Pfelgerin betreut eine alte Frau. Der Jobfrust bei Pflegekräften in Rheinland-Pfalz steigt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Willnow)

Landespflegekammer sieht Versorgung gefährdet

Großteil der Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz denkt über Jobwechsel nach

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Immer mehr Pflegekräfte denken darüber nach hinzuschmeißen. Das zeigt eine aktuelle Studie. Die Pflegekammer schlägt Alarm - und fordert Reformen und Geld.

Markus Mai, der Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, fordert kurzfristige Maßnahmen zur Entlastung der Pflege. Eine einmalige Corona-Prämie sei bei weitem nicht ausreichend.

"Die Unzufriedenheit in der beruflichen Pflege wächst", sagte Mai bei der Vorstellung der Allensbach-Studie zur Situation der rheinland-pfälzischen Pflegekräfte in der Corona-Pandemie. "Oft muss sich die Berufsgruppe anhören, dass dies leere Behauptungen seien. Nun haben wir konkrete Zahlen, die genau das belegen."

Gefahr für die Versorgung der Bevölkerung

Ein größer werdender Personalengpass in Heimen und Krankenhäusern stelle aber auch automatisch eine Gefahr für die pflegerische Versorgung der Bevölkerung dar, erklärte Mai. Eine Investition in die Pflege sei damit eine Investition in alle.


Mai wiederholte seine Forderung nach einem Mindesteinstiegsgehalt von 4.000 Euro für Pflegekräfte - eine Forderung, die auch die Gewerkschaft ver.di unterstützt. Als Sofortmaßnahme schlägt er einen Steuerfreibetrag von mindestens 1.000 Euro pro Monat vor.

Auch die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Christine Vogler, verlangt eine "vernünftige Gehaltsstruktur" für die Pflegenden. Außerdem müssten die Arbeitsbedingungen verbessert und Mitspracherechte in den Gesundheitsstrukturen geschaffen werden, sagte Vogler dem SWR.

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Vogler bezeichnete das Ergebnis der Befragung als erschütternd. Und das liege nicht an den Inhalten des Berufs. "Es sind die Systeme und Strukturen, in denen Pflegende arbeiten müssen und die offensichtlich in Deutschland so festgebrannt sind, dass man an denen nichts ändern kann." Kritik finde in diesem Zusammenhang kein Gehör.

Die Situation sei schon vor der Pandemie prekär gewesen, betont Vogler. Sie sei durch die demographische Entwicklung aber verstärkt in den Fokus geraten: "Weil mehr Menschen durch die eigenen Angehörigen merken: Mensch, ich bekomme meine Mutter nicht in einem Pflegeheim unter, weil ich gar keinen Platz finde."

Allensbach-Umfrage in Rheinland-Pfalz

In der von der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz beauftragten Umfrage des Allensbach-Instituts für Demoskopie erklärten 76 Prozent der Beschäftigten, sie würden zumindest manchmal mit dem Gedanken spielen, auszusteigen. "Man sieht, dass die Freude am Beruf leidet", sagte der Meinungsforscher Thomas Petersen.

Für die Umfrage hatte das Institut 2021 alle bei der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz mit E-Mail-Adresse registrierten Mitglieder angeschrieben und letztlich mehr als 1.200 Interviews ausgewertet. Die Ergebnisse würden "mit hoher Sicherheit das Meinungsbild der Pflege widerspiegeln", erklärte Petersen.

Größere Arbeitsbelastung

85 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben demnach an, ihre Arbeitsbelastung habe seit Beginn der Pandemie zugenommen. 58 Prozent sprachen sogar von einer deutlichen Zunahme. Als Gründe nannten die meisten Pflegefachkräfte hohen Zeitdruck und großen Verwaltungsaufwand sowie eine schlechte Organisation der Arbeitsabläufe und mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte.

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