Ein positiver Fall in der Klasse: Während an der einen Schule, der ganze Klassenverband in Quarantäne muss, sind es an der anderen Schule nur die Sitznachbarn. Doch wie kommen diese Unterschiede zu Stande? (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Wenn Eltern und Lehrer sitzengelassen werden

Schulen in Rheinland-Pfalz fordern bessere Planung für den Corona-Herbst

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Elternabende in Präsenz, Schüler die infiziert sind, Kontaktpersonen, die in Quarantäne müssen: Für all das fordern Schulen Regeln vom Land. Doch meist kommen diese erst, wenn es zu spät ist.

Eine Woche nach Schulbeginn gab es immer noch keine einheitlichen Quarantäne-Regelungen für rheinland-pfälzische Schulen. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) meldet Freitag rund 1.600 Infizierte und fast 4.500 Schüler in Quarantäne. Doch über einheitliche Regelungen sollte erst eine Woche nach Schulstart debattiert werden.

Wer in Quarantäne muss, und wer nicht, das könne derzeit keiner genau nachvollziehen, beklagt der stellvertretende Landesvorsitzende des Verbandes für Bildung und Erziehung (VBE), Lars Lamowski.

Bei einer bestätigten Corona-Infektion in einer Schule entschied nämlich bisher jedes Gesundheitsamt individuell, wie zum Beispiel wer als Kontaktperson gilt.

VBE beklagt fehlende Kommunikation

"An den Schulen herrscht Planlosigkeit, Chaos pur - wieder mal wissen wir nichts", so der VBE-Vorsitzende im SWR-Interview. Schulen würden nicht informiert, Eltern wüssten bislang nicht, wie mit ihren Kindern umgegangen werde, wenn es einen positiven Fall in der Klasse gebe.

"Das könnte vermieden werden, indem man die Schulen rechtzeitig informiert, Klarheit schafft, rechtzeitig Regeln kommuniziert", sagt Lamowski. Stattdessen fühlen wir uns komplett alleingelassen. Dass Kinder und Schulen unmittelbar nach den Ferien mit der Delta-Variante zu kämpfen haben, war schon vor den Sommerferien klar, dass wir Regeln und Konzepte brauchen auch."

Keine offiziellen Regeln für Elternabende

Laut Lamowski liegt einfach nichts vor, womit Schulen arbeiten könnten. "Ein weiteres Beispiel: Laut Gesetz müssen in den ersten sechs Wochen Elternabende stattfinden. Bislang liegen den Schulen keine Regeln vom Land vor, wie diese auszusehen haben. Einige Schulleiter helfen sich selbst und greifen auf das 3G-Modell zurück, andere fragen sich, ob 3G juristisch der richtige Weg ist." Und so müssten Schulleiter und Lehrer für sich entscheiden, wie sie diese Abende gestalten.

Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Rheinland-Pfalz wünscht sich klare und transparente Regeln für die Schulen. "Gesundheitsämter und Schulen müssen gleich handeln, alles anderes macht Eltern unzufrieden", fordert der GEW-Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer.

Präventionswochen sollen Infektionsgeschehen bremsen

Laut Bildungsministerium werden die Infektionen vor allem von außen in die Schulen getragen. Deshalb habe das Land verstärkte Sicherheitsvorkehrungen beschlossen, um nach Urlaubsende die Infektionen in den Schulen nicht weiterzutragen. Das Land habe bereits früh entschieden, die ersten beiden Schulwochen als Präventionswochen mit verschärften Hygienemaßnahmen durchzuführen - etwa mit regelmäßigem Testen, Lüften und der Maskenpflicht auch im Unterricht.

Doch obwohl eine Präventionswoche bereits gelaufen ist und die Zahlen der infizierten Schüler steigen, haben die Schulen laut VBE-Vorsitzenden Lamowski noch keine Information, wie es nach den zwei Wochen weitergeht. Auch hier herrsche Planungslosigkeit.

"Das Ministerium wartet gerne ab, kommuniziert wird dann an einem Freitagabend, wenn alle ins Wochenende gehen und Emails nicht mehr gelesen werden", sagt Lars Lamowski abschließend.

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