Schwule Menschen in der katholischen Kirche (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Queere Mitarbeitende der Kirche

"#OutInChurch": Keine arbeitsrechtlichen Folgen nach Outing

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Anfang der Woche haben sich 125 queere Mitarbeitende der Kirche und ihrer Einrichtungen als nicht-heterosexuell geoutet. Eine SWR-Recherche hat jetzt ergeben: Mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen müssen die meisten von ihnen nicht rechnen.

Die Teilnehmenden der Initiative "#OutInChurch" dürfen im Amt bleiben. Die Bistümer Speyer, Mainz, Trier und Limburg gaben auf Anfrage des SWR bekannt, dass sie gegen die Mitarbeitenden in ihrem Zuständigkeitsbereich keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen erwägen. Auch die beiden katholischen Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Freiburg in Baden-Württemberg planen dies nicht.

In der Vergangenheit mussten Priester und andere Mitarbeitende der Kirche und ihrer Einrichtungen eine Kündigung befürchten, wenn ihre nicht-heterosexuelle Orientierung oder Partnerschaft bekannt wurde. So kann beispielsweise das Eingehen einer gleichgeschlechtlichen Ehe zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen. Nach dem Coming-out von queeren Mitarbeitenden fordern Kirchenexperten nun eine Änderung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen in der katholischen Kirche.

Kohlgraf: Kirchliches Arbeitsrecht muss weiterentwickelt werden

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf erklärte, das kirchliche Arbeitsrecht müsse weiterentwickelt werden. Mit einem bloßen Bekenntnis der Wertschätzung sei es nicht getan. "Es ist völlig klar, dass es bei den Haupt- und Ehrenamtlichen erheblich mehr Menschen gibt, die dies betrifft", schrieb Kohlgraf auf Facebook.

"Ich kann mich vor meinem Gewissen nicht damit abfinden, dass Menschen durch die Kirche Kränkung erfahren", betonte der Bischof. "Alles, was nach Doppelmoral und Heimlichtuerei riecht, darf in der Kirche keinen Platz haben."

Trierer Bischof Ackermann: Ist eine gute Initiative

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte dem SWR, die Äußerungen der Menschen, die sich geoutet hätten, hätten ihn sehr berührt. Es sei eine gute Initiative. Es habe in der Vergangenheit bereits Anpassungen im Dienstrecht der Kirche gegeben. Aber das gewinne jetzt noch einmal eine stärkere Dynamik durch die Kampagne "Out In Church". Viele im kirchlichen Bereich begrüßten diese Aktion. Es sei nicht gut, wenn die Kirche ein "Raum der Angst" sei. Das müsse sich ändern.

Baden-Württemberg

Coming-Out von queeren Kirchen-Mitarbeitenden #OutInChurch: Keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen in Baden-Württemberg

Am Montag haben sich 125 queere Mitarbeitende der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen geoutet. Nach SWR-Recherchen müssen die meisten nun nicht um ihren Job fürchten.

Auch bundesweit müssen die meisten Mitarbeitenden keine Konsequenzen fürchten. Unter den 27 angefragten deutschen Bistümern sicherten 22 Bistümer zu, dass sie keine Konsequenzen gegen die Teilnehmenden der Aktion erwägen (Stand: 28.01.). Diese hatten sich in der begleitenden ARD-Dokumentation "Wie Gott uns schuf - Coming Out in der katholischen Kirche" geoutet.

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SWR2 Glauben Schwul, lesbisch, gläubig – queere Menschen in der katholischen Kirche

125 nicht-heterosexuelle Mitarbeitende der katholischen Kirche outen sich.
Einige Bischöfe äußern Verständnis, andere schweigen. Katholische Organisationen solidarisieren sich.
Von Sophie Rebmann

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