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Akribisch bereiten einige Städte und Kreise in Rheinland-Pfalz mögliche Ausweichplätze für Corona-Infizierte vor. Viele hoffen, dass die Plätze nie gebraucht werden.

Feldbetten in Hallen und eine Jugendherberge als Notlazarett: In der Corona-Krise bereiten sich Kommunen in Rheinland-Pfalz auch auf mögliche Engpässe in Krankenhäusern vor. Falls die Zahl der bestätigten Fälle massiv steigt, sollen zusätzliche Quartiere bereitstehen. Vor dem Hintergrund der Berichte aus Frankreich wollen Kommunen vor allem in Grenznähe gerüstet sein.

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) hatte unlängst gesagt, sie sehe aktuell keine Notwendigkeit für Not- oder Behelfskrankenhäuser. "Die Patientinnen und Patienten, die stationär behandelt werden müssen, können Sie unseres Erachtens nicht in Turnhallen auf Feldbetten behandeln." Es sei in der aktuellen Krise am besten, auf bestehende Strukturen zurückzugreifen.

In manchen Kommunen laufen aber Planungen für Notkrankenhäuser:

In Ludwigshafen hat das Technische Hilfswerk (THW) bereits in der Friedrich-Ebert-Halle ein Notquartier zur möglichen Behandlung künftiger Infizierter mit dem neuartigen Coronavirus eingerichtet. An der Spielstätte des Handballbundesligisten Eulen Ludwigshafen stehen etwa 200 Feldbetten - "die hoffentlich nie benötigt werden", hieß es vom THW.

In Koblenz sind zwei Schulsporthallen mit Feldbetten bestückt worden. Diese einfach gehaltenen "Pflegehilfseinrichtungen" seien als "Überlauf für leichtere Fälle" gedacht, falls die Krankenhäuser im Raum Koblenz wegen steigender Patientenzahlen irgendwann ausgelastet sein sollten, teilte die Feuerwehr mit. In Abstimmung mit dem Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenhaus seien in einer Halle 200 und in der anderen 120 Feldbetten aufgestellt worden, hieß es.

In Pirmasens könnte die Jugendherberge als Notlazarett mit rund 200 Betten zum Einsatz kommen. Voraussetzung wäre, dass die Krankenhäuser in Pirmasens, Zweibrücken und Rodalben ausgelastet sind. Etwa 130 Corona-Patienten könnten in Gästezimmern der Jugendherberge untergebracht werden - bei Bedarf auch noch in den Konferenzräumen.

Hilfe von der Bundeswehr

In Bad Bergzabern soll in leer stehenden Teilen eines Krankenhauses eine zusätzliche Intensivstation entstehen. Die pfälzischen Kreise Germersheim und Südliche Weinstraße sowie die Stadt Landau haben die Bundeswehr gebeten, den Aufbau zu unterstützen.

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In Wörth am Rhein soll ein Notkrankenhaus für den Kreis Germersheim in einer Halle eingerichtet werden. Geplant sind etwa 100 Betten bis Anfang April. Eine Erweiterung ist möglich. Wörth liegt bei Kandel - dort sollen Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut werden.

In Neustadt an der Weinstraße stehen im Diakonissen-Mutterhaus im Ortsteil Lachen-Speyerdorf etwa 200 Betten zur Verfügung, die im Notfall mit Patienten mit mittelschwerem Verlauf belegt werden können. Das Notkrankenhaus soll dann im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten, hieß es.

Bürgerhaus wird "Corona-Ambulanz"

In Zweibrücken wird das frühere Evangelische Krankenhaus als Notlazarett mit etwa 50 bis 70 Betten hergerichtet. Voraussetzung ist, dass die Corona-Fälle in der Rosenstadt deutlich steigen.

In Jockgrim soll das Bürgerhaus zur Anlaufstelle für Patienten mit Covid-19-Symptomen werden. Die "Corona-Ambulanz" soll Hausarzt-Praxen entlasten. Ärzte dürfen Patienten auf das Virus testen sowie ambulant versorgen und Medikamente verschreiben. Der Starttermin ist offen.

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