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Die Corona-Pandemie macht Obdachlosen das Leben noch komplizierter, als es ohnehin ist. Und nun steht der Winter vor Tür. Die Kommunen in Rheinland-Pfalz starten deshalb zum Teil zusätzliche Angebote für Wohnungslose.

Die Landeshauptstadt Mainz teilte mit, in den bevorstehenden Wintermonaten werde eine zusätzliche Notunterkunft für "besondere Risikofälle" bereitgestellt. Die Belegung erfolge in Abstimmung mit zwei Mainzer Hilfsvereinen. Außerdem werde die Stadt die Kosten von Grippeschutz- und Streptokokkenimpfungen für wohnungslose Menschen ohne Krankenversicherungsschutz übernehmen.

Landeshauptstadt sieht sich gerüstet

In Mainz gibt es mit dem Thaddäusheim der Caritas sowie den beiden von der Mission Leben getragenen Einrichtungen Egli-Haus und "Wendepunkt" drei ganzjährig geöffnete Unterkünfte für wohnungslose Personen mit zusammen knapp 80 Plätzen. Zusätzlich wird im Zeitraum von Anfang Dezember bis Ende März regelmäßig eine "mobile Schlafstelle" mit 21 Schlafplätzen in mehreren Wohncontainern bereitgehalten.

Zuletzt hätten die Behörden in Mainz einen Anstieg der Anfragen nach Aufnahme in einer dieser Einrichtungen registriert. "Mit den vorgenannten aktuellen, wie auch in der Zukunft ergänzenden Angeboten sieht sich die Stadt Mainz in Bezug auf die Versorgung von Menschen ohne festen Wohnsitz gerüstet", erklärte eine Sprecherin der Stadt.

Trier schafft "quarantänefähige" Notübernachtungsplätze

In Trier bieten die Einrichtungen Benedikt-Labre-Haus und "Haltepunkt" insgesamt 17 Übernachtungsplätze. Beide Unterkünfte würden mit zusätzlichen Hygiene-Maßnahmen weiter offengehalten. Für den Fall, dass es unter den Wohnungslosen zu Infektionen komme, seien zusätzlich sechs "quarantänefähige" Notübernachtungsplätze geschaffen worden.

"Derzeit haben wir in Trier ungefähr zwölf bis 15 Obdachlose, so dass der Platz voraussichtlich ausreichend ist", teilte ein Sprecher der Stadt mit. Erstmals werde in diesem Winter seit Anfang November in Zusammenarbeit mit der Caritas ein "Kälteservice" in der Stadt Getränke, Snacks und Schlafsäcke verteilen.

Koblenz will notfalls weitere Unterkünfte anmieten

Die Stadt Koblenz teilte mit, dass es in den städtischen Notunterkünften während der Winterzeit gewöhnlich Platz für 58 Menschen gebe, was in der Regel ausreiche. Im kommenden Winter würden wegen der Pandemie nicht alle Plätze zur Verfügung stehen. "Es ist aber dafür gesorgt, dass bei Bedarf weitere Unterkünfte angemietet werden können", hieß es im Koblenzer Rathaus.

Im deutlich größeren Ludwigshafen werden hingegen nur vier Übernachtungsplätze vorgehalten. "Da im vorherigen Winter nur eine Person - wenn überhaupt - den Notschlafplatz nutzte, gehen wir davon aus, dass trotz der aktuellen Pandemie kein Handlungsbedarf besteht", so die Stadt.

In Kaiserslautern gibt es kein ausdrückliches Winterprogramm. Dort betreibt die Caritas ein Übergangswohnheim mit 20 Plätzen. Im Zuge der Corona-Pandemie sei die Regel ausgesetzt worden, die den Aufenthalt dort auf höchstens fünf Tage begrenzte.

Arzt fordert Verteilung von Schutzmasken an Obdachlose

Der Mainzer Mediziner Gerhard Trabert mahnte unterdessen generell mehr kommunale Anstrengungen bei der Winterhilfe für Obdachlose in Corona-Zeiten an. Es müsse - so wie mancherorts im Frühjahr - wieder spezielle Unterkünfte für Risikopatienten und für Quarantäneplätze geben, sagte der Vorsitzende des Hilfsvereins "Armut und Gesundheit in Deutschland".

Außerdem müssten dringend kostenlose Schutzmasken an Menschen verteilt werden, die auf der Straße leben. Schals oder Tücher böten keinen ausreichenden Schutz vor dem Virus. "Wohnungslose Menschen sind häufig chronisch krank oder immungeschwächt", warnte der Arzt. Daher seien sie in der Coronavirus-Pandemie besonders gefährdet. Zudem verschärfe sich das Infektionsrisiko ohnehin aufgrund des nasskalten Wetters.

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