Ein Corona-Symbol auf der Intensivstation für Corona-Patienten in einem Krankenhaus weist auf den Covid-Bereich hin (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)

Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz

Omikron-Welle rollt auf "Normalstationen" in Kliniken zu

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Immer mehr Virologen erwarten ein Ende der Corona-Pandemie noch in diesem Jahr. Doch die Krankenhäuser müssen zuvor wegen der Omikron-Variante noch die "fünfte Welle" stemmen.

Die täglichen Corona-Fallzahlen sind eine kleine Lehrstunde in Sachen exponentiellem Wachstum: Immer steiler gehen die Inzidenz-Kurven nach oben - in Mainz wurde inzwischen die Tausendermarke überschritten. Doch viele Experten sehen schon ein Ende der Pandemie noch in diesem Jahr. Bereits in wenigen Wochen sei vermutlich der "Scheitelpunkt der Omikron-Welle" erreicht, glaubt die Virologin Ulrike Protzer von der TU München. Doch vorher müssten sich die Krankenhäuser wieder auf eine große Anzahl von Patienten einstellen.

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So sieht das auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß: "Mit Blick auf die Zahlen scheint zwar die Belastung auf der Intensivstation abzunehmen, die Belastung auf der Normalstation bleibt allerdings hoch oder steigert sich sogar deutlich", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies machten erste Zahlen aus den besonders von Omikron betroffenen Bundesländern deutlich.

Immer mehr Klinikmitarbeiter krank

Sorgen bereitet Gaß dabei insbesondere das Personal. Das Infektionsgeschehen sie auch bei diesen angekommen. "Die Ausfallquote steigt und die Personaldecke ist leider extrem dünn, so dass uns das sehr beschäftigt", so Gaß im SWR-Interview. In den Pandemieplänen haben die Krankenhäuser entsprechende Maßnahmen ergriffen. So seien Urlaube derzeit nicht möglich und auch Überstunden müssten geleistet werden.

Sollte es zu einem Engpass bei PCR-Tests kommen, spricht sich Gaß für eine Priorisierung aus. Es müsse sichergestellt werden, dass Klinikpersonal kurzfristig getestet werden kann.

Krankenhäuser verschieben wieder planbare Operationen

Inzwischen werden in einigen Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz wieder planbare Operationen und Behandlungen verschoben. Beispielsweise im Krankenhaus Daun, wo es einige Hüft-und Kniegelenks-Operationen getroffen hat. Auch in Birkenfeld mussten einige Operationen in den Bereichen Orthopädie und Chirurgie warten. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier wurde der OP-Betrieb nach den Worten von Chefarzt Tim Piepho bislang nur "leicht reduziert".

"Wir denken von Woche zu Woche."

Die Omikron-Welle werde das Krankenhaus in Trier aber trotzdem hart treffen, "weil massiv Personal fehlen wird, weil es selbst infiziert ist, oder etwa durch Quarantänemaßnahmen der Kinder betroffen ist", prognostiziert Piepho im Gespräch mit dem SWR. Da helfe es nur wenig, dass in Rheinland-Pfalz die Zahl der Intensivpatienten aktuell nur halb so hoch wie im vergangenen Dezember sei. Da das Ausmaß der Ausfälle nicht vorhersehbar ist, können keine speziellen Notfallpläne erstellt werden, so Piepho. "Wir denken von Woche zu Woche."

"Das Pflegepersonal kommt nicht zurück"

Der von vielen Virologen vorhergesagte Übergang von der Pandemie zur Endemie noch in diesem Jahr, lässt bei Piepho keine Euphorie aufkommen. Viele gute Pflegekräfte seien in den vergangenen zwei Jahren gegangen und "die kommen nicht zurück, weil Corona vorbei ist", so der Intensivmediziner.

Und bei denen, die geblieben sind, haben viele ihre Arbeitszeiten im Intensivbereich auf 80 oder sogar 50 Prozent reduziert, "weil sie sonst die Belastung nicht mehr packen", sagt Christa Keienburg, Landessprecherin der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege (DGF) im SWR-Gespräch. Viele seien auch enttäuscht, weil sich die Bedingungen in der Pflege trotz der erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit nicht geändert hätten.

Prof. Dr. med. Tim Piepho ist Chefarzt am Trierer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. (Foto: SWR)
Prof. Tim Piepho ist Chefarzt am Trierer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

Noch beherrscht Delta die Intensivstationen

Die Omikron-Variante sei nach ihrem Eindruck bislang noch nicht besonders stark in den Krankenhäusern angekommen, meint Keienburg, die Intensivkrankenschwester auf einer internistischen Station an der Unimedizin Mainz ist. Ein Eindruck, den Nina Meckel, Pressesprecherin der Deutschen- Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) bestätigt. Während bei den anderen Virusvarianten bei steigender Inzidenz die Zahl der Intensivpatienten mit etwa zweiwöchiger Verspätung ebenfalls zugenommen habe, "sehen wir das bei Omikron derzeit nicht".

Wie der Trierer Intensivmediziner Piepho sieht auch Meckel durch die neue Variante keine wirkliche Entlastung auf die Intensivmedizin zukommen. "Vor allem die Krebspatienten haben unter der Pandemie gelitten", sagt sie. Viele hätten lange auf ihre Operation warten müssen. Freiwerdende Intensivbetten durch Covid-Patienten würden nun durch Patienten mit Krebs oder anderen schweren Erkrankungen belegt. "Wir hoffen, dass Omikron zu geringeren Intensivfällen führt als die Delta-Variante", sagt Meckel. Denn im November und Dezember seien deutschlandweit mehr als 6.500 Corona-Patienten auf Intensivstationen gestorben.

Die DIVI-Sprecherin warnt vor einer Verharmlosung von Omikron und zitiert den Leiter des DIVI-Intensivregisters, Prof. Christian Karagiannidis: Wenn Menschen wegen einer Omikron-Erkrankung ins Krankenhaus müssten, könne man nicht wirklich von einem "milden Virus" sprechen.

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