sich zwar oft gegen Polizisten, Feuerwehrleute oder Politiker, sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

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