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Für Spaziergänger ist es oft nur ein Kavaliersdelikt, für Landwirte hingegen ein Ärgernis. In Zeiten der Pandemie ging der große organisierte Obstdiebstahl eher zurück, doch individuelle Verstöße werden vermehrt beobachtet.

Diese Form des Diebstahls hat laut Bauern- und Winzerverband zugenommen, weil viele Menschen wegen der coronabedingten Einschränkungen verstärkt Ausflüge unternommen haben. Dabei handele es sich um keine Bagatelle. Für Obstbauern sei es ein finanzielles Problem, wenn sich Ausflügler zum Nulltarif an Kirsch- oder Apfelbäumen bedienten.

"Bei Äpfeln haben sie uns schon den Zaun aufgeschnitten und sie rausgeklaut. Aus einer neu gepflanzten Plantage sind uns fünf Zwetschgenbäumchen geklaut worden. Mit den Wurzeln."

Auch wenn der Verlust im Einzelfall nur bei einigen Cent liege, könne sich dies heutzutage kein Bauer mehr erlauben. Auffällig sei, dass dieses Verhalten in sämtlichen gesellschaftlichen Gruppen zu beobachten sei. Weder arme Menschen noch vermeintlich wohlhabende Passanten zeigten Skrupel beim Obstdiebstahl.

Polizei spricht von "jährlichem Phänomen"

Die Dienststellen der Polizei hätten ein besonderes Augenmerk auf derartige Verstöße und würden die Felder in ihre Streifentätigkeit mit einbeziehen, sagt eine Sprecherin der Polizei. Auch Mitarbeiter von Ordnungsämtern patrouillieren zu Erntezeiten in Obstplantagen, wie der Vorsitzende des Obstrings Koblenz, Thomas Kreuter, berichtet. Hilfreich sei außerdem, dass in der Erntezeit Hauptwege zu Obstplantagen durch Pflanzenkübel für Autos gesperrt seien.

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Professioneller Diebstahl geht zurück

Großangelegte Raubzüge hingegen, auf Wiesen und Feldern, gehen laut Bauern- und Winzerverband zurück. Das liege vor allem an der Polizei, die wesentlich stärker präsent sei als früher. Insbesondere wirke es sich positiv aus, wenn Polizeistreifen mit Hunden auf Wirtschaftswegen patrouillieren. Eine Frau oder ein Mann in Uniform würden viele Menschen davon abhalten, Obst in größerem Stil zu stehlen. Das zeige die Erfahrung, sagt Ludwig Schmitt, der Vorsitzende des Kreisverbands Mainz-Bingen im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd.

Niedrige Bäume - schnelle Ernte

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