In Rheinland-Pfalz haben 2021 nur die Grünen und die FDP im großen Stil Mitglieder gewonnen. Große Verluste gab es vor allem bei CDU, SPD und AfD. (Foto: IMAGO, IMAGO / blickwinkel)

Mitgliederentwicklung der Parteien

Diese Parteien konnten 2021 in RLP deutlich mehr Mitglieder gewinnen

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Gernot Ludwig
Gernot Ludwig ist Autor bei SWR Aktuell Rheinland-Pfalz und landespolitischer Korrespondent (Foto: SWR)

Grüne und FDP in Rheinland-Pfalz konnten 2021 ihre Mitgliederzahlen erheblich steigern. Für CDU, SPD und AfD ging es weiter bergab.

In Rheinland-Pfalz haben FDP und Grüne im vergangenen Jahr als einzige Parteien deutlich mehr Mitglieder gewonnen. Das geht aus der neuen Erhebung des Berliner Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer hervor, der (als einziger) die Zahlen bundesweit jährlich zusammenträgt. Die Daten liegen dem SWR exklusiv vor.

Demnach hatten Grüne und FDP im Land zum 31.12.2021 jeweils rund 600 Mitglieder mehr als im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung von jeweils rund 13 Prozent. Bei der FDP im Land ist das den Daten zufolge der höchste Wert seit mindestens 30 Jahren.

Für die Grünen in Rheinland-Pfalz ist es der vierthöchste Mitgliederzuwachs seit mindestens 30 Jahren. Die meisten neuen Mitglieder hatten die Grünen 2019 gewonnen: Damals war die Mitgliederzahl um fast 29 Prozent gewachsen. Leicht zulegen konnte im vergangenen Jahr zudem die Linkspartei. Sie hatte 48 Mitglieder mehr als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Plus von rund 3 Prozent.

CDU, SPD und AfD in Rheinland-Pfalz erneut mit Mitgliederverlusten

Bei allen anderen Parteien ist die Zahl der Mitglieder laut der Studie zum Teil deutlich zurückgegangen. Die meisten Mitglieder hat im vergangenen Jahr die CDU verloren - nämlich mehr als 1.700. Das entspricht einem Minus von 4,7 Prozent. Bei der SPD lag das Minus bei 3,3 Prozent bzw. rund 1.100 Mitgliedern. Bei der AfD beträgt der Mitgliederschwund 5,6 Prozent. Das entspricht rund 100 Mitgliedern weniger.

Die mitgliederstärkste Partei in Rheinland-Pfalz bleibt trotz anhaltender Verluste weiterhin die CDU. Sie kam zum Stichtag 31.12.2021 auf rund 35.300 Mitglieder, gefolgt von der SPD mit gut 31.200 Mitgliedern. Die Grünen sind mit circa 5.400 Mitgliedern weiterhin die drittgrößte Partei in Rheinland-Pfalz. Dahinter die FDP mit rund 4.900 Mitgliedern. Linke und AfD kommen jeweils auf etwa 1.800 Mitglieder.

Die Dokumentation von Niedermayer betrachtet lediglich die Parteien, die auch im Bundestag vertreten sind. Die Freien Wähler, die bei der Landtagswahl im März 2021 erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt wurden, sind in der Studie deshalb nicht berücksichtigt. Wie der Landesverband der Partei dem SWR auf Anfrage jedoch mitgeteilt hat, hatten die Freien Wähler in Rheinland-Pfalz zum Stichtag 31.12.2021 insgesamt 565 Mitglieder. Verglichen mit den 389 Mitgliedern, die die Partei eigenen Angaben nach zum Vorjahres-Stichtag hatte, ist das ein Wachstum von 45,2 Prozent.

Bundesweit ähnliche Gewinne und Verluste wie in Rheinland-Pfalz

Die Zahlen für Rheinland-Pfalz entsprechen im Wesentlichen dem Bundestrend, wobei die Entwicklung in Rheinland-Pfalz teilweise stärker ausfällt. So hat die CDU der Dokumentation zufolge bundesweit 3,7 Prozent ihrer Mitglieder verloren, in Rheinland-Pfalz dagegen lag das Minus bei 4,7 Prozent.

Die SPD hat bundesweit 2,6 Prozent ihrer Mitglieder verloren, in Rheinland-Pfalz lag das Minus bei 3,3 Prozent. Die Linke konnte ihre Mitgliedschaft bundesweit um 0,5 Prozent steigern, landesweit lag das Plus bei 2,7 Prozent. Der Verlust bei der AfD lag im Bund und im Land jeweils bei 5,6 Prozent.

Bei FDP und Grünen zeigt sich ein anderes Bild. Während die Liberalen in Rheinland-Pfalz um 13,2 Prozent zulegen konnten, lag das bundesweite Plus sogar bei 17 Prozent. Ähnlich die Entwicklung bei den Grünen. Im Land ist die Zahl ihrer Mitglieder um 12,9 Prozent gestiegen, bundesweit um 17,2 Prozent.

Überblick: Gewinne und Verluste seit 1990

Der Trend, der sich bundesweit seit Jahren zeigt: Seit 1990 haben Niedermayer zufolge alle Parteien außer den Grünen und der AfD Mitglieder verloren. Am stärksten habe es die Linke getroffen. Trotz der Vereinigung von PDS und WASG habe die Linke Ende 2021 fast vier Fünftel weniger Mitglieder als die PDS Ende 1990. Die SPD habe in dieser Zeit fast drei Fünftel ihrer Mitglieder verloren, FDP und CDU mehr als die Hälfte.

Die Grünen dagegen haben laut Niedermayer seit 1990 die Zahl ihrer Mitglieder um mehr als 200 Prozent steigern können. Die AfD sei bei der Mitgliederzahl trotz der Verluste der letzten beiden Jahre seit ihrer Gründung 2013 bundesweit um 70 Prozent gewachsen.

Darum verlieren die Parteien so viele Mitglieder

Den Grund dafür, dass sich seit Jahrzehnten tendenziell weniger Menschen in Parteien, aber auch in Kirchen, Gewerkschaften oder Vereinen engagieren, sieht Politikwissenschaftler Niedermayer im gesellschaftlichen Wandel. Früher hätten Menschen viel mehr Wert darauf gelegt, den Alltag in der Gemeinschaft zu organisieren, etwa in Vereinen oder Parteien, sagte Niedermayer dem SWR.

Niedermayer hat dazu in seiner Studie festgestellt: 1980, nach der Gründung der Grünen, seien in der alten Bundesrepublik knapp 4 Prozent der Bürger (ab Eintrittsalter 14 bzw. 16 Jahre) Mitglied einer Partei gewesen. Ende 1989, nach der Wiedervereinigung und dem Hinzukommen der damaligen PDS (heute Linke), seien es noch 3,7 Prozent gewesen. Ende 2020 seien trotz der zwischenzeitlichen Entstehung der AfD als weiter Partei nur noch knapp 1,7 Prozent der Bürger Mitglied einer Partei gewesen. Eine Trendwende sei nicht in Sicht, so Niedermayer.

Die vollständige Dokumentation der Parteimitgliedschaften im Jahr 2021 des Politikwissenschaftlers Niedermayer wird ab 11. Juli in Heft 2 der Zeitschrift für Parlamentsfragen veröffentlicht.

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