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In der Corona-Pandemie wird viel über die Situation in den Krankenhäusern und die zusätzliche Belastung für Pfleger und Pflegerinnen gesprochen. Dennoch entscheiden sich immer noch junge Menschen ganz bewusst dafür, eine Ausbildung eben in diesem Bereich zu beginnen. Zum Internationalen Tag der Pflege hat SWR Aktuell nachgefragt: Was begeistert und bewegt sie?

Warum junge Menschen in die Pflege gehen

Cindy Molter hat im August 2020 ihre generalistische Ausbildung an der Pflegeschule Daun begonnen - da war die Corona-Pandemie schon in vollem Gange. Abgeschreckt hat die junge Frau das nicht von ihrem Berufswunsch: "Ich hatte vor Corona ein Praktikum gemacht und da war mir direkt am ersten Tag klar, dass ich den Job unbedingt machen möchte", erzählt Molter, die gerade auf Station im Krankenhaus arbeitet. Die gerade schwierige Lage sei ihr auch zu Beginn der Ausbildung bewusst gewesen: "Aber das war dann für mich nicht ausschlaggebend, denn die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, gibt es natürlich immer noch genauso."

Carmen Reichelt, die dieselbe Klasse in Daun besucht, arbeitet derzeit in einem Seniorenheim in Zell und betont noch einmal die Rolle, die Pflegern gerade in der Pandemie zukommt: "Denn im Grunde sind wir Pfleger für sie nicht nur Pfleger, sondern auch Familie - und praktisch rund um die Uhr für sie da." Die emotionale Belastung und Komponente sei ein entscheidender Aspekt des Berufs.

Schulische Ausbildungsinhalt in Pandemie digital vermittelt

Wer sich für eine Ausbildung in der Pflege entscheidet, sammelt nicht nur praktische Erfahrung, sondern muss auch in die Schule. Doch die musste mit Beginn der Corona-Pandemie umgestellt werden, auch an der Nardini-Pflegeschule in Landau. Dort ist Julia Heydecke im dritten Ausbildungsjahr. "Der Fernunterricht mit acht Stunden am Laptop ist schwierig", meint sie. "Mir fehlt die Trennung zwischen Beruf und Privat."


Monika Vogler, Leiterin der Nardini-Pflegeschule, bezeichnet den Fernunterricht als "Herausforderung" für die Auszubildenden: "Nicht nur in Bezug auf die Gestaltung des Arbeitsalltages, sondern auch, weil erst nicht alle über sehr gute digitale Endgeräte verfügen." Seit Ende 2020 sei dies allerdings besser geworden. "Die Rückmeldungen der Auszubildenden ermutigten uns, den Weg weiter zu gehen und Neues auszuprobieren. Die Planung der praktischen Ausbildung war geprägt von ständigen Änderungen durch Verhinderung der Einsätze, was einen immensen Mehraufwand bedeutete." Ihr Team sei seit Beginn der Pandemie extrem belastet, sagt sie.

An der Pflegeschule in Daun wurden die Klassen früh aufgeteilt: "Wir hatten gleich zu Beginn Hybridunterricht", berichtet Cindy Molter. "Alles ist digitalisiert, wir arbeiten mit E-Books und einer App."
Ob in der Ausbildung etwas verloren gehe durch die erschwerten Bedingungen? "Es ist einfach nur anstrengender und schade, dass wir nicht praktisch zusammen üben können", findet Molter. Aber die derzeitige Situation mache gleichzeitig auch die selbständig, die es jetzt noch nicht seien, fügt ihre Kollegin Carmen Reichelt hinzu. Ein großer Nachteil im praktischen Teil der Ausbildung sei jedoch, dass gegenwärtig die Begleitpersonen aus der Schule - also Lehrkräfte, die sie unterstützend anleiten - nicht mit in die Betriebe kommen könnten.

Positive Facetten des Berufsbilds hervorheben

Als große Motivation nennen die beiden Schülerinnen in Daun ihr Interesse an der Arbeit mit Menschen. Aus ihrer Sicht ist das Image des Berufs jedoch ein Problem: "Pflegekräfte wachsen eben nicht auf den Bäumen", bemerkt Molter. "Und es wäre sehr wichtig, gerade jetzt junge Leute anzusprechen und ihnen den Beruf ein bisschen schmackhafter zu machen." Aus Sicht ihrer Ausbilderin Ursula Monzel-Asche wäre der Pflege "sehr geholfen", wenn sich die Rahmenbedingungen ändern würden - und zwar nicht nur die Vergütung, sondern vor allem die Personalstruktur.

Schulleiter Hermann-Josef Melchiors plädiert im Gespräch mit dem SWR dafür, das Berufsbild in einigen Bereichen auch neu zu bewerten. "Ich sehe immer wieder, dass nach der Ausbildung die Schülerinnen und Schüler viel mehr können, als sie im Alltag dann tatsächlich dürfen. Viele Entscheidungen, die sie eigentlich alleine treffen könnten, müssen von einem Arzt getroffen werden." An anderen Stellen könnte man wiederum helfende Hände gebrauchen, die nicht unbedingt eine dreijährige Ausbildung hinter sich haben müssten, "zum Beispiel bei der Essensausgabe im Altenheim".

Interesse an anspruchsvollem Beruf nicht gebrochen

Davon, dass das Interesse am Beruf zurückgeht, könne er nicht sprechen, so Melchiors. Als Hauptproblem sieht er, dass gerade keine Praktika für Schulabgänger stattfinden könnten: "Die sind sehr überzeugend, weil man sofort mit dabei ist." Dass die Ausbildung abgebrochen wird, weil der Beruf nicht gefällt, komme hingegen selten vor: "Da spielen dann eher gesundheitliche Aspekte eine Rolle, dass die Belastung körperlich oder psychisch eben zu hoch ist."


"Wir sind zwar noch in der Ausbildung, aber wir sehen, was die Examinierten leisten - und das ist wirklich viel, gerade auf den Covid-Stationen, da ist einfach mal ein 'Danke' angebracht", sagt Cindy Molter. "Wir bauen die Patienten auf, wir reden mit den Patienten, das muss man sich eben auch vor Augen halten. Pflege kann nicht jeder." Und Carmen Reichelt findet es "erschreckend, dass erst in der Pandemie für jeden deutlich geworden ist, dass es Pflegekräfte gibt". Auch an der Nardini-Pflegeschule in Landau teilen einige Auszubildende diese Einschätzung: "Zu Beginn dachte ich, es gibt eine positive Entwicklung, aber heute sehe ich keine echte Veränderung", schreibt Silija Hause, die kurz vor ihren Abschlussprüfungen steht. "Die Arbeitsbedingungen haben sich nicht geändert und die Wertschätzung durch die Gesellschaft ist nicht wirklich da. Wir fühlen uns zum Teil wie 'Kanonenfutter'."

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Gesundheitssystem nicht der Gewinnoptimierung unterwerfen

Für ihre Schulleiterin Monika Vogler lässt sich die Wertschätzung manchmal nur schwer messen. Bezahlung sei dabei nicht alles, vielmehr brauche es gute Arbeitsbedingungen wie die Verlässlichkeit des Dienstplans. "Mir fällt auf, dass viele nicht mehr in Vollzeit beschäftigt sein möchten, um mehr Freizeit zu haben. Was ich mir auch wünsche, ist eine positive Berichterstattung über die schönen Seiten des Berufs. Manchmal wird nur das 'Negative' dargestellt, aber das Wertvolle bleibt unerwähnt." An die Politik richtet sie einen klaren Wunsche: Dass das Gesundheitssystem nicht länger der Gewinnoptimierung unterworfen wird, sondern "als Grundpfeiler unserer Gesellschaft gesehen wird, die den Menschen in Gesundheits- und Krankheitsbelangen zur Seite steht".

Bei einer Einschätzung für die Zukunft ist der Leiter der Pflegeschule Daun eher vorsichtig: "Man hofft natürlich, dass jetzt nachhaltig Veränderungen eintreten", meint Hermann-Josef Melchiors. "Aber bei aller Hoffnung - wenn man lange in dem Bereich arbeitet, hört man so einige Ansprachen." Die Chancen seien dabei aber auch von den Berufsangehörigen zu ergreifen: "Wir müssen tatsächlich auch deutlich machen, was wir brauchen und was wir wollen." So sei etwa die Pflegekammer in Rheinland-Pfalz ein wichtiges Instrument, das sich Gehör verschaffen müsse. "Wir haben außerdem die Gewerkschaft, von der wir auch erwarten, dass sie etwa in den Lohnabschlüssen ganz klare Positionen bezieht."

"Müssen Finger immer wieder in die Wunde legen"

Melchiors Einschätzung zufolge scheitern viele Pläne zur Verbesserung der Situation an den Vertragspartnern und Kostenträgern, die die Krankenhäuser verwalten. Es fehle an Vorgaben und verbindlichen Regeln. "Man muss sich auf politischer Ebene fragen: Was wollen wir uns für eine Versorgung leisten? Und das dann nicht auf der wirtschaftlichen Basis den einzelnen Träger überlassen."

In der Pflege Tätige seien dazu aufgerufen, "den Finger immer wieder in die Wunde zu legen, denn sonst sind wir schnell vergessen". Er selbst hat nach seiner Ausbildung zur Pflege noch drei Studiengänge absolviert, sagt aber: "Das wichtigste war für mich als Mensch und für meine berufliche Laufbahn der Beruf des Krankenpflegers."

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